Guten Morgen Kollegen:
Moronoxyd, Du hast den Begriff des Monopolisten verwendet. Faktisch gebe ich Dir Recht, aber die Frage sei erlaubt, wodurch die Monopolstellung (für mich eher Marktführerschaft) erreicht wurde. Ich tippe seit 1980 (CBM8032) auf eigenen Systemen herum. Microsoft war damals ein Anbieter unter vielen anderen Software-Anbietern, MS war nicht DER, sondern AUCH einer. Im Laufe der Jahre gab es eine ganze Reihe von Anbietern, IBM, DigitalResearch, Lotus, WordPerfect, Borland, Ashton-Tate, WordStar uvm.. Als damals DigitalResearch mit GEM auf den Markt kam und MS mit Windows-Version 1.03 das Wettbewerber-Produkt stellte (IBMs TopView lasse ich mal außen vor), war damals bei uns am Institut der große Streit, auf "welches Pferd" wir denn nun setzen sollen (für kommerzielle Software und "Eigenproduktionen"). Ich konnte damals MS durchsetzen, nicht weil Windows 1.03 "besser" war (es war eigentlich eine Zumutung), sondern weil DR seine Produkte dermaßen "unwillig" vermarktet hatte, dass man auch als Entwickler einfach keine Lust dazu hatte (Stichwort SDKs). Es gibt die Anekdote, dass der DR-Gründer Gary Kildall seinerzeit die IBM-Mannschaft, die auf der Suche nach einem OS für den IBM-PC war, mit der Begründung, er wolle erst einmal ein wenig Fliegen, dermaßen vor den Kopf gestoßen hat, dass diese das favorisierte (weil bessere) DR-DOS für den IBM-PC als primäres OS ablehnten (und danach einen gewissen Bill Gates besuchten). Vielleicht nur eine "schöne" Geschichte, aber mit einem Fünkchen Wahrheit, zumindest nach meinen damaligen Erfahrungen mit DR.
Lotus1-2-3, dBase, AmiPro, WordPerfect, WordStar, zumindest einige der genannten Produkte hatten ebenfalls eine Monopol-Stellung inne. Und heute? Ich weiß, es gab damals diverse Auseinandersetzungen, dass MS den Wettbewerbern im Applikations-Bereich Funktionen bzw. entsprechende Dokumentationen vorenthalten habe und dadurch den Wettbewerb behindert hätte. Aber die Wettbewerber müssen sich aus meiner Sicht den Vorwurf gefallen lassen, dass sie einfach "keinen Bock" (ich weiß, klingt sehr profan :facepalm

auf eine entsprechende Vermarktung und den notwendigen, langen Atem hatten. Als IBM seinerzeit mit OS/2 ein richtig gutes Produkt auf den Markt gebracht hatte, habe ich dieses "Abenteuer" sicher mit einigen tausend (damals noch) DM bezahlt. Entwicklungsumgebungen, Literatur und einige andere Ausgaben. Und was machte IBM? Richtig - nichts - OS/2 wurde (so empfand ich es) von IBM regelrecht "versteckt". Die mittlerweile von Lotus übernommen Produkte, die nun von IBM als Lotus SmartSuite angeboten wurde (und ein echter Office-Killer gewesen wäre), wurde dermaßen schlecht vermarktet, dass man als eingefleischter Nutzer eigentlich nur noch staunen konnte

. Als mit dem Netscape Navigator dann ein Web-Browser auf den Markt kam und MS dann mit dem ersten IE eine Antwort lieferte, über die fast die gesamte Branche lachte, da dachte noch niemand daran, dass irgendwann (und peu à peu) der IE dominieren würde.
Und ich frage ernsthaft: Soll ich als Anbieter mich bzgl. meiner Produktentwicklung oder Produktpolitik zurückhalten, wenn die Wettbewerber nicht können oder nicht wollen? Und wenn, nur als Beispiel, Mitch Kapor (den ich aufgrund seiner EFF-Aktivitäten sehr schätze) irgendwann Lotus "an den Nagel hängt", dann kann ich die langfristigen Strategien eines Bill Gates (oder auch Steve Jobs) doch nicht als Monopol-Streben kritisieren. Und nach der Lektüre einiger Biographien über Gates oder Jobs, lösten ältere "Werke" in einigen Punkten vielleicht noch Kopfschütteln aus (weil die Strategien teilweise ziemlich "abgedreht" waren), aber im Laufe der Zeit wandelte sich, zumindest bei mir, das Kopfschütteln in Bewunderung bzgl. des langen Atems zur Umsetzung der Ideen. Und dieser Atem fehlt bzw. fehlte bei Wettbewerber, die nicht mehr am Markt agieren.
Grüße, Ingolf.