Der Wind drückt durch das Fenster in egal welcher Etage stark rein, es entsteht ein Überdruck im Haus (wenn er auf der anderen Seite nicht raus kann) und es hebt Schindeln ab. Völlig unwahrscheinlich ist das nicht. Wie gesagt habe ich es aber auch noch nie erlebt. Auch nicht in meiner Zeit beim KatS.
Habe ich beim Sturm "Lothar" gesehen an einer Scheune. Dort wurde durch den Wind die Tür aufgedrückt und die Besitzerin hat wohlmeinend diese wieder zugemacht und einen Stock unter die Klinke geklemmt. Die nächste Böe hat dann ihren Druck über das Dach ausgeglichen.
Es war zugegeben kein Wohngebäude, aber selbst ankippen würde ich da nicht, wenn solche Böen angesagt sind. Der Wind hat dabei so eine Kraft, dass je nach Richtung durch die Bude das Fenster u.U. kurz gegen den Anschlag und dann wie beim Schließen in den Rahmen scheppert. Das Ergebnis ist dann im dümmsten Fall ein daueroffenes Loch mit netter Zick-Zack-Umrandung. Ob das jemand bei so einem Unwetter wirklich haben willl...
Der Lothar war sowieso eines meiner "spannendsten" beruflichen Erlebnisse. Den habe ich zum Peak im Schwarzwald mitgemacht, Schicht eigentlich von 6-14 Uhr so über den Daumen und heimgekommen bin ich am Abend nach 21:00 Uhr mit dem Taxi.
An der Stelle, wo dieser Zug entgleist ist, bin ich 10 Minuten vorher mit 2x 628 durchgefahren und habe mit diesem noch im nächsten Bahnhof gekreuzt. Die Bäume müssen quasi direkt hinter mir umgefallen sein. Nicht auszudenken, wenn die statt der lokbepannten Garnitur so einem VT in die Quere gekommen wären, wenn es selbst die dicke 218er so ausgehoben hat. Bei mir ging es dann Richtung Neustadt/Schwarzwald noch durch den Dögginger Tunnel durch und auf Höhe Bachheim war die Reise dann beendet, weil exakt in Pufferhöhe zwei weitere Bäume lagen, die ich dann trotz langsamen Fahrens nicht mehr erbremst habe. Bei Sturm und Niesel plus Laub fährt man mit so einem scheibengebremsten Zug sowieso nur Schlitten. Funk gab es damals dort noch keinen und Streckenfernsprecher haben nur noch Richtung Löffingen funktioniert. Ist sowieso ein geiles Gefühl, wenn man am Fernsprecher mitten in der Pampa steht, einem alles um die Ohren fliegt, was nicht niet- und nagelfest ist und das Ding eigentlich nur eine Säule mit einem Hörer ist wie an der Autobahn.
Irgendwie haben wir uns dann dort über zwei Ecken mit Streckenfernsprecher und Basa-Telefon zwischen den zwei Fahrdienstleitern so abgekaspert, dass ich wieder zurück nach Döggingen kommen soll und im Zweifel vielleicht sogar erstmal im Tunnel stehenbleibe, bis das Ärgste durch ist - sinngemäß Hauptsache runter von der Strecke. Es hat aber dann noch gelangt und so konnten die Fahrgäste wenigstens von dort mit dem Bus nach Hüfingen in ein eingerichtetes Notquartier, in welchem bereits die anderen vom Gegenzug waren. Da war nicht nur ein Schutzengel dabei.
Selber bin ich im Grunde eine wenig ängstliche Natur bei solchen Ereignissen, aber nachdem ich im Tübinger Raum und bei Herbertingen und auch anderswo schon in so ein Sauwetter geraten bin, wo dann die Bäume an der Strecken lagen, als ob Riesen gekegelt hätten, bin ich bei Sturm, Gewitter und nassem Neuschnee oder Tauwetter nach langem Schneefall da etwas kitzlig, vor allem wenn man dann die Dreckecken so etwas kennt.
In Herbertingen hat es mich auch eingeseift wie Sau, es hat geregnet und gestürmt und da gab es einen Abschnitt mit einem Birkenwäldchen, wo es einem mit quasi null Sicht die Dinger an die Fuhre gedroschen hat wie bei einer finnischen Sauna. In Herbertingen zweigt dann die Strecke nach Aulendorf ab und ich habe dem Fahrdienstleiter und dem Gegenzug über den Ortsfunk gesagt, sie sollen vorsichtig machen und ggf. mit Befehl und auf Sicht fahren. Der Kollege damals war kurz vor der Pension und ist dann am Hang in einen querliegenden Baum ziemlich in Führerstandshöhe rein. Solche Bilder bekommt keiner mehr aus dem Kopf, da reicht einem schon das Vorstellungsvermögen:-(