KB19 testet Nachbauakkus für ThinkPads

KB19

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26 Apr. 2024
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Ich starte mal einen neuen Sammelthread rund ums Thema Nachbauakkus. Diesmal geht es nicht um gefälschte Akkus (wie zuletzt in [1] und [2]), sondern um Exemplare, die ganz offen zugeben, dass sie nicht Original sind und auf denen auch nirgends Lenovo steht. Nachbauakkus haben in der Community nicht den besten Ruf, meine eigene Erfahrung mit Nachbauakkus bei anderen Geräten ist nun aber auch schon wieder 10-15 Jahre her. Vielleicht wurde es dazwischen besser?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich jeweils nur einen Akku des gleichen Typs vom selben Hersteller testen werde. Es kann natürlich sein, dass ich dabei einen Montagsartikel erwische und die restlichen Posten des gleichen Akkus deutlich besser (oder schlechter) abschneiden.

Bisher in diesem Thread getestete Akkus:


Los geht's mit einem externen 94Wh Akku fürs X220/X230 um 46 Euro, der sich schon wieder am Retourweg befindet: Verkauf und Versand durch Amazon, Hersteller K KYUER. Bitte verzeiht die Bildqualität, es war mitten in der Nacht und ich war hundemüde. Die Leuchtstoffröhre in der Küche ist nicht die beste Beleuchtung für Fotos. :sleep:

Wenn wir vom viel zu großen Amazon Überkarton einmal absehen, in dem die OVP des Akkus wild hin und herfliegen konnte, ist es eine typische braune Verpackung mit den üblichen Angaben zu Hersteller und Importeur:

ovp1.jpg ovp2.jpg

Innen ist alles schön gepolstert und es sind Schraubenzieher sowie Plektron dabei. Wozu man das bei einem externen Akku braucht, weiß wohl nur der Hersteller.

ovp3.jpg

Das Gehäuse wirkt auf den ersten Blick sauber verarbeitet. Ein seitliches Label des Akkus war schief angebracht und löste sich bereits halb ab. Was ich etwas verwunderlich fand, dass am Akku selbst überhaupt keine Angaben zum Hersteller mehr zu finden sind. Die "Marke" scheint bei diesem Artikel wohl keine große Bedeutung zu haben.

akku1.jpg

Das Label dieses Nachbauakkus unterscheidet sich interessanterweise nicht sonderlich von den Fake-Akkus, die ich bisher am Tisch hatte: Schlechteres Druckbild, komplett falsche ASM/FRU (die gehört zu einem 6-Zellen Akku), fehlende Leerzeichen bzw. Tippfehler, … – aber immerhin findet man kein Lenovo Logo und auch keinen Sticker für eine S/N, der vorgibt von Lenovo zu sein.

akku2.jpg akku3.jpg

Leider war mein Test dann auch schon relativ rasch beendet, weil das Gehäuse offenbar falsche Abmessungen hat und (genauso wie der Fake-Akku) minimal zu schmal ist. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass die kleine "Nase" nicht korrekt geformt ist oder die Position nicht ganz stimmt. Man kann ihn somit nicht sauber ins X230 rein schieben. :rolleyes:

Mit etwas Gewalt und Kreativität konnte ich ihn dann wenigstens so weit in den Slot schieben, dass er Kontakt hat. Einrasten konnte er dennoch nicht, weil die Gehäuseabmessungen hinten und vorne falsch sind. Ich war nämlich extrem neugierig, mit was sich das BMS beim EC meldet, bevor ich ihn zurückschicke:

Code:
+++ ThinkPad Battery Status: BAT0 (Main / Internal)
/sys/class/power_supply/BAT0/manufacturer                   = SANYO
/sys/class/power_supply/BAT0/model_name                     = 45N1023
/sys/class/power_supply/BAT0/cycle_count                    =      0 (or not supported)
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_full_design             =  94000 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_full                    =  94000 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_now                     =  45970 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/power_now                      =      0 [mW]
/sys/class/power_supply/BAT0/status                         = Not charging

/sys/class/power_supply/BAT0/voltage_min_design             =  11100 [mV]
/sys/class/power_supply/BAT0/voltage_now                    =  11223 [mV]

/sys/class/power_supply/BAT0/charge_control_start_threshold =      0 [%]
/sys/class/power_supply/BAT0/charge_control_end_threshold   =    100 [%]
/sys/class/power_supply/BAT0/charge_behaviour               = auto [inhibit-charge] force-discharge

Charge                                                      =   48.9 [%]
Capacity                                                    =  100.0 [%]

Code:
  - BAT0:
      - Manufacturer:     SANYO
      - Model (FRU):      45N1023
      - Barcode (S/N):    1ZKFR287ELF
      - Manufacture Date: 2026-03-13
      - First Use Date:   1980-00-00
      - Chemistry:        LION
      - Cycle Count:      0

(Die ganzen Rohdaten gibt es erneut auf GitHub: [3] [4])

Auch hier wieder ein ähnliches Bild, dass sich das First Use Date offenbar gar nicht aktualisiert. Ob das an coreboot liegt, oder der Tatsache, dass ich ihn sofort auf "inhibit-charge" gesetzt habe, weiß ich nicht.

Da er nicht einmal ins Akkufach reinpasst bzw. nicht darin hält, ging er direkt zurück. Somit leider keine Ent-/Ladetests. Sorry 😁

(Fortsetzung folgt irgendwann mit einem anderen Akku der bekannteren Nachbau-Marken.)
 
Zuletzt bearbeitet:
Weiter geht's mit einem 49Wh Akku fürs X230 (von GREENCELL) um 48 Euro, der zwischenzeitlich bereits zurückgeschickt wurde. Verkauf und Versand erfolgte erneut durch Amazon. Anzumerken ist, dass der Akku bereits am Papier deutlich schwächer als ein Originalakku ist. Neue 44+ Akkus von Lenovo kamen damals auf deutlich mehr als 63Wh. Solange er aber nicht mit falschen Werten beworben wird, ist das jedoch in Ordnung. Man weiß definitiv im Vorfeld, was man da kauft.

Die OVP des Akkus hat den Transport nicht ganz ohne Schäden überstanden, vielleicht war es aber auch ein Warenrückläufer? Egal, dafür kann der Hersteller nichts!

ovp1.jpg ovp2.jpgovp3.jpg ovp5.jpg ovp4.jpg

Der Akku ist auf allen Seiten vollständig in einer Art Luftpolstertasche eingepackt. Interessantes Konzept, finde ich gut.

akku1.jpg akku2.jpg
akku3.jpg akku4.jpg akku5.jpg

Die Verarbeitung ist soweit in Ordnung. Die Sticker enthalten alles, was man wissen möchte. Er rastete auch sauber ein, einwandfrei Abmessungen bzw. Gehäuseform.

Beim ersten Anstecken machte der Akku keinen Mucks und wusste nicht wirklich, wer oder was er ist:

Code:
      - Manufacturer:
      - Model (FRU):
      - Barcode (S/N):
      - Manufacture Date: 1980-00-00
      - First Use Date:   1980-00-00
      - Chemistry:
      - Cycle Count:      0

Diese leichte Identitätskrise war wohl der Tatsache geschuldet, dass das Charge-Behaviour des EC erneut auf "inhibit-charge" stand…

Code:
      - Manufacturer:     SANYO
      - Model (FRU):      45N1023
      - Barcode (S/N):    1ZJTD22C81D
      - Manufacture Date: 2025-09-03
      - First Use Date:   2012-03-13
      - Chemistry:        LION
      - Cycle Count:      1

…nachdem er vom ThinkPad mit Energie versorgt wurde, erwachte er sofort zum Leben. Das Datum der ersten Verwendung lag interessanterweise im Jahr 2012. Der Cycle Count war 1 und nicht, wie man es sonst kennt, eine schöne 0. Warum beides nicht 100% korrekt programmiert bzw. zurückgesetzt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. (EC-RAM-Dumps: [1] [2] [3] [4])

Ich habe danach leider unabsichtlich einen kleinen "Fehler" gemacht: Ich habe ihn nicht sofort voll geladen und stattdessen versehentlich direkt mit der 1. Rekalibrierung gestartet. :cautious:

1-1_discharge.png 1-2_charge.png

Wie immer wurden alle Akkuwerte (bzw. gefühlt das halbe sysfs) im 5-Sekunden-Takt protokolliert. Die erste Entladung verlief prinzipiell unproblematisch, die Spannung lag am Ende des "force-discharge" Vorgangs bei 9,132V. Der anschließende Ladevorgang war ebenso unspektakulär.

Da der Akku beim Start der ersten Rekalibrierung wahrscheinlich niemals zuvor voll aufgeladen war, führte ich (nach einer Abkühlphase) natürlich eine weitere Rekalibrierung durch. Das sollte mein Versehen korrigieren :oops:

2-1_discharge.png 2-2_charge.png

Die niedrigste Akkuspannung lag diesmal bei 9,059V. Der Zähler für die Ladezyklen stand nun korrekterweise auf 3. Die Kapazität stieg durch die Rekalibrierung auf ungefähr 104% der Designkapazität an. (47,52Wh -> 50,96Wh)

Am nächsten Tag folgte ein normaler Entladevorgang ohne Netzteil…

3_discharge.png

Das X230 lief dabei die ganze Zeit im Leerlauf, bis auf eine kurzzeitige manuelle Bedienung zwischendurch lag die Auslastung somit ziemlich gleichmäßig bei ~10W. Leider kam es ungefähr bei 7% (3,82Wh) zu einem Absturz, dem X230 ging ohne jegliche Vorwarnung der Saft aus! Das kenne ich z.B. von Originalakkus definitiv nicht, egal wie schlecht sie sind. Die letzte protokollierte Spannung lag bei 9,732V und somit deutlich über jenen Spannungen, die ich beim Rekalibrieren gesehen habe. Der Akku sowie das X230 waren auch nicht besonders warm, es sollte also keine temperaturgesteuerte Notabschaltung gewesen sein. Das ThinkPad ließ sich danach zwar noch mit dem Akku starten, ging aber bereits vor dem Splashscreen von coreboot wieder aus.

Rein rechnerisch lag die gelieferte Energiemenge aber relativ nahe an den 49Wh. Wären die Werte des BMS nicht etwas daneben, wäre das durchaus ein gutes Ergebnis! Interessant finde ich eher, dass sich das BMS ziemlich genau um jenen Wert verschätzt hat, um den die Kapazität nach der Rekalibrierung nach oben korrigiert wurde. Mit dem Wert der Designkapazität wäre das vermutlich nicht passiert bzw. wäre das System in einer Normalkonfiguration spätestens bei 5% heruntergefahren. Komisch ist allerdings, dass die Akkuspannung noch nicht in jenem Bereich war, die zuvor mehrmals erreicht wurde. Ob das nun an nicht gleichmäßig geladenen Zellgruppen oder an einer schlechten Qualität liegt, kann ich so leider nicht beurteilen. Ich weiß auch nicht, ob das BMS vielleicht vom EC mitgeteilt bekommt, dass aktuell eine Rekalibrierung läuft.

Es folgte nun also einen weiterer Ladevorgang…

4_charge.png

Interessant finde ich, dass die ersten paar Minuten einen seltsamen kurzzeitigen Abfall der Ladeleistung zeigen. Könnte natürlich Zufall sein, das kann ich nicht beurteilen. Auffällig war außerdem, dass der Cycle Count bereits nach wenigen Minuten auf 4 anstieg, vorher passierte das immer erst exakt nach der vollständigen Aufladung. Ob das etwas zu bedeuten hat, lässt sich ohne Einblick in den Code des BMS aber kaum beurteilen. Die gemeldete Kapazität stieg nach diesem Ladevorgang erneut an, auf stolze 110%! (50,96Wh -> 52,21Wh)

Nach einer Abkühlphase wurde ein weiterer normaler Entladevorgang ohne Netzteil gestartet…

5_discharge.png

Diesmal lief die ganze Zeit ein Spiel unter Wine, das die CPU/GPU mit knapp 50W Stromverbrauch ans Limit brachte. Nachdem ungefähr 40Wh (exkl. Verlustleistung?) aus dem Akku gezuzelt wurden, kam es aber auch bei diesem Test zu einem unerwarteten Absturz. Im Protokoll sehe ich in den letzten Zeilen innerhalb von 5 Sekunden einen Abfall von 30% (15,98Wh; 9,669V) auf 24% (12,72Wh; 9,627V).

Das Gerät ließ sich direkt danach jedoch problemlos über den Akku starten und der Test wurde (mit CPU/GPU im Leerlauf) fortgesetzt…

6_discharge.png

Die Kapazität wurde durch dieses Ereignis wieder von 52,21Wh auf 49,45Wh runter korrigiert. Komischerweise stieg der Cycle Count zwischenzeitlich von 4 auf 5, obwohl kein Netzteil angeschlossen war?! :unsure:

In den letzten ungefähr 100 Sekunden meldete der Akku beim restlichen Entladevorgang 0% (0Wh), die Spannung sank sogar von 9,051V auf beachtliche 8,383V! Der danach folgende Absturz war diesmal keine Überraschung und völlig normal. Die Ruhespannung lag danach (ohne Ent-/Ladung) im Netzbetrieb übrigens bei 10,013V. An dieser Stelle hatte ich aber ehrlichgesagt trotzdem keine Lust mehr auf weitere dokumentierte Tests, weil mein Entschluss für die Rücksendung bereits feststand.

tl;dr: Der Akku ist vielleicht gar nicht komplett unbrauchbar, aber das BMS ist meiner Meinung nach nicht so gut. Wenn man absolut gar keinen anderen Akku hat, kann man den eventuell sogar verwenden. Solange man sich bewusst ist, dass man ihn nur bis sagen wir mal 33% entlädt, gibt es vielleicht auch keine bösen Überraschungen. Wie es um die Langlebigkeit steht, wäre natürlich eine andere Frage, die ich durch die Rückgabe nicht beantworten kann. Aber bevor man gar keinen Pufferakku mehr hat, ist er womöglich eine Option, allerdings auch keine besonders günstige.

Für mich persönlich war er zu unzuverlässig, da habe ich deutlich bessere Originalakkus. Deshalb ging er letzten Endes auch zurück, ich will mich auf die Werte des BMS verlassen können. Für diese Fantasiewerte kostet er einfach zu viel.

(Fortsetzung folgt eventuell irgendwann mit einer bekannteren chinesischen Akkumarke.)

PS: Die verwendeten bash/awk/gnuplot Scripts habe ich übrigens endlich als Gist auf GitHub hochgeladen. Diese benötigen aber eventuell noch einen Feinschliff und weitere Erklärungen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,
das plötzliche Ausschalten ohne Vorwarnung bei rund 10 Prozent kenne ich auch von meinem Greencell im x200. Dieser ist zwar schon etwa drei bis vier Jahre alt, hat dieses Verhalten dafür solange ich ihn kenne.
 
Richtig gut. Freu mich falls du evtl. noch VHBW, AosteCell und meinen Favoriten KingSener reinwirfst <3. Danke für die Infos.
 
Freu mich falls du evtl. noch […] meinen Favoriten KingSener reinwirfst <3.
Letzteres steht schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. :-)

Wenn GLS keinen Mist baut und das keine Fälschung ist, könnte Dein Wunsch somit tatsächlich erfüllt werden. Der große Akku fürs X230 sollte ja eigentlich nur in China lagernd sein, angeblich ist nun aber ein Paket aus Polen unterwegs. Ich bin gespannt...

Moin,
das plötzliche Ausschalten ohne Vorwarnung bei rund 10 Prozent kenne ich auch von meinem Greencell im x200. Dieser ist zwar schon etwa drei bis vier Jahre alt, hat dieses Verhalten dafür solange ich ihn kenne.
Aber immerhin zeigt das, dass die Greencell Akkus prinzipiell auch länger leben können. (y)

In den meisten Bewertungen liest man, dass sie nach 6-18 Monaten kaputt werden. Ob das an Tiefentladung oder ungünstigen Ladelimits lag, erfährt man dort halt leider nie.
 
VHBW ist ein Distributor der für sich in Fernost so ziemlich alles unter Ihrem Namen labeln lässt. Wenngleich ich sagen muss, dass ich bisher mit VHBW Akkus nur gute (auch wenn nicht lange, habe die Notebooks ohne Akku damit ausgestattet und weiterverkauft) Erfahrungen gemacht.

Also ja, von denen kann man ganze Akkus beziehen.
 
VHBW ist ein Distributor der für sich in Fernost so ziemlich alles unter Ihrem Namen labeln lässt. Wenngleich ist sagen muss, dass ich bisher mit VHBW Akkus nur gute (auch wenn nicht lange, habe die Notebooks ohne Akku damit ausgestattet und weiterverkauft) Erfahrungen gemacht.
Ich habe Akkus für Nintendo Konsolen von denen. Bin überaus zufrieden mit der Qualität!
 
Letzteres steht schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. :-)

Wenn GLS keinen Mist baut und das keine Fälschung ist, könnte Dein Wunsch somit tatsächlich erfüllt werden. Der große Akku fürs X230 sollte ja eigentlich nur in China lagernd sein, angeblich ist nun aber ein Paket aus Polen unterwegs. Ich bin gespannt...
@thickpad KingSener ist im "Testlabor" eingetroffen :D

IMG_20261005_142758.jpg

Auf den ersten Blick hat er (bis auf das Label) ziemliche Ähnlichkeiten mit dem Akku von "K KYUER". Perfekte Maße hat der definitiv nicht, aber im Gegensatz zum anderen Exemplar rastet er mit etwas Druck dann doch beschädigungsfrei ein. Die S/N im Chip ist identisch wie beim anderen Hersteller, das Produktionsdatum ähnlich und das First-Use-Date aktualisiert sich ebenfalls nicht.

Der Cycle Count ist von Beginn an 3, er meldet eine Kapazität von 109% (101Wh) und ich quäle ihn jetzt mal einige Tage. Wenn es Sonderwünsche für Tests gibt, gerne melden! Ein erster Bericht folgt aber wahrscheinlich erst in 2-4 Wochen...

[EDIT] Ich hoffe mal, dass da irgendwas in die Richtung von LiHV-Zellen drinnen steckt. Ansonsten wäre die aktuell gemeldete Spannung von fast 12,9V bei >95% Ladestand schon sehr bedenklich. :eek:
 
Zuletzt bearbeitet:
Bin gespannt gern mal Ladeschwellen setzen und auch so Späße wie Richtung 0 % entladen und sehen obs einfach vorher irgendwo bei 10% ausgeht. KingSener wird bei Reddit immer starka sl super Alternative gehypt mit angeblich guten Zellen.
 
Und weiter geht's! Lange angekündigt, nun gibt es endlich einen ersten Bericht: 94Wh Akku fürs X230, hergestellt von KingSener. :-)

Gekostet hat der Spaß ursprünglich 35 Euro plus 23 Euro für den Versand mit GLS, doch dazu später mehr. Ich habe den Akku nicht auf AliExpress/BatteryMall gekauft, sondern über einen Amazon Marketplace Händler. Ich weiß nicht, ob es sich dabei wirklich um den Hersteller selbst oder um ein anderes Unternehmen handelt.

Der Testbericht ist diesmal bewusst nicht in einer chronologischen Reihenfolge gehalten. Der Akku ist aktuell weiterhin bei mir, ich werde in einigen Monaten nochmals Updates posten. Wer nicht soviel lesen möchte: Vorläufig bedingte Kaufempfehlung, mit gewissen Einschränkungen. Sorry, ihr müsst die lange Textwurst wohl doch lesen. :D


Verpackung, Gehäuse & Identität​


Der Akku wurde aus einem polnischen Lager versendet und kam in einer unscheinbaren weißen Folienverpackung ohne Gefahrgutaufkleber. Innerhalb dieser Transportverpackung befindet sich ein typischer ausgepolsterter Karton mit diversen Beschriftungen. Unnötiges Werkzeug ist keines enthalten.

ovp1.jpg ovp2.jpg ovp3.jpg

Prinzipiell ist das Akkugehäuse soweit sauber verarbeitet, die Maße scheinen aber auch hier etwas kleiner als beim Original zu sein. Eine Seriennummer findet man auf dem Label nicht. Damit er einrastet muss man minimal mehr Druck ausüben, aber dann hält er prinzipiell einwandfrei. Naja, fast – dazu kommen wir weiter unten noch…

akku1.jpg

Bei genauerer Betrachtung findet man doch noch einen kleinen versteckten Stempelaufdruck bzw. eine Gravur (schwarz auf schwarz): KQC 26-04

akku3.jpg

Ich gehe einmal davon aus, dass das für "KingSener Quality Control" steht und April 2026 gemeint ist.

Beim EC meldet sich der Akku beim ersten Anstecken mit den nachfolgenden Details:

Code:
+++ ThinkPad Battery Status: BAT0 (Main / Internal)
/sys/class/power_supply/BAT0/manufacturer                   = SANYO
/sys/class/power_supply/BAT0/model_name                     = 45N1023
/sys/class/power_supply/BAT0/cycle_count                    =      3
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_full_design             =  93240 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_full                    = 101760 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/energy_now                     =  63250 [mWh]
/sys/class/power_supply/BAT0/power_now                      =      0 [mW]
/sys/class/power_supply/BAT0/status                         = Not charging

/sys/class/power_supply/BAT0/voltage_min_design             =  11100 [mV]
/sys/class/power_supply/BAT0/voltage_now                    =  11814 [mV]

/sys/class/power_supply/BAT0/charge_control_start_threshold =      0 [%]
/sys/class/power_supply/BAT0/charge_control_end_threshold   =    100 [%]
/sys/class/power_supply/BAT0/charge_behaviour               = auto [inhibit-charge] force-discharge

Charge                                                      =   62.2 [%]
Capacity                                                    =  109.1 [%]

Code:
      - Manufacturer:     SANYO
      - Model (FRU):      45N1023
      - Barcode (S/N):    1ZKFR287ELF
      - Manufacture Date: 2026-03-23
      - First Use Date:   1980-00-00
      - Chemistry:        LION
      - Cycle Count:      3

(Die EC-Rohdaten gibt es wie immer bei GitHub: [1])

Das dürfte eine generische Seriennummer sein, beim Akku von K KYUER war sie damals identisch. Das Datum der ersten Verwendung aktualisiert sich ebenso nicht, in diesem Punkt gibt es ebenfalls eine Gemeinsamkeit. Das Produktionsdatum dürfte hingegen individuell gesetzt worden sein, das könnte sogar stimmen, wenn man den KQC-Aufdruck vergleicht.


Gemischte Gefühle: Kontaktprobleme & Kundenservice​


Eine Sache fiel mir ursprünglich nicht auf, da sie erst beim zweiten X230 zum Problem wurde. Der Akku verlor bei der kleinsten Bewegung des ThinkPads die Datenverbindung. Strom lieferte er unverändert, aber die Kommunikation zwischen EC und BMS war reproduzierbar unterbrochen. Offenbar verlor der CLK-Pin immer wieder den physischen Kontakt, wodurch vom EC 0%/0V/0Wh an das laufende System gemeldet wurden. Dadurch kam es bei meinem primären X230 natürlich jeweils zum Shutdown, weil das Betriebssystem dachte, dass der Akku leer ist. Beim Laden sorgte es außerdem für eine Unterbrechung der Ladung, wenn z.B. die untere Ladeschwelle zwischenzeitlich bereits überschritten wurde. Mit einer geänderten UPower-Konfiguration lässt sich das zwar umgehen, aber andauernd die Akkuwerte zu verlieren ist nicht Sinn der Sache und könnte rund um den EC vielleicht unerwünschte Nebeneffekte haben.

Andere Originalakkus hatten in diesem X230 keinerlei Probleme, trotzdem wurden sicherheitshalber die Kontakte sowohl im ThinkPad als auch im Akku mit Isopropanol gereinigt. Da das keinerlei Besserung brachte, wurden am Akkugehäuse mehrere dicke Streifen Tesa Spiegelmontageband angebracht, wobei jeweils eine Seite des Klebestreifens nicht abgezogen wurde. Das sorgte für deutlich mehr Stabilität, der Akku hatte nun kein Spiel mehr. Leider verschwanden die Kontaktprobleme dadurch nicht vollständig, sie wurden aber etwas seltener. Mit freiem Auge sieht man durchaus, dass zwischen den einzelnen Klemmen sehr viel Luft ist, deutlich mehr als bei meinen Originalakkus:

anschluss.jpg

Ich kontaktierte daraufhin den Verkäufer und fragte nach Lösungsvorschlägen für dieses Problem. Die Antwort im schwer verständlichen Auto-Translated-German erfolgte zu einer ungewöhnlichen Zeit (GMT+8 lässt grüßen) und enthielt neben Standardtipps wie BIOS/EC Update auch weiterführende Tipps wie das Reinigen der Kontakte und das Zurechtbiegen der einzelnen "Pins" im Akku. Letzteres auch auf die Gefahr hin, dass etwas brechen könnte und natürlich nur, wenn ich mir das zutrauen würde. Leider ließ sich da nicht wirklich etwas zurechtbiegen, ich wollte den Akku verständlicherweise auch nicht beschädigen. Nachdem das keine Verbesserung brachte, leitete der Verkäufer dann überraschenderweise sehr schnell eine Erstattung des vollständigen Kaufbetrages (inkl. Versandkosten) ein, ohne dass ich explizit danach gefragt hatte. Den Akku darf ich entsorgen, Fall erledigt. 😮

An diesem Punkt hatte ich nichts mehr zu verlieren, die Buchse am Akku wurde nun deutlich grober behandelt, bevor das Ding zur MA48 wandert. Ich weiß nicht mehr, was genau ausschlaggebend war, aber das starke Verbiegen der Plastikstege neben dem Freiraum für den Plastikstift sorgte letzten Endes wohl dafür, dass die Kontaktprobleme verschwanden. Ob das wirklich dauerhaft so bleibt, kann ich noch nicht beurteilen. Es scheint nun aber bereits einige Wochen anzuhalten, der Akku hat diesbezüglich im primären X230 keine Probleme mehr und wurde schon zig Stunden mobil verwendet. Ob mein Exemplar nun ein Montagsmodell ist oder das ein Serienproblem ist, lässt sich so natürlich nicht beantworten. 😬


Negatives rund ums BMS: Ungenaue Werte bei <10%​


Ihr müsst an dieser Stelle noch weitere negative Punkte ertragen, die positiven Dinge kommen erst später…

Prinzipiell brach die Spannung bei dutzenden Tests nicht plötzlich z.B. bei 30-40% ein. Dennoch scheint das BMS bei den letzten 10% nicht ganz korrekt zu rechnen. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass kurz vor dem Ende ein wenig "geschummelt" wird, um bei vollem Akku eine längere Laufzeit zu suggerieren. Mal unabhängig davon, dass das für einen Akku nicht gesund ist, wer entlädt einen Akku schon ständig auf <10%? ;)

Nach vielen Tests kann ich zweifelsfrei sagen, dass die Akkuladung am Ende reproduzierbar für einige Minuten auf 5-7% stehen bleibt. Ab einem gewissen Punkt dürfte der Spannungsabfall dafür sorgen, dass das BMS diesen Wert schlagartig auf 0%/0Wh korrigiert. Wenige Sekunden später verliert das ThinkPad den Energielieferanten und stürzt ab, für einen kontrollierten Shutdown würde es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr reichen.

Da das aber aber relativ stabil immer im gleichen Bereich passiert, würde ich für den Praxiseinsatz einfach eine angepasste Konfiguration empfehlen. UPower hat z.B. bei Debian folgende Standardwerte in der /etc/UPower/UPower.conf:

Code:
PercentageLow=20.0
PercentageCritical=5.0
PercentageAction=2.0

Für diesen KingSener-Akku würde ich eine Anpassung empfehlen…

Code:
PercentageLow=20.0
PercentageCritical=15.0
PercentageAction=10.0

Damit sollte man auf der sicheren Seite sein. Ich gehe davon aus, dass die vermeintlich kalibrierten 107% an Kapazität nicht ganz stimmen und würde diese eher bei 100% verorten, also exakt die Designkapazität. Die letzten 7 Prozentpunkte sind meiner Erfahrung nach mit Vorsicht zu genießen! Wie sich das mit steigendem Verschleiß in den nächsten Monaten/Jahren bemerkbar macht, wird die kommende Zeit zeigen.


Negatives rund ums BMS: Falsche Kalibrierung durch Vollauslastung​


Keine Sorge, es gibt auch positive Dinge zu erwähnen! Aber zuerst noch eine winzige Unschönheit…

Bei den Tests zeigte sich (ebenfalls mehrfach!) ein weiteres interessantes Verhalten. Mit einer vollständigen Entladung von 100% auf 0% durch CPU/GPU Volllast (~50W) wird der Akku reproduzierbar falsch kalibriert. Das BMS fantasiert dann dauerhaft etwas von 120% an Kapazität, also grob 110Wh. Dass das nicht stimmen kann, offenbart sich spätestens bei künftigen Entladungen. In diesem Fall ging es nach einer weiteren Ladung im Idle-Betrieb von 17% quasi sofort auf 5% und danach auf 0%. Dieses Problem lässt sich durch eine Rekalibrierung aber beheben, danach rechnet das BMS bei >10% Ladestand wieder korrekt. Die hohe Leistungsaufnahme dürfte das BMS vorübergehend verwirren.


Besonderheit des BMS: Tiefschlaf bei 0%?​


Das BMS scheint bei einer Entladung auf 0% in einen Stromsparmodus zu gehen, aus dem es beim nächsten Anstecken nicht schnell genug erwacht. Ohne externe Energieversorgung (Inhibit-Charge) scheint er in diesem Zustand nie zum Leben zu erwachen. Erst wenn der Akku für einige Sekunden geladen wird, werden wieder alle Batteriedetails sichtbar. Zu diesem Zeitpunkt hat der EC aber bereits alles abgefragt, die Details sind somit erst beim nächsten Anstecken des Akkus verfügbar. Dieses Verhalten scheint es jedoch auch bei anderen Nachbauakkus und teilweise sogar bei nahezu tiefentladenen Originalakkus zu geben. Der Vollständigkeit halber wollte ich es trotzdem kurz erwähnen, weil dieses Verhalten beim Akku von KingSener gut reproduzierbar war.


Last but not least: Die positiven Seiten!​


Spät aber doch, werden nun die positiven Seiten behandelt. :cool:

Der Akku musste in den letzten knapp vier Wochen (laut BMS) mehr als 18 vollständige Ladezyklen ertragen. Laut meinen eigenen Protokollen waren es 20 Ladevorgänge, wobei nicht alle von 0% auf 100% gingen, was die Differenz zum Cycle Count erklärt. Eine Ladung wurde sogar über das externe Ladegerät von Lenovo durchgeführt, wobei es (wie bei den Ladevorgängen mittels ThinkPad) keine Probleme gab.

4_charge.png

Die einzige Auffälligkeit ist, dass die maximale Spannung einer 3S-Gruppe bei fast 12,9V und somit höher als bei alten Originalakkus mit 12,6V liegt. Auch die Ruhespannung bewegt sich danach in diesem hohen Bereich, was somit ca. 4,3V pro Zelle sind. Ob im Akku wirklich moderne Zellen verbaut sind, die für diese hohe Ladeschlussspannung ausgelegt sind, lässt sich ohne Zerstörung des Akkugehäuses nicht feststellen. Persönlich würde ich empfehlen, dass man solche KingSener-Akkus nur auf max. 80% lädt, das ist unabhängig davon sowieso gesünder für einen Akku und die Spannung bleibt dabei dauerhaft unter 12,6V.

Neben einigen Tests zum kompletten Leersaugen (Idle, Videowiedergabe, Volllast, …) habe ich den Akku in den vergangenen Wochen an zahlreichen Tagen produktiv verwendet. Nicht nur stationär zuhause, auch unterwegs – er durfte an einigen Tagen in der Kälte am Fahrrad mitfahren und legte deutlich mehr als eine Marathondistanz zurück. Teilweise wurde mit Ladeschwellen geladen, manchmal aber auch ohne. Es gab dabei erfreulicherweise keine negativen Auffälligkeiten, der Akku war über viele Stunden hinweg ein zuverlässiges Arbeitstier.


Entladetest: Leerlauf​


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Der Idle-Test wurde wie immer ohne WLAN durchgeführt, das IPS-Display war die ganze Zeit an und leuchtete drei Stufen unter der maximalen Helligkeit. Die Anzeige stagnierte gegen Ende für gut 3 Minuten auf 8% (9Wh), sprang dann für ca. eine Minute auf 5% (6Wh), um für letzten 30 Sekunden auf 0% (0Wh) abzufallen. Die letzte protokollierte Spannung lag bei 9,2V. Nach ungefähr 7:20 war der Spaß vorbei und das Gerät stürzte ab.


Entladetest: Videowiedergabe​


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Der Videowiedergabetest wurde quasi wie der Idle-Test durchgeführt, es lief aber die ganze Zeit Big Buck Bunny (Offline-MP4-Datei h264 /720p) im Vollbildmodus, teilweise mit Ton. Die Prozentanzeige liefen kontinuierlich bis 5% runter, danach folgte auch hier wieder der bereits bekannte sofortige Abfall auf 0%. Nach ungefähr 20 Sekunden stürzte das Gerät ab, die letzte protokollierte Spannung lag bei 9,2V. Deutlich mehr als fünf Stunden Videowiedergabe!


Entladetest: Vollauslastung​


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Die Vollauslastung wurde wieder mit einem Spiel unter Wine erreicht. Nach fast 100 Minuten war der Spaß vorbei, bei angezeigten 6% Restladung (6,4Wh) und 8,3V stürzte das Gerät ab. In der Grafik kann man sehr gut sehen, dass 6% aber bereits seit gut 15 Minuten angezeigt wurden, man wäre also trotzdem schon lange vorgewarnt gewesen. Der Akku war am Ende des Tests mit ungefähr 45°C genauso heiß wie das ThinkPad, kühlte aber innerhalb von einigen Minuten von selbst ab.


Schlussworte & Fazit​


Wären die Probleme mit der Akkubuchse nicht gewesen, würde ich trotz der "kreativen" Berechnung bei <10% und der Verwirrtheit nach dem Volllasttest eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Da ich nicht weiß, ob das ein Einzelfall oder genereller Produktionsfehler ist, und eigene Reparaturversuche nicht zum Standard gehören sollten, bleibt es bei einer vorsichtigen Empfehlung mit Einschränkungen. Der Kauf über eine Plattform, bei der notfalls ein gewisses Druckmittel zur Eskalation vorhanden ist, wäre meiner Meinung nach nie fehl am Platz.

Alle drei Belastungstests wurden direkt nach Erhalt des Akkus durchgeführt und im Laufe der aktuellen Woche nochmals wiederholt. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine spürbare Verschlechterung der Akkuleistung. Ich werde 2027 aber irgendwann erneut testen und die Ergebnisse in diesem Thread mitteilen. Der Akku wird nun mit einem Ladestopp von 75-80% geschont, aber definitiv nicht eingelagert. Er bleibt dauerhaft in meinem primären X230. Sollte er negativ auffallen, werde ich das sehr rasch bemerken. Wenn ich mit dem Ding noch irgendwas testen soll oder Details von einem der anderen ~40 Tests von Interesse sind, bitte einfach melden.

Da ich scheinbar endlich einen guten Nachbauakku gefunden habe, war das vorerst der letzte Test für 2026. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt…
 
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