Office-Turbulenzen allenthalben und Europas Weg zur digitalen Souveränität: Neugründungen, Forks, Kooperationen: der aktuelle Stand - eine Annäherung

saint_nabor

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Das Unbehagen, sich ganz auf Microsoft verlassen zu sollen, zieht momentan Kreise: Kaum eine Woche vergeht ohne neue Initiativen, Ansätze oder Projektmeldungen. Die Debatte um "Digitale Souveränität", Unabhängigkeit, Transparenz, Open Source und nicht zuletzt Lizenzkosten ist in vollem Gange. Ein Blick auf die Neugründungen, auf Kooperationen und mehr.

Guten Morgen liebe Thinkpad-Community,😊

Neuerdings arbeiten mehrere Firmen – darunter Ionos und Nextcloud – an einem Projekt namens „Euro-Office“. Ziel ist eine quelloffene Office-Suite, die die genannten Aspekte konkret umsetzt. Die Akteure setzen dabei auf einen Fork des seit 2009 bestehenden OnlyOffice.

Neue Info zum Fork: zu Euro-Office: Euro-Office
Laut Eigenbeschreibung entsteht dort eine webbasierte, kollaborative Office-Lösung für Dokumente, Tabellen, Präsentationen und PDFs – gedacht zur Einbettung in andere Anwendungen wie Filesharing, Wikis oder Projektmanagement-Tools.

Dass OnlyOffice als Basis herangezogen wird - steht nun fest - gleichwohl wirft dies z.B. auf Reddit verwunderte Fragen auf - heiß diskutiert: Warum Euro-Office, aber nicht LibreOffice?

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(310 Upvotes, 187 Kommentare)

Zitat:
(aus dem o.g. Thread) „Ich sehe ständig Schlagzeilen über die 'Euro-Office'-Initiative, um Microsoft Office in ganz Europa zu ersetzen, und ehrlich gesagt... ich verstehe es nicht. Warum das Rad neu erfinden? LibreOffice gibt es doch schon."(Ende des Zitats)

Nun - damit nicht genug: LibreOffice hat derzeit noch mehr Sorgen und Konflikte

Der Konflikt um LibreOffice : Genau hier wird es turbulent: Die Document Foundation (TDF) steckt momentan (selbst) in einer tiefen Krise. Ein Beitrag im Linuxguides-Forum spricht sogar von einem „Debakel sondergleichen“ – besonders bitter für alle, die auf LibreOffice gesetzt haben.
Hintergrund: vgl. den Thread "TDF und LibreOffice-Turbulenzen und "Krisennachrichten": ( LibreOffice am Abgrund: Wie die Document Foundation ihre eigenen Gründer vor die Tür setzte - Linux Guides Community )

Kurzfazit: Besonders schmerzlich ist der Vertrauensverlust. Denn das Open-Source-Modell lebt wesentlich von Zusammenarbeit. Wenn Strukturen versagen und Menschen sich in Zwist verrennen, ist das eine bittere Lektion für die gesamte Gemeinschaft. Und das ausgerechnet jetzt, wo echte Alternativen zu Microsofts Dominanz so dringend gebraucht würden.

Beispiele für LO-Großprojekte: es gab immer wieder Leuchtturmprojekte mit LibreOffice:
  • Dänemark
  • Schleswig-Holstein
  • Österreichisches Bundesheer
(vgl. Wikipedia: Open-Source-Software in öffentlichen Einrichtungen)

Persönliche Einschätzung: Für mich war LibreOffice lange ein starkes Zeichen für das andere Modell – ein Garant für digitale Souveränität und Offenheit. Ich werde die Projekte weiter beobachten, erstmal bei LO bleiben, solange es für mich funktioniert. Aber ich werde mir auch Collabora Office und OnlyOffice/Euro-Office ansehen. In den nächsten 12–18 Monaten könnte sich zeigen, wohin die Reise geht.

Was bleibt? Ein echtes Debakel – aber paradoxerweise hat der Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der freien Bürosoftware gerade erst richtig angefangen. Und LibreOffice geht darin leider geschwächt ins Rennen.

Ausblick: Übrigens: Vom 10. bis 12. September findet die LibreOffice-Konferenz in Pordenone, Italien, statt. Mal sehen, was daraus wird.


ein kleiner Videoclip zum Thema; Europas Weg aus der Microsoft-Cloud: Der aktuelle Stand

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und eine satirische Antwort auf das Projekt: Microsoft Reacts to the New Europe-Office

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weitere Hintergründe - Artikel, Diskussionen und mehr:

der erwähnte Artikel; Also - wäre das nicht schon turbulent genug: zur TDF und LibreOffice allein gibts derzeit Turbulenzen und "Krisennachrichten": LibreOffice am Abgrund: Wie die Document Foundation ihre eigenen Gründer vor die Tür setzte - Linux Guides Community

und passend zu der Debatte: Ein aktuelles Beispiel für den politischen Druck: (Heise) Cloud: Zoff in Bayern wegen Milliardenauftrag an Microsoft ohne Ausschreibung - ein Heise-Artikel: Cloud: Zoff in Bayern wegen Milliardenauftrag an Microsoft ohne Ausschreibung

eine Übersicht: Open-Source-Software in öffentlichen Einrichtungen:
...und auch ein Blick nach La France 🇫🇷 ist sehr aufschlussreich: Digitale Souveränität: Der Staat beschleunigt den Abbau außereuropäischer Abhängigkeiten vgl. https://www.numerique.gouv.fr/sinfo...ique-reduction-dependances-extra-europeennes/ ( Veröffentlicht am Mittwoch, 8. April 2026 | DINUM )

....im Rahmen einer Initiative zum Schwerpunkt: "Digitale Werkzeuge, Öffentliches Beschaffungswesen" formiert sich in Frankreich ein Prozess, der sehr interessant ist: 🇫🇷:love:

Auf Initiative des Premierministers, des Ministers für öffentliche Maßnahmen und Finanzen sowie des Beigeordneten Ministers für Künstliche Intelligenz und Digitales organisierte die Interministerielle Direktion für Digitales (DINUM) in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Unternehmen (DGE), der Nationalen Agentur für Cybersicherheit Frankreichs (ANSSI) und der Direktion für staatliches Beschaffungswesen (DAE) am Mittwoch, den 8. April 2026, ein interministerielles Seminar. Ziel war es, die gemeinsamen Bemühungen zum Abbau außereuropäischer digitaler Abhängigkeiten zu verstärken. Die Veranstaltung, die Minister, Regierungsstellen, öffentliche Betreiber und Akteure der Privatwirtschaft zusammenbrachte, markiert eine Beschleunigung der französischen und europäischen Strategie für digitale Souveränität.
Verstärktes Engagement des Staates
Im Anschluss an die jüngsten Richtlinien des Premierministers, insbesondere die Rundschreiben zur digitalen öffentlichen Auftragsvergabe und zur allgemeinen Einführung des Videokonferenztools „Visio“, ermöglichte das Seminar die Formulierung eines klaren Ziels: die digitalen Abhängigkeiten des Staates von außereuropäischen Ländern zu verringern.

zuletzt noch die beiden Github-Ressourcen zu Euro- und OnlyOffice

Euro-Offfice@github: https://github.com/Euro-Office

OnlyOffice@Github: https://github.com/ONLYOFFICE


Euch allen hier auf dem Thinkpad-Forum noch einen schönen Einstieg ins Wochenende 😊
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für Deinen ausführlichen Beitrag.
Ich teile Deine Einschätzung und hoffe, dass sich möglichst schnell zeigt, wohin die Reise geht.
 
Ich verfolge diese Geschichte auch schon seit einiger Zeit. Ob Euro-Office wirklich kommt, hängt wohl derzeit etwas in der Luft:

Sollte es Lizenzverletzungen geben, dann wäre das Projekt gestorben, bevor es richtig angefangen hat.

Libreoffice ist nicht nur wegen der internen Querelen rausgefallen, sondern auch aus Performancegründen. So soll Libreoffice noch sehr viele Altlasten mit sich herumschleppen, um vermutlich möglichst viel Abwärtskompatibilitäten zu Uralt-Versionen zu erhalten.

Dazu auch dieser Artikel bei Heise:
https://www.heise.de/news/Microsoft...ickeln-quelloffenes-Euro-Office-11227544.html

Die ganze Entwicklung betrifft auch Collabora Office. Nextcloud bietet ja OnlyOffice und Collabora-Zugriff und ermöglicht auch die Nutzung beider als Server z.B. in Docker-Instanzen auf selbst gehosteten Nextcloud-Instanzen an. - Da wird jetzt auch wohl einiges in Bewegung kommen...
 
Hallo StefanW hallo Mornsgrans,

vielen Dank für Eure Beiträge - für die Rückmeldungen. Danke dir Mornsgrans für die sehr interessanten Quellen - und Hinweise

Sollte es Lizenzverletzungen geben, dann wäre das Projekt gestorben, bevor es richtig angefangen hat.

Man kann nur hoffen, dass sich dann doch auch Dinge entwickeln (können) - Bin sehr gespannt was aus dem Euro-Office-Fork wird - und ob es hier noch zu weiteren rechtlichen Turbulenzen kommt ( in der Fork-Entwicklung zw. Euro-Office und OnlyOffice )

Libreoffice ist nicht nur wegen der internen Querelen rausgefallen, sondern auch aus Performancegründen. So soll Libreoffice noch sehr viele Altlasten mit sich herumschleppen, um vermutlich möglichst viel Abwärtskompatibilitäten zu Uralt-Versionen zu erhalten.

ja - das hab ich auch gehört: Schade, denn LO war für mich immer meilenweit vor MS - jedenfalls hab ich voll auf LibreOffice gesetzt und moche (bzw. mag) deren komplettes Paket (inkl. allem - ) viel viel mehr als die MS-Dinge.

Danke auch für den Link zu dem Heise-Artikel.
Die ganze Entwicklung betrifft auch Collabora Office. Nextcloud bietet ja OnlyOffice und Collabora-Zugriff und ermöglicht auch die Nutzung beider als Server z.B. in Docker-Instanzen auf selbst gehosteten Nextcloud-Instanzen an. - Da wird jetzt auch wohl einiges in Bewegung kommen...

Ja - ich teile deien Ansicht. Da kommt sehr viel in Bewegung... Das wird sehr spannend.

Viele Grüße
Saint_Nabor :)
 
Nach Lektüre des Berichts auf linuxguides.de (siehe Beitrag von @saint_nabor ) kann man nur konstatieren: was für eine Shitshow! Den Artikel sollte sich jeder mal geben.

Meiner bescheidenen Meinung nach hätte man der TDF niemals solche Entscheidungsmacht überlassen dürfen. In solchen Gremien sammeln sich mit der Zeit nämlich die technischen Minderleister an, und die sind das Krypton jeder Open Source Initiative. Und wenn die Entwickler die Abkehr des Meritokratieprinzips (der einzig funktionerende Weg, wenn man gute Software möchte) beklagen, dann weiß man auch woher der Wind auf der anderen Seite weht.
 
Ich habe dazu auch folgendes Video gesehen:

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Die Geschichte mit LibreOffice ist wohl etwas komplexer - LibreOffice hatte sich vor ein paar Jahren von der eigenen Online-Lösung verabschiedet, in diese Lücke ist Collabora gestoßen. Nachdem TDF nun die eigenen Online-App-Lösung zurückbringen wollte, sieht sich Collabora im Geschäftsmodell bedrohnt - typische Schlammschlacht.

Und Microsoft lacht sich ins Fäustchen - wie so oft ist die Uneinigkeit in der Open Source Welt deren größte Stärke.
 
Hallo zusammen


danke für die Rückmeldngen MrMicrawlder und IBMThink



Nach Lektüre des Berichts auf linuxguides.de (siehe Beitrag von @saint_nabor ) kann man nur konstatieren: was für eine Shitshow! Den Artikel sollte sich jeder mal geben.

tatsächlich: .. Das sieht echt ziemlich schwach aus. und wenns nun richtig los geht im Kampf um die Domäne der Bürosoftware - dann sieht LO leider ziemlich geschwächt aus.

Meiner bescheidenen Meinung nach hätte man der TDF niemals solche Entscheidungsmacht überlassen dürfen. In solchen Gremien sammeln sich mit der Zeit nämlich die technischen Minderleister an, und die sind das Krypton jeder Open Source Initiative. Und wenn die Entwickler die Abkehr des Meritokratieprinzips (der einzig funktionerende Weg, wenn man gute Software möchte) beklagen, dann weiß man auch woher der Wind auf der anderen Seite weht.

Jupp - seh ich auch so::)

...hier (angesichts der fortgeschrittenen Zeit) nur noch ganz kurz zwei Belege:

ad 1 Digitale Abhängigkeiten zu lösen: ... Digitale Abhängigkeit der EU: Was bringt der „Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität“?

Worums geht... hier zwei Belege:

ad 1 Digitale Abhänigkeiten zu lösen: ... Digitale Abhängigkeit der EU: Was bringt der „Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität“?
Zitat: Deutschland und Frankreich wollen dafür sorgen, dass Europa schneller digital unabhängiger wird. Zum „Europäischen Gipfel zur Digitalen Souveränität" in Berlin werden heute rund 900 Gäste erwartet,... unter ihnen die Digital-Minister:innen der Europäischen Union. Kanzler Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen Regierungen, Unternehmen und Entwickler zusammenbringen.

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ganz konkret;: sollten wir nicht langsam mal gucken, dass wir aus Kritischen Abhänigkeiten von einzennen sehr sehr großen und marktdominaten Anbietern - den Tech-Giganten .. uns lösen. Gemein wären hier Microsoft, Google u.s.w - vor allem Microsoft beherrscht leider den Markt im Bereich Bürosoftware. Dazu kommen noch Cloud-Dienste... und so weiter.


ad. 2 By the way: Frankreich - scheints auch anzupacken: ein toller Beitrag Wie Frankreich für digitale Souveränität kämpft | auslandsjournal vom 10. April 2026

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Beim Thema KI dominieren US-Player den Markt. Doch Europa will unabhängiger werden. Wie das gelingen könnte, zeigen seltene Einblicke bei Frankreichs Militär und beim KI-Riesen Mistral.

Quelle: Das Auslandjournal ...resp. ZDFheute Nachrichten

Euch allen einen schönen Einstieg in den Samstag..

Grüße Saint_Nabor:)
 
Das Unbehagen, sich ganz auf Microsoft verlassen zu sollen, zieht momentan Kreise: Kaum eine Woche vergeht ohne neue Initiativen, Ansätze oder Projektmeldungen. Die Debatte um "Digitale Souveränität", Unabhängigkeit, Transparenz, Open Source und nicht zuletzt Lizenzkosten ist in vollem Gange.
Ich teile diese Bedenken schon sehr lange. Deswegen setze ich seit ungefähr 2008 fast ausschließlich Linux mit früher Openoffice und jetzt Libreoffice auf meinen Systemen ein und vermisse rein garnichts aus der "alten Welt".

Leider ist es mit einem neuen Office bei weitem nicht getan. Deswegen wird auch weiterhin nahezu jeder PC in einer Firma mit Windows laufen. Und Windows wird auch weiterhin alternativlos sein, zumindest für die meisten Firmen. Ich möchte hier tatsächlich nicht die nächste unnütze Diskussion um Linux und Windows lostreten, aber zumindest sollte man immer den Fakt im Hinterkopf behalten, dass eine Souveränität nur erst dann gegeben ist, wenn auch Windows von den meisten Computern verschwunden ist. Was noch viel schwieriger wird als Office und das ist bereits extrem schwierig.

Tatsächlich wird es aber einfacher, Windows loszuwerden, falls man tatsächlich einen vernünftigen Ersatz für Office hat. Das Problem an Office ist, dass gerade in Unternehmen ein echt riesiger Rattenschwanz dran hängt. Das fängt mit der Schulung der Endanwender an, Gewohnheitsänderungen, dass alles mögliche mittels Onedrive synchronisiert wird und jede Menge Zeug auf einem MS-Sharepoint liegt, bis hin zu Spezialsoftware die über Jahrzehnte in Excel mittels Makro realisiert wurde. Ein Highlight, das ich mal in der Hand hatte, war eine spezialisierte Drucksoftware, die in Excel geschrieben worden war. Da musstest Du Dich echt festhalten!

Und hier kommen wir auch zu dem Punkt, der eben eines der Hauptprobleme darstellen wird: Kompatibilität. Ein Privatanwender kann ohne Probleme von MS-Office zu einer Alternative wechseln. Entweder er kann die drei Dokumente importieren, die er noch braucht, kann sie mittels eines Office-Viewers kopieren oder schreibt sie eben schnell neu. Zeit kostet hier kein Geld und die Anzahl der Dokumente ist meist überschaubar und es werden meist keine besonderen Office-Funktionen verwendet (z. B. Makros). In einem Unternehmen sieht das ander aus. Zunächst einmal kostet Zeit auch Geld und alles, was in Office als Funktion genutzt werden kann, wird auch genutzt werden. Ein Produkt, das also eine wirkliche Alternative darstellen soll, muss zu 99,9% alles können, was auch Office kann. In Unternehmen fallen Dir ja oft schon neue Versionen von Office an etlichen Stellen auf die Füße.

Deswegen sehe ich auch hier die nächste Totgeburt, die nur unsere Steuergelder verbrennt. Leider. Also ganz abgesehen von dem oben erwähnten Lizenzthema, wo man sich wohl auch wieder maximalst dämlich angestellt hat, wie mir scheint.
 
Irgendwie seiht es danach aus, dass es letztlich die Frage ist, welches Unbehagen größer ist.
Strukturversagen, Vertrauensverlust, Zwist, Lizenzverstöße sind erstmal keine guten Grundlagen für eine langfristige Arbeitsbasis. Allein schon, weil sowohl Behörden als auch Unternehmen z.B. durch Gesetzvorgaben zur Einhaltung von Aufbewahrungsfristen verpflichtet sind oder irgendwelche jahrealten Dokumente irgendwann mal die Grundlage sein müssen, um ein Produkt neu zu entwickeln oder alte Planungen weiterzuentwickeln.
Natürlich besteht ein Risiko, dass Microsoft irgendwann mal nicht mehr existiert oder nicht mehr willens ist mit Kunden in Europa noch zusammenzuarbeiten. Aber egal welche Alternative heute möglicherweise eingeführt wird, wenn sich in x Jahren kein Konsortium mehr findet, das adäquate Software für einen Jahre alten Dokumentenstandard anbietet, steht man nicht anders da.
Bisher hat Microsoft jedenfalls Konstanz gezeigt und aus eigener Erfahrung hat es geklappt meine Diplomarbeit aus den 90er zu öffnen. Sieht noch alles tadellos formatiert aus und selbst die mit dem alten Fomeleditor gesetzten Gleichungen werden einwandfrei anzeigt (natürlich kann man sie nicht mehr editieren). Außer den immer wieder aufkeimenden Bedenken, dass Microsoft seine Zusammenarbeit verweigern könnte, sehe ich keine echten Anzeichen gegen ein weiter wie bisher. Sicher ist Microsoft teuer, aber mögliche Umstellungen, wenn ein Open-Source Projekt scheitert, kann ebenso immense Kosten verursachen. Solche Kosten sind gerade für Unternehmen ein hohes Risiko, da sie unplanbar sind. Regelmäßige Lizenz-Kosten lassen sich dagegen einplanen.
Das hier mit angeführte Thema Cloud hat auch erstmal nichts mit einem Dokumentenstandard samt passender Software zu tun. Den Umgang mit den eigenen Daten muss schon jeder für sich definieren und wenn man bedenken hat, dass Microsoft direkt beim Bearbeiten während der Office-Nutzung mitliest, ist das auch nur eine Frage, welche Netzzugriffe auf dem PC eines kleinen Mitarbeiters möglich sind bzw. welche unterbunden werden müssen.

@saint_nabor: "Ich werde die Projekte weiter beobachten, erstmal bei LO bleiben, solange es für mich funktioniert." Für private Anwendungen ist das sicher eine pragmatische Gangart. Ich möchte allerdings nicht, dass gerade in diesen Zeiten unsere Landesverteidigung nur "solange es geht" gewährleistet ist und ich meinen Führerschein nicht mehr verlängern kann, nur weil "es nicht mehr geht". Da müssen andere Maßstäbe angelegt werden, als ich sie als Einzelperson habe.

@Mornsgrans: "Libreoffice ist nicht nur wegen der internen Querelen rausgefallen, sondern auch aus Performancegründen." Das gleiche Problem hat Microsoft letztlich auch (siehe Beispiel meiner Diplomarbeit) und wenn eine heute neu antretende Software auf den Support älterer Dateiformate verzichtet, nur um performanter zu sein, ist das ebenso keine Basis für einen langfristigen Einsatz im kommerziellen Umfeld. Zu den aus einer solchen Situation resultierenden Kosten, wenn die Abwärtskompatibilität nicht erhalten bleibt oder eine Zusammenarbeit mit anderen Stellen nicht möglich ist, habe ich oben ja was geschrieben.

Zum Abschluss: "... wo echte Alternativen zu Microsofts Dominanz so dringend gebraucht würden." Die Gründe für Alternativen sehe ich und kann sie nachvollziehen. Das "dringend" dabei sehe ich dagegen nicht. All das, was hier angeführt und diskutiert wird, zeigt für mich lediglich, dass die Alternativen ebenso Risiken bilden, die ähnlich wenig einzuschätzen sind wie das Microsoft-Risiko. Es bleibt also bei der Entscheidung, welchem Unbehagen man sich mehr ausliefern möchte.

Grüße Thomas
 
aber wie ist denn nun das Fazit, das man als einfacher Anwender (der nicht MS Office nutzt) daraus ziehen darf? Bleiben bei LO oder wechseln zu Collabora? :unsure:
Collabora zB läuft wunderbar auf dem iPad und dem iPhone, auf dem Rechner habe ich es noch nicht getestet. jedenfalls kann es problemlos Dateien öffnen + bearbeiten, die mit LO erstellt wurden.

Und Euro-Office dauert ja noch, falls es überhaupt kommt.
 
Erst einmal alles beim alten lassen. Es wird noch etwas dauern, bis wirklich Bewegung in die Sache kommen wird. Aktiv werden kann man eh erst, wenn das Produkt "fertig" ist und veröffentlicht wird, danach werden erst Kinderkrankheiten beseitigt werden müssen.
 
... und wie gesagt bei der ganzen Diskussion immer im Blick haben, dass für einen als private Einzelperson deutlich weniger Punkte relevant sind, als für Behörden und Unternehmen.

Grüße Thomas
 
Das schon, aber die Privatperson profitiert sicher von den Ergebnissen, sei es im Dokumentenaustausch mit Behörden und Unternehmen, sei es von einer gestiegenen Performance oder auch dem Sicherheitsaspekt (z.B. bezüglich Telemetrie und Cloud-Daten).
 
Das schon, aber die Privatperson profitiert sicher von den Ergebnissen, sei es im Dokumentenaustausch mit Behörden und Unternehmen
Was sich aber noch zeigen muss, zumal man in der Regel bei Behörden keine Word-Dokumente einreicht und da eher ein PDF versendet (oder es so tun sollte). Ich kann mir darüber hinaus auch kaum vorstellen, dass mir eine Behörde vorschreiben kann, in welchem Format ich Dateien zu liefern habe und welche Software ich selbst vorhalten muss, um behördliche Dokumente bei mir zu lesen. Im Zweifel gilt das sicher auch in Zukunft das sein, was ein verbreitetes und allgemein übliches Format ist, also wohl eher was in Richtung PDF, dass sich ja auch digital signieren lässt.
Dennoch fand ich es sehr beeindrucken, wie gut das aktuelle Word meine 30 Jahre alte Diplomarbeit noch lesen kann. Diesen Langlebigkeitsbeweis müssen andere erstmal erbringen. Rein aus einem quelloffenen Format heraus lässt sich das nicht begründen.

Grüße Thomas
 
Aktuell haben wir als NonProfit quasi Exchange Online, Teams usw. mehr oder weniger kostenfrei im Einsatz. Unsere Lizenzen laufen noch bis Ende 2027. Ein kostenpflichtige Lizenzierung mit Microsoft wäre für uns sehr kostspielig. Ich bin gespannt was daraus wird und ob es eine Alternative sein kann.
 
Sicher ist Microsoft teuer, aber mögliche Umstellungen, wenn ein Open-Source Projekt scheitert, kann ebenso immense Kosten verursachen. Solche Kosten sind gerade für Unternehmen ein hohes Risiko, da sie unplanbar sind. Regelmäßige Lizenz-Kosten lassen sich dagegen einplanen.
Microsoft-Produkte einzusetzen ist in Summe wahnsinnig teuer und die Kosten sind eben nicht planbar, wenn man nicht zwischen Anbietern wechseln kann und einem einzelnen Anbieter ausgeliefert ist.
Es geht hier um ein Projekt, auf welches mehrere Staaten setzen würden und welches dann Systemrelevanz hat.

Würde man sich der Umstellung nicht seit Ewigkeiten verweigern, dann hätte man längst gut funktionierende Alternativen und würde jährlich Geld sparen.
 
Mich stört bei der Diskussion, dass TCO gar keine Berücksichtigung findet. MS ist billig weil sie unglaublich skalieren können. Falls wir uns von USA lösen wollen müssen wir uns darauf gefasst machen, dass eigene Infrastruktur kostet und wir bereit sind diese "Unabhängigkeitssteuer" zu zahlen.

Wäre so, als ob Schweiz ein Auto zusammendengelt und proklamiert, wir brauchen die VWs, Toyotas nicht. Wir können unsere eigene Autos bauen. Sicher können sie das aber das wird kein billiges Auto und wahrscheinlich nicht mal ein gutes. Aber wenn das politisch gewollt wird dann ist es halt so.

Wer MS über Preis bzw. Kosten schlagen will, gute Nacht.
 
Microsoft-Produkte einzusetzen ist in Summe wahnsinnig teuer und die Kosten sind eben nicht planbar, wenn man nicht zwischen Anbietern wechseln kann und einem einzelnen Anbieter ausgeliefert ist.
Lizenz- oder Abo-Kosten sind durch entsprechende Verträge festgelegt. Im betriebswirtschaftlichen Sinne sind das planbare Kosten.

Würde man sich der Umstellung nicht seit Ewigkeiten verweigern, dann hätte man längst gut funktionierende Alternativen und würde jährlich Geld sparen.
Das ist Spekulation. Kein Mensch weiß was es kosten wird, wenn man vor Jahren auf ein Produkt X gesetzt hat und es heute auf Y umstellen muss, weil X unerwarteter Weise weggebrochen ist.
Frag dich mal, warum nahezu alle Firmen auf Microsoft oder evtl. noch auf Google als Software im Bereich Office setzen. Meinst du nicht, dass in all diesen Firmen keine schlauen Leute sitzen, die über Kostenstrukturen, Datensicherheit, Verfügbarkeiten usw. nachdenken und gleichzeitig dabei auch eine Risikobewertung vornehmen, was es das Unternehmen kosten kann, wenn eine festgelegte Strategie scheitern sollte? Das Ergebnis dieser schlauen Leute siehst du in der Praxis.
Es mag sein, dass bei Behörden oder im staatlichen Umfeld andere Prioritäten zu setzen sind und das Scheitern einer Strategie im Zweifel durch die Einnahmen vom Bürger refinanziert ist.

Grüße Thomas
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Wäre so, als ob Schweiz ein Auto zusammendengelt und proklamiert, wir brauchen die VWs, Toyotas nicht. Wir können unsere eigene Autos bauen. Sicher können sie das aber das wird kein billiges Auto und wahrscheinlich nicht mal ein gutes. Aber wenn das politisch gewollt wird dann ist es halt so.
Es ist ja noch schlimmer: Solange ein Staat diese Aufgaben in eigene Hand nimmt und das (auf Kosten seiner Bürger) auch konsequent durchzieht, mag das ein gangbarer Weg sein. Der korrekte Verglich ist aber, wir brauchen kein VV und Co weil ein zerstrittener Haufen im eigenen Land versucht aus frei verfügbaren Bauanleitungen irgendwas auf die Räder zu stellen, dabei noch anderen vorwirft, sie kopieren die eigenen Ideen und das Ergebnis auch in 15 Jahren noch sicher betrieben werden muss. Dem Gute Nacht schließe ich mich da an, erst recht, wenn man noch mit dem Argument ins Lande zieht, dass so eine Strategie kostengünstiger sein wird.

Grüße Thomas
 
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