Ich denke auch, daß Windows 8 den Großteil der harschen Kritik nicht verdient hat. Es ist halt das Geschrei der Leute, die meinen, die Welt gehe unter, wenn das Startmenu plötzlich anders aussieht, anstatt einfach mal auszuprobieren, ob es vielleicht sogar eine Verbesserung darstellt. In meinem Bekanntenkreis habe ich mittlerweile mehrere Leute dazu gebracht, Windows 8 zu benutzen, und alle sind mit dem Startscreen zufriedener als mit den vorherigen Lösungen: der eine benutzt dauernd die Suchfunktion, andere arrangieren den Startscreen nach Bedarf etc.
Dennoch macht Windows 8 einen Fehler: nämlich sind, egal ob auf Desktop oder Tablet, immer die Metroanwendungen als Standardhandler für alle möglichen Dateitypen eingestellt, und auf dem Desktop besteht selten der Wunsch, Musik, Bilder oder gar PDFs in Vollbild-Apps zu öffnen. Ist nicht so schlimm, kann man ja umstellen – aber das bedeutet gleichzeitig, man kann Win8 nicht auf Leute loslassen, die man vorher nicht über die Neuerungen ins Bild gesetzt hat.
Im beruflichen Umfeld habe ich zu Beginn des Jahres zwei Win8-VMs verteilt. Damit keine Beschwerden kommen, habe ich zwar nicht das Startmenu, aber den Startbutton wiederhergestellt ("hot corners" machen in VMs, die in einem Fenster laufen, nicht so viel Spaß), im Startscreen Buttons für "Herunterfahren" und "Neu starten" eingefügt (den Hardware-Ausschalter drücken geht in einer VM natürlich auch nicht) und die Dateiendungen mit Desktopanwendungen verknüpft wo immer möglich. Und natürlich haben die Nutzer auch eine kurze Einführung in das App-Modell bekommen. Aber kürzlich hörte ich, daß einer von den beiden schwere Probleme hat, PDFs zu öffnen, "weil wenn ich die aufmache, ist das immer auf dem ganzen Bildschirm und die Taskleiste ist weg und ich krieg sie nicht mehr zu": kurzum, er ist in der Reader-App gelandet. Vielleicht hab ich beim Konfigurieren was vergessen, vielleicht hat er selbst was umgestellt; aber jedenfalls lehrte diese Erfahrung mich, wie unerläßlich es ist, den Leuten diese Neuerungen ausführlich zu erklären. Und das müßte wirklich nicht so sein.
Ebenso ein Fall aus dem privaten Umfeld: eine Bekannte ist etwas unglücklich mit ihrem Rechner, weil ein sicherlich wohlmeinender Bekannter mal Ubuntu drauf installiert hat und jetzt dauernd irgendwelche Sachen nicht funktionieren, das Explorer-Äquivalent abstürzt, weil niemand sich damit auskennt etc. Als ich sagte, ich hätte noch eine Windows-DVD irgendwo rumliegen, sorgte das für sichtliche Erleichterung. Aber was soll ich ihr jetzt vorbeibringen? Windows 8? Das läuft zwar stabil, aber was die out-of-the-box-Nutzbarkeit angeht, kommt sie da doch vom Regen in die Traufe. Da müßte ich es entweder selbst zurechtkonfigurieren oder Zeit einplanen, um ihr das Zeug zu erklären, oder am besten beides. Also besser Windows 7...