Was so ganz und gar nicht passt: Abschied von unserem treuen Begleiter

hubie

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Ich studiere und schreibe gerade meine Masterarbeit in Jena. Lange habe ich schon hier und da mal darüber nachgedacht, wie es sein wird... jetzt ist es soweit.
Am Freitag hat mich der Anruf meiner Mutter erreicht, dass es unserem lieben Hund wohl in den letzten Tagen immer schlechter ging, und sie sich entschlossen haben nach wochenlangen Gedankenspielen ihn am Montag zu erlösen.
Da ich hier relativ auf mich alleine gestellt bin, lass ich hier mal etwas heiße Luft ab, vielleicht liest es ja jemand.

Körperlich hatte er schon länger Beschwerden. Leider ertaubt durch eine Medikamentennebenwirkung vor ca. 2 Jahren, jetzt kam im letzten Jahr noch schwindenes Augenlicht dazu, er sieht noch etwas, also auch meine Eltern in seiner letzten Stunde.
Essen hatte er schon längere Zeit nicht so gut vertragen, magenschonende Hundenahrung war angesagt. Nun übergibt er sich immer öfter nach dem Essen und am Freitag hat er wohl mehrere Stunden gewinselt und gejault vor Schmerzen. Das Aufstehen fällt ihm seit ca. 2 Wochen deutlich schwerer, er hat wohl schon begonnen sich von uns zu verabschieden.
Ich bin froh alles aus der Distanz ertragen zu müssen, auf der andereren Seite verachte ich mich selbst etwas dafür, dass ich nicht den Mut aufbringe in den Zug zu springen und ihm am Sonntag selbst nochmal Lebewohl zu sagen. Ich hab für ihn eine Kerze angezündet und bilde mir ein, dass ich ihm so näher bin und ihn in seinen letzten Stunden begleite. Das mit Schwerste für mich ist, dass es erst am Montag vorüber sein wird!

Seit meinem 9ten Lebensjahr kenne ich ihn nun, er hat mich viel gelehrt über Verantwortung und Einstellung zu Tieren bzw. Lebewesen im Allgemeinen. Auch wenn ich früher manchmal nur einen kurzen Bogen um die Ecke gemacht habe, um wieder an den Rechner zum Zocken zu kommen,
ich liebe ihn so sehr wie man wohl auch nur andere Menschen lieben kann. Der Verstand sagt: Es ist nur ein Hund. Das Herz sagt: Es ist ein Familienmitglied, dass von uns geht. Anfang Juni wurde er 17 Jahre alt und geboren wurde er an einem Freitag den 13., seitdem ein Glückstag für mich!

Respekt für meine Eltern, die ihn über das Wochenende noch begleiten, in dem Bewusstsein, dass am Montag Mittag die Tierärztin zu uns nach Hause kommt und den Übergang einleitet.
Wir werden ihn einäschern und dann in seinem geliebten Wald verstreuen, wenn ich, mein Bruder und meine Eltern uns mal wieder zuhause gemeinsam über den Weg laufen.
Danke fürs Lesen!

Euch allen trotzdem noch ein schönes Restwochenende

euer Hubie!
 
Zuletzt bearbeitet:
tut mir leid, ich kann das gut nachvollziehen, ging mir vor 2 Jahren genauso... :(
 
Sieh's als verdiente Erlösung von all den Beschwerden für ihn und lass dich nicht unterkriegen!
In deinem Herzen wirst du ihn immer ein kleines Stück behalten können, Kopf hoch
kopf_hoch.gif
 
Ich kann mir gut vorstellen, wie es dir geht. Bei uns ist auch alle paar Jahre ein Abschied fällig (3 Kater) der uns immer schwer fällt, aber es ist auch unmenschlich das Tier leiden zu lassen wenn keine Besserung in Sicht ist.

Hinzufahren würde dem Tier auch nicht helfen, da das Tier nur deinen Schmerz fühlen würde und nicht verstehen würde warum du so leidest.
 
17 Jahre! Das ist verdammt viel für einen Hund.

Ja, es bleibt lange eine tiefe Leere, wenn so ein Familienmitglied geht. Und wenn mal die Tränen kommen sollten, so ist das normal....

Und niemals vergessen

Sonnige Tage. Nicht weinen, daß sie vergangen, sondern lächeln, daß sie gewesen
 
So, morgen ist es soweit. Ich bin jetzt deutlich ruhiger als noch gestern. Er hat wohl nochmal deutliche Anzeichen gegeben, dass er gehen möchte. Ich bin froh, wenn er es geschafft hat! Gute Nacht. :)
 
Ich fühle auch mit, unsere Hundedame hat auch vor inzwischen fünf Jahren (oder gar noch länger) aufgrund eines Herzleidens eine Erlösung durch den Tierarzt erfahren dürfen.
Es fiel zwar schwer, gedanklich loszulassen, aber auf der anderen Seite müssen wir froh sein, dass wenigstens unsere Haustiere das Anrecht auf einen würdigen Tod haben! :)
 
Mein Beileid um den Verlust eines Familienmitglieds. Schätze Er hat ein gutes und langes Hundeleben hinter sich, was leider nicht jedem seiner Artgenossen vergönnt ist.

Ich mag nicht drüber nachdenken, wenn es bei uns mal soweit ist. Der kleine Kerl ist zwar erst 8 Jahre alt, aber nicht eben gesund. War massgeblich daran beteiligt mich aus einer schweren Depression raus zu holen und gibt uns täglich mehr als wir jemals zurückgeben können. Der Verlust eines geliebten Tieres ist der Verlust von Lebensqualität.

Ein Hund sollte seine Menschen ein ganzes Leben begleiten können. Einer der drei Wünsche wenn ich endlich mal die Wunschfee im Wald erwische.

 
Hallo allerseits.
Ich bin heute doch noch nach Göttingen zu meinen Eltern gefahren mit dem ersten Zug. Wir haben noch einen kleinen Spaziergang gemacht, soweit ihn seine alten Beinchen tragen konnten ohne zuviel Anstrengung. Danach bekam er sein letztes Mahl und darauf nochmal etwas zu futtern mit Schlafmittel.
Er ist dann recht schnell zusammengeklappt, war aber noch ca. 30 Minuten bei Bewusstsein, bevor er in den tiefen Schlaf viel. Wir haben ihn die ganze Zeit gestreichelt und mit ihm gerdet, intensive Blicke ausgetauscht. In meinem jungen Leben habe ich noch nie so einen schweren Dienst getan an jemandem den ich liebe.
Dieser Hund hat uns 17 Jahre begleitet, eigentlich meine gesamte Kindheit und Jugend bis hin über das Studium, auch wenn ich ausgezogen war... ich habe ihn geliebt wie meine Engsten, (-5% wie wir immer gesagt haben, um damit auszudrücken, dass natürlich zwischen Eltern und Bruder noch ein kleiner Unterschied besteht).

Als die Tierärztin kam, ging alles ganz schnell. Anfangs bin ich noch rausgelaufen, aber auf dem Absatz umgekehrt. Da hatte er schon die Narkose gespritzt bekommen. Gleich darauf kam die Überdosis Schlafmittel und wir alle haben ihn geherzt, als er seinen letzten Atemzug tat. Das alles war leichter, als ich zuvor befürchtet hatte. Das lag wohl auch daran, dass ich mich schon 3 Tage lang darauf einstellen konnte und meine Eltern schon Monate lang mit dem stillen Gedanken an ein baldiges Ende lebten.

In 2 Wochen werden wir seine Asche in unserem "Stöckchenwald" verstreuen, mal hier, mal dort, dort wo er glücklich war! Danach werden wir essen gehen und uns über Erinnerungen mit ihm unterhalten, aber hoffentlich auch über das ein oder andere, das gar nichts mit ihm zu tun hat ;).

Gute Nacht!

der traurige Hubie

@Opi43: Gestern hatte ich noch vor, hier in Jena zu bleiben. Ich bin froh, dass ich das nicht getan habe. So hatte ich die Gelegenheit ihm ganz persönlich lebewohl zu sagen, und er hat meine Anwesenheit genossen. Die halbe Stunde vor dem Tiefschlaf war ganz intensiv und wichtig für uns alle! Hab keine Angst davor... es ist schlimm aber auch ganz schön, wenn man sich so von seinem treuen Begleiter trennen darf. Das Schwere daran war, dass er eben doch auch noch gute Tage hatte, die schlechten sich aber immer öfter darunter schoben, und alltägliche Beschwerden wie Laufschwierigkeiten, Erschöpfung, Essensunverträglichkeit, Taubheit und beinahe Blindheit sich noch darunter mischten. Ganz blind war er noch nicht, er hat uns also noch gesehen, bevor er uns entglitt. Wir haben ihn losgelassen als wir vor der Pforte standen, und dann war es an ihm hindurch über die "Regenbogenbrücke" zu gehen. Nach seinem Tod haben wir ihn nochmal in seinem Körbchen für ein paar Stunden an seinem Lieblingsplatz gelassen, mit Rosen und Kerze. Immer wieder haben wir hinein geschaut. So hatte seine Seele genug Zeit sich von der körperlichen Welt zu trennen und auch uns nochmal zu besuchen, wie wir im Raum nebenan saßen und über ihn sprachen.

Hier ein Foto aus fitteren Tagen, 2008. Unser Frechdachs!
Noch vor zwei Tagen, auf seinem vorletzten Nachmittagsspaziergang hat er Komplimente bekommen, wie süß er doch ist :).
Unser Moritz.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist schön, daß Du dich so harmonisch von ihm verabschieden konntest. Schön und traurig. Ich wünsche mir für uns ein ähnliches Szenario wenn es denn mal so weit ist. Wir werden ihn im Garten begraben.
Wundert vielleicht, daß wir uns mit dem Thema beschäftigen, obschon Er "erst" 8 Jahre alt, bei seiner Rasse eine Lebensalter von 15 Jahren nicht ungewöhnlich ist, aber Er hat nach mehreren OP mit Arthrose zu kämpfen und wir sind entschlossen ihn nicht leiden zu lassen.

Danke für das Bild. Ein feiner Kerl ohne Zweifel.

Alles Gute für dich und deine Familie. Irgendwann kommt ein anderer feiner Kerl in euer Leben, denn ohne Hund geht eigentlich garnicht, zumindest für uns.
 
Das wundert mich nicht, ich hab schon vor 10 Jahren mal daran gedacht, ob er denn nicht vlt. schon die Hälfte seines Lebens verlebt hätte :). Der Fall war das damals noch nicht.

Zwei Tage vor seinem Tod:

IMG-20140701-WA0002.jpg

Kein Wunder, dass es uns so schwer fiel.
 
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