Nachhaltigkeit: Wie die Industrie Reparaturen sabotiert

Mornsgrans

Help-Desk
Teammitglied
Themenstarter
Registriert
20 Apr. 2007
Beiträge
79.248
Ein netter Artikel bei heise.de:

Immer mehr Hersteller machen es Kunden und Werkstätten schwer, teure Geräte zu reparieren. Dahinter steckt Strategie, nicht nur Geldmacherei. Ein Selbstversuch.

Nett geschrieben, aber solange die Politik immer nur auf die Industrie hört, wird da nicht wirklich etwas passieren.

Da kommt passend etwas nicht mehr ganz neues um die Ecke:

Framework Laptop: Vorverkauf startet noch 2021 für weitere Länder​


Frameworks nachhaltiger Laptop ist derzeit nur in den USA und Kanada erhältlich, soll aber bald in weiteren Ländern verfügbar sein.

Der modulare und auf Reparierbarkeit ausgelegte Laptop von Framework erzeugt derzeit viel Aufsehen, ist aber bislang nur in den USA und Kanada erhältlich. In unserem Interview wollte Framework-Gründer Nirav Patel Ende Oktober noch nicht genauer auf den weiteren Fahrplan eingehen, doch im Firmenblog findet man neuere Informationen: Es sollen noch vor Jahresende Bestellungen aus weiteren Ländern möglich sein. Die Auslieferung wird allerdings erst Anfang 2022 stattfinden.
...


Kennt man ja aus den Dell- und späteren IBM-/frühen Lenovo-Zeiten, während Lenovo immer mehr den gleichen Weg einschlägt, den einige ihrer Konkurrenten schon beschreiten.

Bleibt zu hoffen, dass die Preise nicht allzu hoch ausfallen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bei manchen Produkten gehts auch einfach, zB wenn das Android-Telefon keine Updates mehr bekommt. Aber die Grenze zwischen "in Kauf genommene Obsoleszenz" hin zu "geplant" ist fließend. Lenovo selbst ist auch schuldig. Siehe T500 mit den kaputten USB-Ports.
Da habe ich gerade ein wunderbares Beispiel. Ich habe mir doch noch etwas bei den BF-Angeboten von Amazon gegönnt. Ein Xperia X5 Mk2.
Der Product Code des Gerätes ist den SONY Update-Servern nicht bekannt (also gar nicht, ich kann nicht mal feststellen, ob es auf Deutschland umgeflashed wurde und ursprünglich eine andere Firmware hatte), was dazu führt, dass das Gerät keine Updates bekommt und auch nie bekommen wird. Ich habe SONY jetzt freundlich per Support-Anfrage dazu aufgefordert, diesen Product Code in die entsprechenden Sektionen der Update-Server einzupflegen (mir geht es ja explizit um die EEA-Updates, das Gerät hat auch eine EEA-Firmware). Dem gebe ich jetzt 1-2 Monate Zeit und dann wird gewandelt, bis es entweder passt oder Amazon das Geld nicht mehr haben will (ich will das Gerät haben und der Preis war ziemlich gut).
Ich stehe nicht alleine mit dem Problem, es gibt noch andere Product Codes, die keine Updates bekommen (bevorzugt Geräte von Amazon... nicht nur in D), kann aber natürlich nur versuchen meinen eigenen Product Code in die Server einpflegen zu lassen.

Ähnlich ist es mir Mal mit einem XZ1 passiert. Auch von Amazon und mit einer Software für eine Gegend irgendwo in der Wallachei, Providergebranded und auch komplett supportlos. Damals konnte man halt noch die CDA ändern und dann eine eigene Customization aufspielen und dann war das Gerät in Ordnung. CDAs verwendet SONY nicht mehr und wenn ich die aktuellste Customization-Firmware aufspiele drehe ich mich im Kreis (außer, dass ich dann halt auf einer neueren Version festsitze... und weiterhin monatlich per Hand flashen kann). Die Sicherheitspatches brauche ich, da ich diverse 2FA-Apps auf dem Gerät laufen habe.

Bei vielen Android-Geräten spuckt die Community der geplanten Obsoleszenz glücklicherweise ja in die Suppe. Bis das mit dem 5 Mk2 ausgestanden ist habe ich mir jetzt mein altes XZ1 wieder aufbereitet. Letzte StockROM war ein Android 8 IIRC. Jetzt läuft ein Android 11 drauf. Flüssig. Ja, ein paar DInge klappen nicht, die brauche ich nicht. SONY ist halt ein so kleiner Markt geworden, dass nicht viel Energie investiert wird, dass alles läuft. Bei Samsung z.B. ist das ja anders. Da kann man davon ausgehen, dass CustomROMs alles unterstützen, was geht.
 
Bitte seid bei dem Begriff "geplante Obsoleszenz" etwas vorsichtig und werft nicht alles in einen Topf. Insbesondere ein auslaufendes Betriebssystem (EOL) ist das ganz sicher nicht, denn das Ende ist angekündigt und wird offiziell bekannt gegeben. Etwas allgemeiner: Dass eine Produktlinie irgendwann mal ausläuft und durch einen Nachfolger ersetzt wird, ist völlig normal und dem technischen Fortschritt geschuldet. Alte Technik immer mitzuschleppen ist a) unwirtschaftlich und b) oftmals auch ein Risikofaktor.

Grüße Thomas
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Da habe ich gerade ein wunderbares Beispiel. Ich habe mir doch noch etwas bei den BF-Angeboten von Amazon gegönnt. Ein Xperia X5 Mk2.
Der Product Code des Gerätes ist den SONY Update-Servern nicht bekannt ...

Da zunächst mal die direkte Frage: War der Verkäufer wirklich Amazon direkt oder war es nur die Amazon-Plattform?

Wo auch immer dieses Gerät herkommt (und damit auch der günstige Preis), es ist zumindest sehr auffällig, wenn Sony dieses Gerät nicht kennt. Wenn hier irgendwelche illegalen Aktivitäten (wo auch immer) vorliegen sollten, kann man Sony dafür natürlich weder belangen noch anprangern (es sei denn Sony ist selbst daran beteiligt).
Es mag legal sein, dass sich irgendwelche Zwischenhändler irgendwo im Ausland billig eindecken und die Geräte modifizieren, um sie hier teuer verkaufen zu können. Falls das aber nicht so im Angebot erwähnt ist, erfüllt das allerdings mindestens den Tatbestand der Täuschung, da den Kunden die Vorgeschichte verborgen bleibt und das Produkt eben nicht die anzunehmende Eigenschaft (hier Gerät für den europäischen Markt) zu 100% besitzt. Sonst würde der Support von Sony ja funktionieren.

Grüße Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Bitte seid bei dem Begriff "geplante Obsoleszenz" etwas vorsichtig und werft nicht alles in einen Topf. Insbesondere ein auslaufendes Betriebssystem (EOL) ist das ganz sicher nicht, denn das Ende ist angekündigt und wird offiziell bekannt gegeben. Etwas allgemeiner: Dass eine Produktlinie irgendwann mal ausläuft und durch einen Nachfolger ersetzt wird, ist völlig normal und dem technischen Fortschritt geschuldet. Alte Technik immer mitzuschleppen ist a) unwirtschaftlich und b) oftmals auch ein Risikofaktor.

Aber das ist doch genau die geplante Obsoleszenz. Der Hersteller ist sogar so freundlich dir mitzuteilen ab wann das ist. Das ist auch nicht immer der Fall, insbesondere bei Android. Erst seit relativ kurzer Zeit gibt es überhaupt Angaben wie lange es Updates geben soll.
Wenn man nach Ablauf des offiziellen Supports Quellcode oÄ bereitstellt ist die geplante Obsoleszenz milder.
 
Für mich ist das auch eine Verwässerung des Begriffs. Das Ausbleiben von Updates macht das Produkt, wie schon vorher erwähnt, nicht unbenutzbar. Wirklich obsolet würde es erst, wenn es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann.
 
"geplante Obsoleszenz" beschreibt einen Umstand, bei dem in ein Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut werden, die zu einem Defekt oder vorgetäuschtem Defekt führen, so dass das Gerät für den Verbraucher nicht (!) mehr nutzbar ist. Das Auslaufen eines Produktes (auch Betriebssystem) ist etwas völlig anderes, da die zuvor verkauften Einheiten durchaus noch nutzbar sind.

Grüße Thomas
 
Für mich ist das auch eine Verwässerung des Begriffs. Das Ausbleiben von Updates macht das Produkt, wie schon vorher erwähnt, nicht unbenutzbar. Wirklich obsolet würde es erst, wenn es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Das stimmt natürlich. Aber andere sind da härter (zumindest nachdem der erste Security-relevante Fail nicht behoben wird).

"geplante Obsoleszenz" beschreibt einen Umstand, bei dem in ein Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut werden, die zu einem Defekt oder vorgetäuschtem Defekt führen, so dass das Gerät für den Verbraucher nicht (!) mehr nutzbar ist. Das Auslaufen eines Produktes (auch Betriebssystem) ist etwas völlig anderes, da die zuvor verkauften Einheiten durchaus noch nutzbar sind.
Hier würde ich keinen Unterschied zwischen Hard- und Software machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Da zunächst mal die direkte Frage: War der Verkäufer wirklich Amazon direkt oder war es nur die Amazon-Plattform?

Wo auch immer dieses Gerät herkommt (und damit auch der günstige Preis), es ist zumindest sehr auffällig, wenn Sony dieses Gerät nicht kennt. Wenn hier irgendwelche illegalen Aktivitäten (wo auch immer) vorliegen sollten, kann man Sony dafür natürlich weder belangen noch anprangern (es sei denn Sony ist selbst daran beteiligt).
Verkauf und Versand von Amazon.
Ob SONY das Gerät überhaupt kennt ist mir (noch) nicht bekannt. Die Update-Server kennen es nicht. Es hat also noch nie ein Update erhalten und ist bisher auch nicht dafür vorgesehen. Man kann meines Erachtens dann auch keine Software-Reparatur mit dem Xperia Companion durchführen (aus der Hüfte geschossen), weil der Companion nicht zuordnen kann, welche Software er runterladen muss, weil der Product Code eben nicht auf den Servern gefunden werden kann.

@Geplante Obsoleszenz und Software: Es ist hier keineswegs so, dass das Betriebssystem ausläuft. Der Hersteller weigert sich lediglich die kommenden Sicherheitspatches, die die Software durchaus erhält, an seine Geräte zu anzupassen und zu verbreiten. Ich sehe das je nach Kundenstamm durchaus so, dass das geplante Obsoleszenz ist (je nach Hersteller eben tatsächlich mit Mitteilung an den Kunden, wann diese eintritt). Es ist ja unerheblich, ob das Gerät durch Software oder Hardware unbenutzbar wird. Für viele Menschen ist es auch egal, ob die Sicherheitspatches aktuell sind. So, wie mir auch egal wäre, ob die Lautsprecher oder der DVB-C am Fernsehgerät funktionieren. Andere trifft beides hart.
 
Aber andere sind da härter (zumindest nachdem der erste Security-relevante Fail nicht behoben wird).

Das macht es nicht richtiger in der Begrifflichkeit. Diejenigen, die so argumentieren, könnte man als Fortschrittsverweigerer sehen, die alte Zustände für ewig aufrecht halten wollen, warum auch immer. Die gibt es einfach, so wie es auch Reichsbürger und Corona-Leugner gibt. Die nennen es eben nicht "geplante Obsoleszenz" sondern Lügenpresse,

Grüße Thomas
 
Das macht es nicht richtiger in der Begrifflichkeit. Diejenigen, die so argumentieren, könnte man als Fortschrittsverweigerer sehen, die alte Zustände für ewig aufrecht halten wollen, warum auch immer. Die gibt es einfach, so wie es auch Reichsbürger und Corona-Leugner gibt. Die nennen es eben nicht "geplante Obsoleszenz" sondern Lügenpresse,

Kommt drauf an wie das kommmuniziert wird.
 
Man könnte sogar noch einen draufsetzen und quasi überall "geplante Obsoleszenz" wittern, weil bekanntlich nichts ewig hält, sondern so gut wie jedes Produkt nach einem bestimmten Zeitraum der Nutzung kaputt geht - und die Länge des Zeitraums hängt ja auch von der Nutzungsfrequenz ab.
Bei mir in der Firma haben wir aktuell Probleme mit ständigen Schäden und Defekten an einem Produkt, weil der Nutzer damit mindestens dreimal täglich eine intensive Funktionsprüfung durchführt. Dafür ist es aber niemals konstruiert und ausgelegt worden, weshalb sich jetzt Schwachstellen zeigen, mit deren Auftreten man erst weit nach der üblichen Nutzungsdauer gerechnet hat.

Die Grenzen sind fließend. Es gibt ein paar immer wieder zitierte "Leuchtturmbeispiele", bei denen der Einbau der ausdrücklichen Schwachstellen nachgewiesen wurde - der Zähler im Drucker beispielsweise. Und es gibt jede Menge Beispiele, bei denen Leute empört "geplante Obsoleszenz!" rufen, es sich aber schlicht um normale Vorgänge handelt. Überspitzt gesagt: Nur weil man bei Mercedes keine Zylinderkopfdichtung mehr für einen Motor von 1951 bekommt, heißt das nicht, dass die Ingenieure damals böse Schlawiner waren, die die Leute "schon nach 70 Jahren dazu zwingen, ein neues Auto zu kaufen, obwohl der Rest noch einwandfrei funktioniert".
 
@Phil2009
Du bringt das Beispiel Mercedes ja selbst.
Das Auto meiner Frau ist 30 Jahre alt und hat 400tkm auf der Uhr. Gerade letzte Woche hat der Mercedes ;) einen neuen Druckregler bekommen. Ja, der war schwer zu besorgen und die Teile werden immer teurer, aber noch lohnt die Investition sich definitiv.
Ich denke hier muss man nicht von geplanter Obsoleszenz sprechen. Altersschwäche ist Altersschwäche.
Wenn zum Produktrelease bereits geplant ist, dass der Softwaresupport ausläuft, obwohl es dazu "keinen Need" gibt, oder eben Hardware so ausgelegt ist, dass sie bricht. Bestes Beispiel sind auch wieder die Flash-ROMs in PKW, die sich mit der Zeit kaputtschreiben. Die werden oft auf eine Lebenszeit von "mindestens dem Garantiezeitraum" ausgelegt, weil "danach kann es uns egal sein" (das sind Zitate eines Verantwortlichen bei einem Auto-OEM).
Dass es sich irgendwann nicht mehr lohnt Ersatzteile zu produzieren oder auf Halde zu halten ist etwas anderes (wobei auch wieder betrachtet werden muss, dass Softwareupdates spätestens mit Erscheinen der Nachfolgegeneration eines Gerätes ein reines Kostengrab ist, da es kein unmittelbares Verkaufsargument mehr darstellt - das Verkausargument lässt sich dann nurnoch auf 'Erfahrungswerte der Vorgenerationen' reduzieren).
 
Man könnte sogar noch einen draufsetzen und quasi überall "geplante Obsoleszenz" wittern, weil bekanntlich nichts ewig hält, sondern so gut wie jedes Produkt nach einem bestimmten Zeitraum der Nutzung kaputt geht - und die Länge des Zeitraums hängt ja auch von der Nutzungsfrequenz ab.
Viele Produkte werden auf eine bestimmte Nutzungsdauer ausgelegt, meist so dass sie gerade über die Gewährleistungsfrist kommen. Bei Bohrmaschinen für den Endkonsumenten liegt die Nutzungszeit bei ca. 16h. Ich habe vor Jahren mal bei einer Gebäudesanierung mitgeholfen wo ich Putz mit einem Schlaghammer entfernt habe. Das Gerät war bei einem Baumarkt geliehen und hat nach etwa 4h aufgegeben. Das Ersatzgerät gleichen Modells war auch nach nur wenigen Stunden defekt. Den Rest habe ich mit einem deutlich robusteren Gerät für den professionellen Einsatz erledigt und das lief bis zum Ende ohne Probleme.

Und aktuell ist bei mir gerade ein Bettlaken und der Bettbezug von IKEA gerissen. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß mir während meiner Zeit in DDR mal sowas passiert wäre. Wie kommt das?

Oder nehmen wir Fahrräder. Wenn man versucht ein UG-Ritzel zu bohren macht man lediglich den Bohrer stumpf. Versucht man das mit den heutigen Ritzeln bohrt man wie in Butter.
Mir sind 4 Sattelgestelle bei Brooks-Sätteln (Leder) gebrochen. Danach hatte ich die Schnauze davon und bin auf Billig-Sättel gewechselt wo das Sattelgestell hält. Zufall?
 
Vorab sei mal erwähnt, dass wir das Thema "geplante Obsoleszenz" bereits ausführlich hatten, siehe https://thinkpad-forum.de/threads/doku-geplante-obsoleszenz.109558/

Bis auf wenige Ausnahmen, wo es Firmen wirklich versucht (und letztlich dann auch teuer bezahlt) haben, macht es für die Firmen keinen Sinn so vorzugehen. Einen Schritt weitergedacht existiert sie auch nicht, bzw. nur in den Köpfen einiger Kreise oder aus Unwissenheit über die Zusammenhänge.
Auf Grund eins hierzu kommt man schnell, wenn man den Sinn der "geplanten Obsoleszenz" hinterfragt: Der Verbraucher soll schneller neu kaufen. Aber macht man damit auch Geschäfte? Nehmen wir an es gibt sie und Firma S nutzt dieses Prinzip in ihren teuren Staubsaugern (Markenprodukt). Kurz nach Ablauf der Garantie versagt das Gerät wie gewollt, der Service attestiert Reparatur lohnt nicht, weil Ersatzteil und Reparatur werden teurer als ein Neugerät. Soweit läuft es nach Plan, aber kauft der Kunde dann den gleichen Staubsauger oder dessen Nachfolgemodell nochmals, nachdem er mit dem ersten Gerät von S so reingefallen ist und in diversen Foren mittlerweile auch über diesen “Schrott“ diskutiert wird? Oder greift er eher zum Modell der Firma M, wenn er erneut ein Markenprodukt haben möchte und von dem es im Bekanntenkreis heißt, alle sind damit zufrieden. Oder er wählt doch lieber gleich das Billigprodukt aus Fernost, da schmerzt der Defekt nach 2,5 Jahren wenigstens nicht so im Geldbeutel. War es also klug von S ihre Geräte so zu konzipieren? Das Geschäft mit dem Ersatzgerät hat die Konkurrenz gemacht und selbst wenn die auch nicht besser sein sollte, es wird dauern, bis die Kundschaft wieder bei S landet, denn der Ruf ist versaut. Hinzu kommt, dass die Entwicklung bei S auch noch teurer war als bei M, die ohne "geplante Obsoleszenz" arbeiten, weil man sie ja die zusätzlich konzipiert und in vielen teuren Tests erprobt hat, damit der Defekt ja nicht in der Garantiezeit auftritt. Das wäre regelrecht kontraproduktiv.
Grund Zwei ist die Konzipierung der "geplanten Obsoleszenz" selbst. Wie gesagt darf sie ja nicht in der Garantiezeit auftreten. Man muss also ein Produkt, oder hier genauer gesagt die eingebaute Schwachstelle sehr genau auslegen, damit sie nicht zum Boomerang wird. Für ein Billigprodukt lohnt sich der Aufwand sicher sicher nicht, weil gerade Tests in der Entwicklung a) teuer sind und b) auch noch mehrere Male wiederholt werden müssen, wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt. Es bleiben also nur die Markenhersteller, die den Aufwand hinter ihrem Namen und dem teuren Preis verstecken können. Das dies auf Dauer nicht funktioniert, zeigt Grund Eins zum einen und zum anderen auch die bekannten Fälle aus der Praxis, nämlich wenn die "geplante Obsoleszenz" auffliegt wie z.B. bei den Canon-Druckern.
Schaut man auf die rechnerische Produktauslegung (CAE-Techniken), um auf aufwändige Produkttests verzichten zu können, sieht es auch nicht besser aus. Hier beschäftigt man dann Experten, die entsprechend höher bezahlt werden müssen und die nötige Ausstattung an Rechnerleistung und vor allem die zugehörigen Spezialprogramme kosten ebenso gewaltige Summen. Nach meinem Wissen findet die gezielte Auslegung auf eine vorgegebene (!) Gebrauchsdauer nur in wenigen, hochtechnisierten Branchen statt, wie beispielsweise beim Automobil, Flugzeug usw. Und selbst in diesen Branchen sagen Spötter gern mal, dass diese Vorhersagen bestenfalls den Charakter von rechnergestütztem Raten haben. Die Physik des Versagens ist bei weitem noch nicht gut genug verstanden (weiß ich selbst aus eigener Tätigkeit) und es kommt hinzu, was Phil2009 angeführt hat: Man weiß im Voraus nie, was der Kunde mit einem Produkt so alles treibt bzw. es ist enorm aufwändig, dieses vorab halbwegs verlässlich zu ermitteln. Also wieder etwas, dass man nur in der Automobilindustrie oder anderen Hightech-Bereichen leisten kann, aber bestimmt nicht für Haarföne, Toaster und andere Consumer-Produkte.

Sorry für den langen Text. Ich könnte vieles hier noch ausführlicher darstellen, da es im weitesten mein berufliches Umfeld ist. Ich hoffe dennoch, dass meine Erklärung zum Verständnis beiträgt und zur Einsicht führt, dass vieles, was als “geplante Obsoleszenz" eingestuft wird, doch nur darauf zurückzuführen ist, dass gerade Consumer-Produkte immer billiger angeboten werden müssen, um gegen die Billigkonkurrenz aus Fernost bestehen zu können. Wie man in der Entwicklung zu kostengünstigen Produkten kommt, will ich jetzt und hier nicht weiter ausführen. Den meisten sollte aber klar sein, dass billig vs. langlebig ein typischer Zielkonflikt ist und nicht die Industrie darüber entscheidet, wohin der Zeiger ausschlägt.
Und zu guter Letzt: Die Reparaturfähigkeit, also eigentlich der Ausgangspunkt für diesen Thread, kann man in ähnlicher Weise betrachten. Sie kommt nicht aus der Produktentwicklung und Konstruktion, sie ist ggf. eine Vorgabe im Pflichtenheft für ein Produkt und sie richtet sich rein nach Aspekten des Marketings und wohl noch viel mehr an den Erfolgsaussichten im Marktumfeld.

Grüße Thomas
 
Auf Grund eins hierzu kommt man schnell, wenn man den Sinn der "geplanten Obsoleszenz" hinterfragt: Der Verbraucher soll schneller neu kaufen. Aber macht man damit auch Geschäfte? Nehmen wir an es gibt sie und Firma S nutzt dieses Prinzip in ihren teuren Staubsaugern (Markenprodukt). Kurz nach Ablauf der Garantie versagt das Gerät wie gewollt, der Service attestiert Reparatur lohnt nicht, weil Ersatzteil und Reparatur werden teurer als ein Neugerät. Soweit läuft es nach Plan, aber kauft der Kunde dann den gleichen Staubsauger oder dessen Nachfolgemodell nochmals, nachdem er mit dem ersten Gerät von S so reingefallen ist und in diversen Foren mittlerweile auch über diesen “Schrott“ diskutiert wird? Oder greift er eher zum Modell der Firma M, wenn er erneut ein Markenprodukt haben möchte und von dem es im Bekanntenkreis heißt, alle sind damit zufrieden. Oder er wählt doch lieber gleich das Billigprodukt aus Fernost, da schmerzt der Defekt nach 2,5 Jahren wenigstens nicht so im Geldbeutel.
Das ist kein Argument. Miele stand damals kurz vor der Insolvenz, weil ihre Produkte zu gut waren und sie selbst mit Ersatzteilen kein Geld gemacht haben. Da bringt einem die beste Produktqualität und damit Laufwerbung nichts, wenn die Geräte 30 Jahre halten und man für solche Zeiträume ohne Umsatz nicht liquide genug ist.
Weiterhin bleibt bei Defekt kurz nach der Garantiezeit (oder wegen mir auch Gewährleistungszeit) immernoch eine Chance der Kundentreue. Wenn der Kunde die Marke nicht beibehalten will (selbst, wenn es 80% der enttäuschten Kunden werden) ist die Chance wieder groß, dass er doch im Konzern landet. Was kaufen denn 90% der Kunden, die kein Bosch mehr haben wollen? Klar... die zweite gute deutsche Mittelklassemarke... Siemens. Ah, ne, Siemens ist ja Bosch... dann kaufe ich halt Neff. Das Geld bleibt in der Familie.
Das selbe Spiel haben wir bei Whirlpool. Dem Konzern ist doch völlig wummpe (nur wissen es hier deutlich weniger Kunden), ob der Kunde Bauknecht oder Privileg kauft. Oder Beko oder Grundig.
Selbst, wenn der Kunde sich tatsächlich komplett abwendet habe ich damit erstmal keinen Verlust gemacht. Ob ich jetzt nicht verkaufe, weil mein Gerät zu gut ist, oder weil der Kunde abwandert sieht auf dem Konto exakt identisch aus. Wenn aber alle mitziehen und "kurzlebige" Produkte anbieten, dann kommt der Kunde innerhalb der nächsten 10-20 Jahre sehr sicher auch nochmal bei mir vorbei. Und dann habe ich das Umsatzplus im Vergleich zu 30 Jahre haltenden Geräten doch in den Büchern stehen.
Bei Autokonzernen sind die Verknüpfungen viel mehr Menschen viel bekannter und trotzdem war die Aussage wie oben gegeben. Es ist nicht im Interesse der Hersteller ewig haltende Produkte auf den Markt zu werfen.
 
das mit dem Kunden abwandern ist eh eine Nullrechnung... denn die die bei der Konkurrenz unzufrieden sind, kaufen ihr neues Gerät ja auch irgendwo ;)
 
dann kommt der Kunde innerhalb der nächsten 10-20 Jahre sehr sicher auch nochmal bei mir vorbei.

denn die die bei der Konkurrenz unzufrieden sind, kaufen ihr neues Gerät ja auch irgendwo

So wie Canon heute auch wieder Drucker verkauft. Canon hatte nur das große Glück, dass sie als Konzern so breit aufgestellt sind, dass andere Sparten die Drucker mit getragen haben und der Konzern diese Sparte nicht abgestoßen oder gar eingestellt hat. Bei BSH-Hausgeräten ist das sicher auch gegeben, aber unterschätzt da mal nicht die Kunden. Gerade bei Hausgeräten ist beinah flächendeckend bekannt, dass unter dem Kleid verschiedener Marken der gleiche Hersteller steckt. Ich bleibe (gerade im Fall Hausgeräte) dabei, wer zu einem anderen Markenprodukt wechseln will, wird leicht bei einem anderen Hersteller zu gleichen Preisen fündig. Und es gibt die Kunden, die dann gleich auf Billigprodukte setzen.
Es mag sein, dass so gut wie jeder nach der nächsten Pleite in 10-20 Jahren zur einer bestimmten Marke zurück kommt. Aber das wirtschaftliche Leben kennt diese Zeiträume primär nicht. Den Firmenbesitzern kann man es nur in wenigen Fällen schmackhaft machen, dass in den kommenden Jahren rote Zahlen geschrieben werden und getreu dem Motto "Ist der Ruf erst mal ruiniert", werden Banken sicher gern neue Kredite für diese Durststrecke bewilligen.

Grüße Thomas
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Miele stand damals kurz vor der Insolvenz, weil ihre Produkte zu gut waren
Ich meine, es hatte andere Gründe. Miele hat versucht seinen hohen Standard zu halten und in diesem Zuge sind ihnen die Kosten für Entwicklung und Herstellung einfach davon gelaufen, während andere auf den Geiz-Zug aufgesprungen sind. Da haben sich die meisten Kunden gesagt, warum soll ich mehr als das Doppelte ausgeben und das ohne zu wissen, ob ein Miele wirklich noch das hält, was die Marke verspricht. Ich kaufe in 10 Jahren lieber neu mit neuer Garantie und wahrscheinlich wird ein Neugerät dann auch nur noch die Hälfte Strom und Wasser verbrauchen.

Grüße Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu Miele findet man extrem wenig, aber mittelbar ist es bei deiner Variante ja das selbe. Qualität zu hoch führt zu hohen Verkaufspreisen führt zu mangelndem Umsatz, weil alle anderen die Qualität zugunsten der Preise reduziert haben.
 
  • ok1.de
  • thinkstore24.de
  • ok2.de - Notebook Computer Server
  • Preiswerte-IT - Gebrauchte Lenovo Notebooks kaufen

Werbung

Zurück
Oben