Hiho, nach langer Zeit bin ich auch mal wieder da...
Bevor sich irgendjemand angegriffen fühlt (Ich hoffe doch nicht), ich schreib nur meine persönliche Meinung/Erfahrung nieder. Wenn ich was falsches schreibe, bitte ich darum mich zu korrigieren
1. Ich finds klasse dass du Linux ausprobieren möchtest. Ich selbst verwende Linux seit fast 5 Jahren und bin eigentlich sehr glücklich damit. Ich mache quasi alles auf Linux, hab aber trotzdem noch eine Windows Installation, die herangehensweise von dir Windows nicht ersetzen zu wollen finde ich auf jeden fall sinnvoll.
2. Zu den Distros: Ubuntu basiert auf Debian, einer Linux Distro die vor allem im Server Bereich stark eingesetzt wird (neben Suse, Redhat, etc.) Ubuntu war in erster Linie eine Distro die an Linux User gerichtet ist, die zwar auf Linux umsteigen wollen, aber nicht zu sehr in die Tiefe gehen wollen. Quasi die "Otto-Normal Windows User" die den Umstieg wagen. Ich fand Ubuntu bis 10.04 sehr angenehm, allerdings (wie schon gesagt) hat Canonical mit Unity und Gnome3 einen gewagten Schritt getan. Allerdings haben sich aus Ubuntu wieder neue Distros ergeben. Diese unterscheiden sich "meist" nur durch die Oberfläche, und deshalb oft auch durch die Programme (z.B. statt Open/Libre Office AbiWord o.ä.)
Canonical Distros (soweit ich weiß):
- Kubuntu mit der KDE oberfläche, welche eher den glasigen stylischen weg versucht, imho allerdings zu "schwer" ist.
- Xubuntu, ein Ubuntu mit "leichter" aber natürlich dadurch auch eingeschränkter Oberfläche XFCE
- Lubuntu, auch mit "leichter" Oberfläche, allerdings anders als XFCE, L steht für LXDE (Lightweight X11 Desktop Environment, wobei X11 für den x-server steht, der die grundlage für die gui - graphical user interface ist.)
- und noch viele andere wie Mediabuntu, Ubuntu Studio und wie sie nicht alle heißen.
Direkte Ubuntu Derivate, die nicht von Canonical sind:
- Mint Linux, basierend auf Ubuntu, immer noch mit Gnome 2.schießmichtot, auf jeden Fall nicht Gnome 3.0 (Mint fand ich sehr intuitiv und angenehm zum arbeiten)
- Mint LXDE, Mint Debian, (und ich glaube mich an ein Mint XFCE erinnern zu können - not sure)
Neben diesen gibt es unzählige Distros die auf spezielle Sachen abgestimmt sind, wie zum Beispiel Backtrack5 und Backbox 2.0 die beide auf Ubuntu basieren und an IT Security Admins gerichtet sind (vor allem penetration testing).
(Vor allem Backbox 2 ist sehr nett, läuft bei mir grad rattenschnell auf meinem R60 mit 8GB platz. XCFE Oberfläche)
Alles in allem hilft da nur ausprobieren und herausfinden was dir am besten gefällt. Und wenn du dich selbst wiederfindest in dauerhaftem Distro wechsel, dann bist du in guter Gesellschaft (z.B. Linus Torvald :thumbsup: )
3. Zu den Thinkpad buttons. Ja leider, da gibts immer wieder Probleme. Das blöde ist, ich kenne keine einzige distro wo die out-of-the-box funktionieren. Das schöne ist.... alles ist möglich. Es gibt immer irgendwo ein paar schlaue linuxer die die Lösung parat haben und die Community ist eigentlich immer hilfsbereit, wenn man höflich fragt. Das bringt mich auch schon zu nummer 4.
4. Terminal... oder Shell, Konsole, CommandLine (cmd) oder wie sie auch immer genannt werden. Ist eigentlich ganz egal wie du sie nennen willst, fakt ist, das die Shell (oder Shells) deine stärkste Waffe als Linuxer ist. Es gibt mehrere shells und alle haben unterschiedliche Funktionsumfänge. Um ein paar zu nennen:
sh = shell, eigentlich in jeder mir bekannten distro vertreten. Wer in sh, bash scripte schreibt gewährleistet eine hohe kompatibilität unter linuxen
ksh = korn shell... frag mich nicht, ich kenn sie nur vom hören, es gibt aber massenweise...
http://en.wikipedia.org/wiki/Unix_shell
bash = bourne again shell, vor allem in Ubuntu vertreten
zsh = eine erweiterung der ksh, die nach meiner kleine Erfahrung damit das gleiche kann wie die bash und mehr.... (tipp für advanced linuxer

)
warscheinlich ist, dass du mit der bash startest und damit bist du eigentlich auch gut aufgehoben. Ich war und bins zumindest.
5. Wenn wir schon bei shell sind, dann sind natürlich auch befehle wichtig, und das generelle verhalten von Linux: Crash-Course....
Befehle:
ls (listet ordner Inhalte, mit vielen varianten wie ls -a ls -la ls -lar .... mit ls kannst du dich lange spielen und nichts kaputt machen)
less (oder die alte version more, damit können dokumente im read-only modus geöffnet werden)
cd (simple.... change directory. Zu beachten / ist das root verzeichnis, also wie bei Windows C:\, generell trennt Linux Ordner mit / nicht mit \)
z.B.
cd /home/deinusername/Desktop bringt dich zum Desktop. (wenn du username@hostname:~ <-- diese Tilde siehst bist du normalerweise in /home/user)
cd .. bringt dich einen Ordner höher (/home) und cd ../.. zwei und so weiter und so ...
man befehl (zeigt dir die manuals für einen befehl, sofern vorhanden) z.B. man less oder man vim
Texteditor: Zu empfehlen wären nano und vim, je nachdem ob du etwas simples (nano) oder uuuuuuunglaublich mächtiges und erweiterbares suchst (vim = VI iMproved, eine erweiterte und leichter zu handhabende version von vi. )
vim crashcourse: mit ESC werden nur die diversen Modi verlassen, nicht das Programm: "i" ist schreiben, :q ist quit :w ist speichern, :wq oder :x ist speichern und verlassen, :q! ist verlassen ohne speicher. dd = zeile löschen, v=markieren, yy=kopieren, cc=ausschneiden p=einfügen
Vim kann ich dir sehr empfehlen, es ist zwar etwas ungewohnt, aber mit unter einer der leistungstärksten editors die ich kenne (ähnlich wie emacs)
Installation von programmen: im terminal verwende ich normalerweise die auf das programm dpkg zurückgreifenden befehle apt-get (oder alles was mit apt anfängt, apt-cache etc.) und aptitude. Im wesentlichen machen aptitude und apt-get das gleiche und sind geschmackssache. dpkg ist da etwas biestiger, da es paket-abhängigkeiten nicht automatisch auflöst, soll heißen, wenn dein programm pakte xy vorraussetzt wird es von apt-get mit installiert, von dpkg nicht (richtig? not sure)
Zwecks der Kontrolle von Programmen und sinnlosen Prozessen: meintest du unter windows strg+alt+entf oder msconfig?
für ersteres würde ich dir htop vorschlagen, welches ich sehr gerne verwende. sudo apt-get htop <- damit kannst du gleich mal apt-get ausprobieren.
für zweiteres musst du dich schlau machen welchen mechanismus deine distro zum verwalten von autostart programmen verwendet (mal abgesehen von der menü option Sitzung und Programme - oder wie sie auch heißt... sry habs auf englisch) Möglich wäre zum beispiel das du upstart hast. Letztendlich möchtest du aber die "init" funktion bearbeiten - mit welchem programm auch immer. init ist also ein guter suchbegriff dies bezüglich.
Wo wir doch schon sudo hatten. Wenn du keinen root accout verwendest (und das solltest du nicht!) wirst du früher oder später auf sudo stoßen. sudo gibt dir für den folgenden befehl admin rechte. apt-get benötigt admin rechte da es etwas installieren will.... klar.
Zu guter letzt. Wenn du probleme mit etwas hast, alle Fehler und Error codes werden im ordner /var/log und diverse logfiles geschrieben. mit lspci und lsusb kannst du pci und usb geräte anzeigen (welche erkannt wurden) und auch dmesg ist diesbezüglich ein nützliches tool (alles interessant und mächtig aber nerv tötend)
6. So viel zur shell, bei Fragen frag mich -> PN oder linux community. Jetzt zur installation
Grundsätzlich ist es einfach erst Windows und dann Linux zu installieren da der Linux boot loader (meist grub 2) die Windows installation erkennt, der Windows bootloader die Linux Installation aber nicht. außerdem hast du bei grub die wunderschöne möglichkeit, bootparameter zu ändern und so temporär (ein boot vorgang) das booten zu beinflussen (zum beispiel recovery)
Wenn du dich damit spielen willst, welche distro dir am besten passt und weiß dass du oft distros wechseln wirst, würde ich dir virtualbox oder vmware empfehlen (wenn du in vbox kein usb bekommst, liegt das nicht an linux, vbox guest additions ist das zauberwort)
damit kannst du viel rumprobieren, ganz einfach backups machen und musst nicht von vorne anfangen wenn du dein system mit befehlen wie "sudo rm -rf /" zerschießt. und nein, rm -rf heißt nicht read mail really fast! (remove -recursive -force / also rekursiv alle unterordner etc. und ausgehend vom root verzeichnis. kurz um: lösche alles und frag mich nicht.)
Nachdem ich jetzt echt schon ne menge geschrieben hab, lass ich dich mal "spielen" und wenn mir noch was einfällt, schreib ich halt weiter.
ansonsten... fragen kost nix
Viel Spaß
PS: Zu deiner Frage wegen Linux Handbuch. Da ja alles Opensource ist, (oder fast alles) sind natürlich auch die openbooks zu erwähnen:
http://openbook.galileocomputing.de/linux/
http://www.galileocomputing.de/katalog/openbook?GPP=oplinux4
PPS: Basteln -> verlorener posten weil nicht verstanden: Das Problem wirst du warscheinlich am Anfang haben. Gute möglichkeit dagegen anzugehen. Frag jemand ob er sich die Zeit nimmt dir die Sachen zu erklären, normalerweise hilft sind die leute hilfsbereit. Meistens findet man alle fragen schon irgendwo beantwortet, wenn nich, dann nicht zögern fragen zu stellen! wie Aminius schon gesagt hat, trau dich! ansonsten wie gesagt man pages sind ein guter anlaufspunkt um nach zu schaun was der befehl eigentlich macht. Und grundsätzlich gilt, wenn du etwas als admin ausführst solltest du dich vorher schlau machen - better safe then sorry. (Ich weiß, nicht jeder macht das und vor allem nicht immer..... aber jeder sollte es mal gehört haben

)
PPPS: Sorry, ich finde immer noch was, das ich vergessen hab: Debian ist unterscheidet sich insofern von anderen distros, dass es mit updates sehr vorsichtig ist. Zum beispiel ist Fedora als auf Desktop ausgerichtetes Derivat von RedHat eine Distro die immer die neuesten Paket versionen bereitstellt (ähnlich wie viele testing oder unstable distro versionen.) Das hat den Vorteil dass man immer gleich den "heißen scheiß" hat... positiv und negativ. Das neuste zu haben ist toll - wenns funktioniert. Ubuntu ist da mittendrin und versucht neue Pakete zu bereit stellen ohne die stabilität des systems zu gefährden (bitte um backup, bin bei 10.04 ausgestiegen) zumindest hatte ich seit ubuntu 9.10 keine probleme mehr nach einem update (gnome looks bei dist-upgrades sind zugegeben was anderes ^^ ) Debian dagegen ist auf der gaaaanz sicheren Seite... und hat daher nicht unbedingt die aktuellsten Pakete. Natürlich ist das nicht alles was die Distros unterscheided, aber vieles kannst du nur durch anschaun und ausprobieren herausfinden. ....... mal ehrlich, wer hat alles gelesen?