Linux als Desktop und somit Windows-Ersatz ist halt noch sehr in den Kinderschuhen.
Ohne Dir wirklich widersprechen zu wollen, sehe ich das als seit über 15 Jahren durch Linux geprägter Computer-Nutzer eigentlich gerade andersherum: Linux als Desktop basiert auf ganz anderen Paradigmen und kann deswegen keinesfalls jemals als Windows-Ersatz dienen, da man es dafür zu sehr verkrüppeln müsste. Aus meiner Perspektive betrachtet finde ich dagegen die allgemeine Windows-GUI in all ihren Inkarnationen seit meinem ersten Kontakt mit Windows for Workgroups 3.11 bis hin zu Win7 als ungemein umständlich und wenig unterstützend für meine Arbeit. Allein schon das standardmässige Fehlen virtueller Desktops ist ein echter Produktivitätskiller für mich. Aber was perspektivisch für mich definitiv gilt, muss nicht notwendigerweise auch für andere gelten.
Linux als Desktop steckt schon lange nicht mehr in den Kinderschuhen, sondern ist schlicht ganz anders geprägt. Die Tendenz, dem unbedarften Endanwender alles derart zu vereinfachen, dass dem sehr wohl bedarften kompetenten Nutzer in der Konsequenz Funktionalitäten beschnitten werden, halte ich doch für sehr bedenklich. Es sei dazu gesagt, dass ich selbst weder mit GNOME/KDE/XFCE arbeite, sondern lieber auf einen gemäss meiner eigenen Vorstellungen hochflexibel konfigurierbaren Windowmanager setze (=Window Maker). Das ist nicht jedermanns Sache, aber es ist ein wahres Geschenk, dass sowas unter Linux so einfach realisierbar ist.
Allerdings sehe ich auch nicht ein, warum Linux auf dem Desktop die Weltherrschaft anstreben sollte. Windows ist schon okay für diejenigen, die damit besser klarkommen, weil deren Produktivität dadurch schlicht besser unterstützt wird. Ich halte es im Nachhinein betrachtet für grundlegend falsch, dass in München diese aufwendige IT-Umstellung jemals begonnen wurde. Diese hat dem Vernehmen nach nämlich nichts wirklich verbessert oder wenigstens vereinfacht, sondern vielen Mitarbeitern das Leben eher schwerer gemacht. Schade um die ganze verschwendete Arbeitszeit, die durch diesen Produktivitätskiller verursacht wurde! So sehr ich Linux als mein seit vielen Jahren bevorzugtes Betrübssystem auch mag, so ist es alles andere als die einzig selig machende Lösung in Bereichen, in und für deren Kontext es nicht entstand und entwickelt wurde.