Weshalb ich mich noch im Forum rumtreibe?
Weil ich mich jetzt nach diesem heutigen fleissigen Tage (der von o7.3o bis gerade 23.o1 ging) zum Schraubenzieher greifen und in die Welt mit 3 Buchstaben abtauchen werde....
vorher gabs das hier:
Der belgische Architekt und Designer Henry Clement van de Velde (* 3. April 1863 in Antwerpen; † 25. Oktober 1957 in Zürich) entwarf und errichtete von 1913-1914 das Werkbundtheater für die 1914 in Köln auf dem ehemaligen Deutzer Festungsgelände stattfindende Werbundausstellung. Dabei gingen dem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in der Werkbund- Führungsriege zu van de Veldes Nationalität letztendlich sehr spät im Februar 1914 erteilten Auftrag und verwirklichten Entwurf mehrere teils in Größe und Funktion abgeänderte Entwürfe vorraus.
Aus der Recherche sind folgende dem Gesamtüberblick dienende Veröffentlichungen hervor-gegangen:
1. Das Werkbund-Theater Henry van de Veldes; M. Eisler; in „Die Kunst“ (30.1914) : Magazinpr. Verlg.; S. 558-565
2. Die Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914 : eine Dokumentation nach 70 Jahren; Wulf Herzogenrath, Zdenek Felix...; Essen : Bacht, 1984
3. Geschichte meine Lebens; Hans Curjel; München : Piper, 1962
4. Henry van de Velde : sein Werk bis zum Ende seiner Tätigkeit in Deutschland; Karl-Heinz Hüter; Berlin : Akad.-Verl., 1967
5. Henry van de Velde, Klaus-Jürgen Sembach; Stuttgart : Hatje, 1989
6. Henry van de Velde : Theaterentwürfe 1904 – 1914; Archives de l'Architecture Moderne; Köln [u.a.] : Belgisches Haus [u.a.], 1977
7. "Ins Leere widerspochen. – Über die Polemik von Adolf Loos gegen Henry van de Velde: eine kulturpsychologische Betrachtung“; Ole W. Fischer; in „Adolf Loos : Die kultivierung der Architektur“ (S.83-96, 105-116); Zürich : gta-Verlag, 2008
8. Jahrbuch des Deutschen Werkbundes; Deutscher Werkbund; Jena : Diederichs [1912-1914]
9. Frühe Kölner Kunstausstellungen : Sonderbund 1912, Werkbund 1914, Pressa USSR 1928; Herzogenrath, Wulf; Köln : Wienand, 1981 = 1914
10. Organische Architekturkonzepte zwischen 1900 und 1960 in Deutschland : Untersuchungen zur Definition des Begriffs organische Architektur; Sabine Brinitzer; Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 2006
Die aufschlussreichste textliche Zusammenfassung mag von Klaus-Jürgen Sembach, die bislang umfassendste bildliche Zusammenschau in „Henry van de Velde : Theaterentwürfe 1904 – 1914 enthalten“ zu sein. Es scheint, als gäbe es bislang keine Veröffentlichung, in der die sieben Entwurfsstadien massstabsgerecht in ihrem baulichen Umfeld eingebettet zusammen betrachtet werden können. Es fehlt also an einem Gesamtüberblick, der die Bedeutung und den Zusammenhang der architektonisch-gedanklichen Bilder der einzelnen Entwürfe detailliert sichtbar macht.
Dem ersten Entwurfansatz eines Lichtspieltheaters für 450 Personen sind ein Grundriss und ein Längenschnitt zuzuordnen, wahrscheinlich laut RBA (194 095)vom Juli 1913(?). Dieser Planung liegt noch ein anderer Standort (nicht im Norden wie bei Karl-Heinz Hüter (in dessen Bildmaterial mindestens die Beschriftung neugezeichnet wurde!!!) nachzulesen sondern im Süden) auf dem Ausstellungsgelände als dem 1914 gebauten Entwurf zugrunde. Anhand des offiziellen Lageplans der Werkbundausstellung (authorisiert im April 1914 von Tehorst) und einem situativen Lageplan der angrenzenden Bebauung van de Veldes lässt sich annehmen, daß diese ursprüngliche Planung zwischen den beiden Schenkeln des U-Gebäudes der Farbenschau von Muthesius (einem der größten Widersacher van de Veldes im Deutschen Werkbund) eingebaut werden sollte. Skaliert man Lageplan, situativen Lageplan, Grundriss und Längenschnitt massstabsgerecht, so läßt sich erkennen, wie gering sich der ursprünglich für van de Velde bedachte Auftrag gegenüber anderen Teilnehmer wie Gropius, Behrens, Hoffmann oder Taut auf der Werkbundausstellung ausgenommen und daß es nur eine repräsentative Fassade am Gebäude zu gestalten gegeben hätte. Zu den bereits veröffentlichen Plandokumenten sei hier noch erwähnt, daß eine Ansicht gänzlich fehlt und der Längenschnitt unvollendet blieb, jedoch die Zweitrangigkeit einer eingeschossigen Kulissen-architektur offenbart. Hauptcharakteristika des Lichtspieltheater-Grundrisses sind der entgegen jeglicher damaliger Theaterentwurfsprinzipien um 180° gedrehte Vorführsaal und das diesen komplett umlaufende Foyer.
Im zweiten Entwurfsansatz sollte bei gleichbleibender Sitzanzahl (450) und gleichem Standort ein Theater nebst Bühne und Lichtspielprojektion realisiert werden. Diesem Planungsabschnitt lassen sich jeweils ein Grundriss für Erd- und Obergeschoss, sowohl eine Ansicht als auch eine Perspektive der Hauptfassade und ein Längenschnitt zuordnen (wahrscheinlich laut RBA (192 084, 194 096??)von Januar bzw. März 1913?) – also ein an Bearbeitunsgtiefe höherer Grad als dem vorangegangenen ersten Kino-Entwurf. Mit dieser Entwurfsstufe beginnt die bauliche Ausdehnung des Projektes sowohl in die Tiefe des Innenhofes der Farbenschau als auch nun mit einem zweiten Geschoss für Zuschauer und Schauspieler in die Höhe. Massstabsgerecht skaliert und eine jede der ersten vier Entwurfsphase zum besseren Vergleich in den situativen Lageplan eingefügt ist hierbei die Erweiterung um die Ankleideräume der Schauspieler am auffälligsten. Als Protuberanz nicht so recht in den Gesamtgrundriss passen wollend, dabei aber anscheinenden den Bebauungslinien der ihn umgebenden Farbenschau folgend, ist dieser Anbau eher als eine Art Alibi für einen normalen Theaterbetrieb zu verstehen. Dafür fehlte es immer noch an ausreichendem Platz für Seiten- und/oder Probebühnen. Weiterhin bemerkenswert ist die von nun an in allen Entwurfphasen wiederzufindende dreiteilige Bühne. Auch wurde der Saal wieder in herkömmlicher, nicht gedrehter, Weise ausgeführt. Hier jedoch noch eher breit als tief und sich zur Bühne hin öffnend, sodaß Saal und Bühne ineinander überzugehen scheinen.
Der dritte Entwurfsansatz zeigt eben eine solche Überarbeitung des Zweiten – jedoch nur anhand eines Grundrisses des Erdgeschosses. Die Ansicht, von der Klaus-Jürgen Sembach in diesem Zusammenhang schreibt (und auch das RBA scheint fälschlicherweise davon auszugehen und datiert diesen Grundriss (194 081) sowie jene Ansicht( 194 096) auf September 1913), ist aufgrund eines genauen Vergleiches des zentralen Eingangsportales (konkaver Bogen mit sechs Öffnungen oder gerader Abschluss mit vier Öffnungen) klar dem zweiten - nicht diesem dritten – Entwurf zuzuordnen. Auch die beiden Seiteneingänge sind in der Ansicht nicht zu erkennen, wohingegen die Ansichtslinien- massstabsgerecht skaliert- mit dem Grundriss des zweiten Entwurfes übereinstimmen. Als ginge es darum einen gewissen Platzbedarf auszuloten, ist nun die vorspringende Rückfront des Nachbartraktes der muthesiusschen Farbenschau entweder von sich aus begradigt worden oder dies ist dem notwendigen Ausbreiten des Theaterentwurfes van de Veldes aufgrund eines Mangels an seitlicher Bühnenfläche zu Gunsten eines störungsfreien Bühnenspielablaufes zuzuschreiben – jedenfalls schreitet hier die Ausdehnung des Projektes an diesem Standort weiter fort. Der in die Tiefe erweiterte Bühnenraum, ein gemauerter Rundhorizont, die Seitenbühne sowie der weniger ornamentale Eingangsbereich mit seinen bereits erwähnten zusätzlichen seitlichen Eingängen, welche an den ersten Kinoentwurf erinnern, sind die auffälligsten Weiterentwicklungen.
Der vierte Entwurfsansatz beschreibt die maximale Ausdehnungsstufe sowohl in den Hinterhof der Farbenschau als auch in baulicher Höhe für diesen ersten Standort. Anhand einer Perspektive, die erstmals einen Teil des angrenzenden baulichen Umfeldes zeigt, einer Ansicht (beides laut RBA (194 094)datiert auf September 1913), wiederum jeweils eines Grundrisses für Erd- und Obergschoss (ebenfalls laut RBA (194 080) datiert auf September 1913) und einem Längenschnitt wird das gesamte Aussmaß des baulichen Aufwandes ersichtlich. Obwohl das Raumprogramm nochmals erheblich um Magazine, Direktorenräumlichkeiten und nach Geschlechtern getrennten Umkleiden erweitert worden ist, und die zur Verfügung stehende Parzelle maximal ausgenutzt worden ist, kann man sicherlich nicht von einem optimalen und reibungslosen Theaterbetrieb reden. Insgesamt wirkt dieser Planungsstand jedoch wesentlich aufgeräumter: Durch eine leichte Kuvatur der Saalseitenwände in der Nähe der Bühne sind Spielstätte und Zuschauerraum im Grundriss besser lesbar geworden. Ebenso sind den nun in die vorderen Ecken der Hauptfassade verschobenen doppelläufigen Treppen die Wendeltreppen gewichen. Was zur Folge hatte, daß die durch den anfänglich ornamentalen Grundriss versplitterten Nebenräumen in der frontalen Fassadenschichtung nun klarer geworden sind. Auch die Foyers in beiden Geschossen sind nun klar definiert. Weiterhin erwähnenswert erscheinen hier noch die Galerien im Obergeschoss, von denen wohl ein Blick in den Zuschauerraum möglich gewesen sein dürfte.
Der fünfte Entwurfsansatz stellt sich wieder nur anhand eines einzigen Grundrisses dar. Dieser Tatsache und auch das Saal und Foyer zu weiten Teilen aus dem vorhergehenden, noch für den alten Standort geplanten, Grundriss übernomen worden sind (Treppen des Erdgeschosses führen ins Nichts, weil es keinen Obergeschossgrundriss gibt) ist wohl zu entnehmen, daß dieser fünfte Entwurfsansatz dazu zu dienen scheint, nach dem erlösenden Standortwechsel wieder einmal einen gewissen Platzbedarf ausloten zu wollen. Endlich entstanden seitliche Bühnenräume und Magazine, in diesem Plan nur als Platzhalter eingezeichnet, anstelle der Hinterbühnen-Verlegenheitslösungen des ersten eingeengten Standortes.
Der sechste Entwurfsansatz ist der von allen im Grundriss und wahrscheinlich auch im Schnitt an umbautem Raum größte – also auch größer als der letztlich ausgeführte. Anhand des recherchierten Bildmaterials ist wiederum eine entsprechende Bearbeitungstiefe dieses Entwurfes, der laut RBA wohl fälschlicher Weise als fünfter Entwurf auf Oktober 1913 datiert ist, van de Veldes zu erkennen. Mittles einer Perspektive (RBA (194 086)), einer Frontansicht (RBA (194 087)), eines Grundrisses (RBA (194 088)) und eines Längenschnittes (RBA (194 091)) läßt sich die komplett andere Lösung für den nun auf einem Deich aufsitzenden und freistehenden Entwurf gut überblicken. Die vom RBA diesem Entwurfsstand zugeschrieben Seitenansicht (RBA (194 082)) ist die Seitenansicht des siebten und letzen Entwurfes auf der das Eingangsvordach fehlt. Der neue Standort hatte zur Folge, daß das für die Besucher nun wieder eingeschossig wirkende Theater der Anlage nach eher Ähnlichkeit mit einem griechischen Theater hatte, und der amphietrischen Anordnung der Sitzreihen die Ränge gewichen sind. Die seitlichen Zugänge zum Saal treppen sich also gemäß des Deiches ab und binden auf der dem Saal gegenüberliegenden Seite Austritte ins Freie an – Deich und Magazine bilden somit eine Art Höfe zu beiden Seiten des Gebäudes aus. Der Saal ist nunmehr nicht mehr breit als tief sondern lang-gestreckt und auf 625 Sitz erweitert. Spielstätte und Zuschauerraum sind dadurch unweigerlich mehr voneinander getrennt. Eine Kinoprojektion ist nicht mehr gewünscht. Hauptcharakteristikum dieser vorletzten sowie auch in der letzten Version ist sicherlich das jetzt freistehende Gebäude und dessen harmonische Staffellung seiner äußeren Erscheinung – weniger der Innenraum wie bei den Varianten davor.
Der siebte, letzte und schließlich ausgeführte Entwurf läßt sich anhand einer Frontansicht (RBA (194 085), datiert auf 10.02.1914), einer Seitenansicht (RBA (194 092) datiert auf 12.1913. - 01.1914; obwohl auf der Zeichnung ebenfalls 10.02.1914 vermerkt ist) und eines Längenschnittes nachvollziehen. Zu den Bilddokumenten sei hier erwähnt, daß es augenscheinlich KEINE Perspektive des ausgeführten Entwurfes gibt. Dafür sind aber anscheinend für die Realisierung bemasste Pläne in Zusammenarbeit mit Otto Zorn entstanden. Wie auch schon in der Vorgängerversion zu erkennen war, ist der hintere Magazinteil mit einem zweiten Geschoss ausgeführt worden, für das es aber keine Informationen in Form von Grundrissen oder Schnitten gibt. Lediglich über Ansichten und Fotos lassen sich Vermutungen zu den oberen Räumlichkeiten anstellen. In diesem Zusammenhang seien auch die Fensterreihen oberhalb der Bar, Garderobe und der Terassen sowie der hohe Raum zwischen Saaldecke und Dachfirst über dem Zuschauerraum im Schnitt vermerkt. Auch dazu gibt es keinerlei Informationen in Grundriss und Schnitt, wozu diese gedient haben mochten. Man könnte vermuten, daß dies vielleicht mit den oberen, unterhalb der Decke befindlichen Seitenfenster des Saales zusammenhängt. Der Entwurf als solches ist im Gegensatz zur sechsten Variante bei gleichbleibendem Raumprogramm nochmals teilweise erheblich abgeändert worden. Saal und Bühne sind in Größe annähernd gleich geblieben, der Magazinteil und die Bars sind um ca. die Hälfte verkleinert worden und die Gänge zu den Foyers, Kassenhalle und Garderoben sind sogar größzügiger als im vorhergehenden Entwurf gestaltet worden. Dominierendes Entwurfskonzept dieser Variante ist offensichtlich die äußere Massengliederung, deren einzelne Elemente fast immer durch ihren beherbergenden Zweck, ihre Funktion bestimmt werden. Dafür wurde jedoch hier wie auch schon im sechsten Entwurfsansatz der sich zur Bühne öffnende Zuschauerraum geopfert.
Über alle Entwurfsphasen hinweg läßt sich gut erkennen, daß seit der Einführung der dreiteiligen Bühne im zweiten Entwurf diese sich in ihren Abmessungen und Ausdehnungen bis auf den letzten und ausgeführten Entwurf nicht mehr geändert hat – van de Velde also scheinbar sein Theater immer um diese Grundidee herum entworfen hat. Vergleicht man die Größe des ersten und letzten Entwurfes und auch deren Verhältnis zur Farbenschau von Muthesius kann man annehmen, daß van de Velde schlussendlich doch noch einen repräsentativer Entwurfsauftrag eines öffentlichen Gebäudetypus auf der Kölner Werkbundausstellung verwirklicht hat.
und jetzze gibbet dat hier:
http://www.youtube.com/watch?v=0O5Q9tYJaHs
reinhauen männer!