Betriebssysteme ohne Sicherheitsupdates weg vom Internet
Also bei mir bleiben mind. 1-2 PC mit XP noch lange in Betrieb...
Solange die Rechner nicht ins Internet kommen oder vielleicht sogar aus dem Netzwerk entfernt werden kannst du das machen bis alles auseinander fällt. Bei mancher Hardware kann man sich mit virtuellen Maschinen behelfen. Ich habe bei USB-Geräten damit schon recht gute Erfahrungen gemacht, z.B. mit einem Scanner. Die von dir angesprochene Soundkarte dürfte aber kaum in einer VM laufen. Aber in meinen Augen spricht nichts dagegen, diesen Computer vom Netz zu nehmen und weiterhin zu nutzen. Wozu gut funktionierende Hardware verschrotten?
Diese Diskussion läuft auch bereits auf den englischspachigen Seiten. Credo ist dort, solange man einen ordentlichen Virenschutz hat, ausserdem auch was gegen Malware und so ein Zeug, wenn man dann noch mit solchen Kisten nicht in diffusen Bereichen des WWW herumstöbert, nun, dann ist man da eigentlich auch noch auf der sicheren Seiten.
Solche Aussagen zeigen, dass viele Menschen die Veränderungen der letzten Jahre nicht mitbekommen haben. Inzwischen stehen nicht mehr irgendwelche Typen mit Geltungsdrang hinter einer Attacke, sondern meistens eine kriminelle Industrie mit sehr hohen Gewinnen und entsprechendem Budget. Das erhöht den Druck gewaltig!
Zum einen kommen die Virenscanner immer schlechter mit den aktuellen Bedrohungen und Techniken wie automatischen Code-Mutationen zurecht. Ich hatte schon oft verseuchte Anhänge auf dem Rechner, die vom (bezahlten) Virenschutz nicht erkannt wurden. Beim Upload auf
Virustotal.com kann man dann schön sehen, wie viele Scanner die Verseuchung ebenfalls nicht erkennen - das Ergebnis ist oft erschreckend!
Zum anderen kann man sich inzwischen auch Schädlinge weit ab von den Schmuddel- und Illegal-Ecken des Internet holen. Zuletzt hat Yahoo.com über mehrere Tage, eventuell Wochen
verseuchte Werbebanner ausgeliefert. Dazu kommen ständig harmlose Webseiten die über Lücken mit Schädlingen infilitriert werden. Das passiert ebenfalls nicht im kleinen Rahmen, sondern systematisch. Als Webmaster sieht man täglich automatisierte Attacken auf bekannte Lücken in CMS-Systemen. Man kann also auch auf seriösen Webseiten Opfer von Attacken werden. Leider hält sich immer noch bei vielen Nutzern der Glaube, man könne durch "Brain 2.0" und keuschem Surfen Risiken vermeiden. Eine fatale Fehleinschätzung und grandiose Selbstüberschätzung.
Die Malware Industrie und die Geheimdienste haben einen erhöhten Bedarf an frischen unbekannten Sicherheitslücken (sogenannte 0-day exploits). Dadurch geht die Zahl der gemeldeten Lücken zurück, weil man inzwischen mit dem Verkauf von solchem Wissen viel Geld machen kann. Außerdem beschäftigt die Malware-Industrie inzwischen genügend clevere Hacker, um Lücken selbst zu finden. Das verschärft die Sicherheitslage extrem. man muss sich dazu nur die Sicherheitsmeldungen des letzten Jahres durchsehen. Von massenhaft unbemerkt über eine unbekannte Lücke gehackten Servern bis hin zu unbekannten Angriffen auf Browser und Browser-Plugins war alles dabei. Je mehr Geld dabei zu gewinnen ist, desto weniger interessiert das Betriebssystem. Hacks schwappen zunehmend auch auf Nicht-Windows-Systeme über.
Wer sich konkret zu den Entwicklungen auf der "dunklen Seite" interessiert, findet auf Reddit einige interessante IAmA, z.B.
diesen hier. In einem Thread plauderte z.B. ein deutscher Trojaner-Entwickler aus dem Nähkästchen und zeigte genau auf, wie er
alle aktuellen Virenscanner austricksen kann und was ein wirklich guter Virenschutz anders machen müsste. Verkürzt müssten die ganzen Viren-Engines viel früher im Boot-Prozess geladen und viel tiefer im System verankert werden.
Über kurz oder lang wird man Kisten mit jenem Betriebssystem einfach dauerhaft vom Netz trennen müssen, will man denn wirklich auf eher Nummer sicher gehen wollen.
Exakt. Das gilt auch für ältere OSX oder Linux-Versionen und ebenso für ältere Smartphone Systeme.
Mein Fazit:
Ein XP Rechner darf ab April nicht mehr ans Internet! Punkt. Alles andere ist nicht nur ein persönliches Risiko, sondern gesellschaftlich-schädliches Verhalten, weil der Rechner definitiv über kurz oder lang Teil eines Malware Botnetzes werden wird.
Man kann die Situation
ein wenig entschärfen, in dem man die Haupteinfallstore schließt, also kein Flash, kein PDF und kein Java auf dem Rechner hat. Dazu sollte man mit NoScript alle Javascripts abschalten. Dass man den IE unter XP nicht mehr nutzen darf ist hoffentlich allen klar. Und man benötigt einen guten kostenpflichtigen Virenscanner. Trotzdem wird man immer stark verwundbar bleiben. Ich möchte dabei nur an die GDI-Lücke vor kurzem erinnern. Dieser Vorfall hat wieder mal schön gezeigt, dass auch nach vielen Jahren immer noch neue Sicherheitslücken entdeckt werden die über das Internet (Browser oder E-Mail) ausgenutzt werden können. Dabei kann dann schon der Aufruf einer Webseite oder E-Mail genügen, um den Rechner zu infizieren.
Der Thread-Ersteller hat sich prinzipiell richtig entschieden: wenn weiterhin Internet-Zugang benötigt wird, ist auf alten Kisten mit begrenzten Ressourcen eine schlanke Linux-Distribution mit guter Update-Unterstützung die beste Lösung.