Was du ansprichst sind ganz gewöhnliche Sicherheitslücken, also platt gesagt Schlampereien die Dritte ausnutzen könnten.
Nein, die Sache mit dem manipulierten Zufallszahlengenerator ist keine Sicherheitslücke, sondern ein gut organisiertes Zusammenspiel mehrerer Stellen. Das NIST standardisiert einen Algorithmus, für den die NSA "magic numbers" bereitgestellt hat. Microsoft baut diesen Algorithmus in Windows ein "auf Anfrage eines Großkunden". Verschlüsselungstechniken benutzen diesen Algorithmus oder lassen sich derart einstellen. (Andere Unternehmen wie RSA gingen noch weiter und erhoben Dual EC DBRG zum Standard.) Das halte ich nicht für Schlamperei.
Und von dieser Art könnte es noch viel mehr geben, was eben noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist. Es ist gar nicht von Belang, ob Microsoft da willentlich oder wissentlich kooperiert.
Vertraust du Microsoft hier nicht, dann ist Bitlocker keine Option, denn du weißt nicht was in der Software vorgeht. In dem Fall wäre aber jede andere Verschlüsselung auf Windows (z.B. TC) fast ebenso sinnlos, denn in dem Moment wo du die Daten entschlüsselst um mit ihnen zu arbeiten hat Windows Zugriff darauf. Und wenn du MS nicht bei Bitlocker vertraust gibt es keinen Grund es bei Windows zu tun.
Das stimmt, aber deine Schlußfolgerung würde ich nicht ziehen.
Ich würde mal unterstellen, daß es mit der geeigneten Infrastruktur relativ leicht ist, in einen Windows-Rechner einzudringen. Zero-day-Bugs und Browser-Bugs gibt es genug. Wenn man annimmt, daß die CA-Infrastruktur und viele Router unterwandert sind, ist es leicht, Website-Anfragen eines bestimmten Nutzers gezielt auf eine Proxy-Seite mit Schadsoftware umzuleiten. Oder man nutzt eine Kollision in MD5 aus und spielt per Windows Update Schadsoftware ein (und das habe ich nicht erfunden, googelt mal nach "Flame"). Oder man zwingt den Provider, mit geeigneter Software bei Anfragen nach EXE-Dateien diese on-the-fly um eine Schadroutine zu ergänzen, weil kein Mensch Prüfsummen vergleicht, wenn er Setup-Dateien herunterlädt.
Das heißt aber nicht, daß ich Windows deswegen nicht sicher verwenden könnte. Wenn ich auf meine Hardware aufpasse, meinen Systemen den Internetzugriff verweigere, Software und Updates nur über einen Umweg und nach doppelter Prüfung installiere (z.B. über einen eigenen WSUS-Server im Intranet) und nur beschränkt das Austauschen von Daten mit Speichermedien zulasse, dann muß man schon etwas vom Kaliber eines Stuxnet loslassen, um da reinzukommen. Oder wenn ich nicht ganz so paranoid bin, gleiche ich vielleicht nur die KB-Nummern der Updates mit dem üblichen Patchday-Artikel von Heise ab, prüfe bei ausführbaren Dateien immer die Checksums, verschließe so viele Ports wie möglich mit der Windows-Firewall und härte Browser und Mailprogramm mit EMET, RequestPolicy, NoScript und dergleichen. Einen Geheimdienst mit Milliardenbudget hindert sowas vielleicht nicht lange; aber die Kriminalämter müssen sich ja zumindest oberflächlich an gesetzliche Regelungen à la Quellen-TKÜ halten, und Dinge wie diese falschen Windows-Updates werden die auch nicht großflächig einsetzen, weil sowas zu leicht auffliegt (und weil die meisten Nutzer einem das Eindringen eh viel leichter machen).
Aber wenn mir dann jemand diesen Rechner wegnimmt, dann kann es ein großer Unterschied sein, ob ich Bitlocker oder Truecrypt verwende. Und ich würde die Möglichkeit, daß gewöhnliche Polizeibehörden Bitlocker umgehen können, durchaus in Betracht ziehen. Als Bitlocker mit Vista veröffentlicht wurde, gab es Gemaule von den Behörden, weil sie dachten, bei FDE hätten sie keine Chance, Beweismittel sicherzustellen (cf. die Verweise in der englischen Wikipedia.) Nach einigem Hinundher ist das aber verstummt, und ich bin nicht willens, das so positiv wie möglich zu deuten. Vielleicht hat Microsoft kooperiert, vielleicht haben sie ein Verfahren gefunden, die Schlüssel aus dem TPM-Chip zu ziehen; vielleicht waren sie wirklich damit zufrieden, daß Bitlocker den Benutzer anhält, seinen Wiederherstellungsschlüssel unverschlüsselt auf einen USB-Stick zu schreiben, und man für sowas ja eine Hausdurchsuchung machen kann.
Wenn ich aber jetzt meine Festplatte mit Truecrypt verschlüsselt habe, ist es völlig egal, daß da ein Windows drauf ist. Wenn ich es erfolgreich gehindert habe, von Schadsoftware befallen zu werden, wenn ich davon ausgehe, daß Windows nicht routinemäßig beliebige Dokumente nach außen streamt, und wenn ich es dann noch in einem Truecrypt-FDE-Container einschließe, ist es trotzdem sicher.
Um weiteren zynischen Kommentaren vorzubeugen: natürlich habe ich keinen Anlaß, mich vor der Strafverfolgung schützen zu wollen. "Nichts zu verbergen" also, wie es Zyniker vielleicht ausdrücken würden. Aber ich bin nicht vom unerschütterlichen Glauben an die Unfehlbarkeit des Rechtssystems getragen. Auch gibt es nicht wenige Stimmen, die uns auf dem besten Wege zum Polizeistaat sehen. Und ich finde es sinnvoll, solchem, auch ganz ohne konkreten Anlaß, vorzubeugen.