Nein.
Es geht hier darum, daß bis zu 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers seine Familie (oder oft genug eben die Verwertungsgesellschaften) von der Leistung, die zu dem Zeitpunkt vielleicht schon 100 Jahre zurück liegt, profitieren. NEUES Geld einnehmen.
Darum ging es bisher in keiner Weise.
§ 64 UrhG ist ein heißer Reformkandidat, keine Frage. Aber darum geht es eben nicht. Es geht primär um brandaktuelle Werke.
§ 64 UrhG spielt nur in wenigen Fällen wirklich eine Rolle, etwa bei Brecht, Karl Valentin, Adolf Hitler ...
100 oder mehr Jahre nach Schaffung des Werkes klingt für mich auch nach "ewig".
Das ist nun wirklich Dein Problem. Man muss nicht Historiker sein, um es anders zu sehen, man kann auch einfach in ein Wörterbuch schauen - gibt's bei Bedarf in Tauschforen.
5 oder 10 Jahre nach Schaffung eines Werkes sollte der Künstler m.E. etwas Neues geschaffen haben, oder sich nach anderen Einnahmequellen umsehen.
Sagst Du. Hoffentlich bist Du dann wirklich konsequent: Negativzins auf Erspartes, Verlust von Eigentumsrechten nach fünf bis zehn Jahren bei allem, was man besitzt usw.
Die Schutzfristen motivieren doch gerade NICHT dazu, weiterhin künstlerisch aktiv zu sein, sobald man einmal den Jackpot hat.
Du glaubst, Regener könnte sich derzeit zurücklehnen, weil er 2001 "Herr Lehmann" vorgelegt hat und davon seither seinen Lebensunterhalt bestreiten kann? Das ist arg naiv. Er kriegt weiterhin Geld für "Herr Lehmann", da das Buch weiterhin gekauft und in Bibliotheken geliehen wird. Aber sobald das Buch nicht mehr gekauft und nicht mehr geliehen wird, kriegt er auch nichts mehr (was der Rede wert wäre). Wo also soll das Problem sein? Die meisten Künstler verdienen weniger als 11.000 Euro im Jahr. Es geht Künstlern in Deutschland dreckig. Und Typen auf komfortablen Angestelltenposten tun soll, als seien die Kreativen Schmarotzer. Das ist echt widerlich.
Regener, eine der wenigen Ausnahmen, hat sicherlich finanziell ausgesorgt. Was daran liegt, dass er ziemlich fleißig war und es genug Menschen gab, die das honoriert haben. Mit für ihn vorteilhaftem Urheberrecht hat das nur sehr am Rande zu tun.
Die ewiglangen Schutzfristen sind gerade kontraproduktiv.
Das ist eindeutig falsch. Nicht nur, weil die Schutzfristen nicht ewig sind, sondern weil Urheberrecht tatsächlich Urheber schützt. Ohne gewissen Schutz kämen viele Urheber gar nicht mehr über die Runden, wären nicht mehr Urheber, was eine kulturelle Verarmung bewirken würde.
Eigentlich soll Kunst das Leben aller bereichern, nicht nur das Leben derer, die viel Geld haben.
Es lebe das ewige(!) Vorurteil. Nochmal: Kunst ist extrem riskant und endet oft in der Verarmung. Zum Reichwerden bieten sich andere Lebenswege an.
Wissen ist ein Gemeingut.
Plattitüde. Dummheit ist ein Gemeingut. Wissen ist mühsam und fordert viel Tribut. Gut, dass es Mittler gibt, die Wege weisen, die sie vorher selbst erschlossen haben. Sie haben Dank und Entschädigung verdient.
Warum werden die Schutzfristen für Kunst immer weiter heraufgesetzt?
Wann wurden sie heraufgesetzt? Und nochmal: Das spielt keine Rolle. Gefragt und in heavy-rotation sind Film- und Audio-Charts sowie Buchbestseller. Wenn Du Karl Korns "Lange Lehrzeit" als E-Book ins Netz stelltest, würde sich vermutlich niemand dran stören und es keiner runterladen, obwohl Karl Korn nun wirklich kein unbedeutender Urheber war.
es geht darum, daß jemand für eine einmal erbrachten Leistung nicht ewig neues Geld bekommen soll.
Verquere Denke. Richtig ist: Jemand macht ein Angebot. Jemand nimmt es an oder lehnt ab. Wer Musik nicht bezahlen will, kann sich nach Herzenslust im gemeinfreien Bereich bedienen oder nimmt halt ein geringes rechtliches Risiko in Kauf.
Aber es ist trotzdem für mich nicht nachvollziehbar, daß jemand einmal für eine überschaubare Zeitspanne aktiv sein kann und dann nicht nur selber für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben soll
Das ist ja auch nicht so. In aller Regel reicht der Erlös eines Buches, einer CD, eines Films nicht mal, um das nächste Werk zu finanzieren. Trotz unseres Urheberschutzes müssen die meisten Künstler ihr Geld anders als durch Kunst verdienen. Sie haben damit kein Problem, weil niemand gezwungen ist, Künstler zu sein. Aber sie als raffgierig erscheinen zu lassen und zu behaupten, sie hätten unter aktuellen Bedingungen nach einem Werk ausgesorgt, zeugt von größter Ahnungslosigkeit.