Was ist aus Kundensicht am Ende der Unterschied ob eine Reperatur gar nicht möglich ist oder sie wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist?
Die Ersatzteile wird man am Ende auch nicht hinterhergeschmissen bekommen. Auch den Preis der Komponenten kann der Hersteller ja bestimmen
Klar, das Unternehmens wird sich die Ersatzteile gut bezahlen lassen. Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber ich denke/hoffe, dass es am Ende ähnlich läuft wie bei den ThinkPads. Bei den neuen Geräten kostet ein Ersatzboard auch ein Vermögen. Aber nach ein paar Generation ist das Gerät für den Hersteller einfach nicht mehr so wirklich interessant. Da stören die Teile nur im Lager und es gibt in der Regel einen florierenden Ersatzteilhandel. Das setzt aber voraus, dass das Gerät sich überhaupt irgendwie reparieren lässt.
Ich fände es zum Beispiel super, wenn man in Zukunft auch bei Waschmaschinen eine Anleitung zur Reperatur bekommen kann und sich das Ersatzteil dann ggf. auf eBay/Kleinanzeigen/... oder vielleicht auch beim Hersteller direkt beziehen kann. Teilweise ist es ja wirklich nur ein kleines Teil, was defekt ist (zum Beispiel der Türgriff der Waschmaschine, um mal ein beliebiges Beispiel zu nehmen). Dafür wird auch der Hersteller keine 500€ verlangen können, aber es würde reichen, um die Maschine vielleicht noch ein paar Jahre zu nutzen.
Am Ende wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass es eine Mischkalkulation für den Hersteller wird. Sprich, die Geräte werden etwas teurer, um die Verluste durch die geringen Verkaufszahlen auszugleichen und die Preise für die Reperatur bzw. die Ersatzteile werden natürlich auch so kalkuliert sein, dass damit im Mittel kein Verlust eingefahren wird. Ich denke ganz wird der Hersteller aber die entgangen Gewinne durch Reperaturen nicht auf die Ersatzteile drauf schlagen können. Wenn das so kommt, zahlen am Ende die, die nicht reparieren möchten für die, die ihre Geräte möglichst lange versuchen zu nutzen den entgangen Gewinn mit. Und da muss ich sagen: das finde ich fair. So werden Anreize gesetzt zu schauen, ob es nicht doch möglich wäre das Gerät irgendwie weiter zu nutzen. Falls nicht, dann ist ein Gerät, dass etwas wartungsfreundlicher ist aber sicher auch ein paar Euro mehr Wert. Und wer trotzdem alle zwei Jahre das neuste Tablet braucht, der muss dann halt auch den ökologischen Fußabdruck dafür bezahlen.
So zumindest meine optimistische/naive Hoffnung , dass "der Markt" das so regeln wird. Natürlich ist mir bewusst, dass es auch Hersteller geben wird, die versuchen mit allen Mitteln ihren Gewinn weiter zu maximieren. Aber auch hier hat man als Konsument ja eine gewisse Macht, wenn man solche Praktiken dann eben nicht unterstützt, sondern Unternehmen bevorzugt, die das Recht auf Reperatur auch ernst nehmen (Fairphone und co. schaffen es ja auch ein wirtschaftliches Geschäftsmodell damit zu betreiben).
Und ja, mir ist natürlich auch klar, dass ohne Updates bzw. mit Sicherheitslücken usw. auch die physische Reperatur nichts bringt. Also ein 10 Jahre altes Handy zu reparieren ergibt natürlich schon aus diesem Grund oft keinen Sinn. Aber wie gesagt, ich denke es ist ein erster guter Schritt in die richtige Richtung. Zumindest, wenn die Umsetzung in deutsches Recht nicht wieder Mal völlig unnötig kompliziert gestaltet wird.