Wie soll bitte schön eine vielleicht alleinerziehende und berufstätige Frau eines Kindes das alles technisch umsetzen?
Genau wie jeder Andere auch: Sich auf den Hosenboden setzen, sich das nötige IT-Wissen aneignen und dann mit dem Kind gemeinsam das Internet erkunden, bis es damit sicher umgehen kann.
Wie, dafür hat die Alleinerziehende Dame keine Zeit? Dann muss sie sich Hilfe suchen, entweder im privaten Umfeld oder professionell! Im lokalen Jugendclub kann ihr sicher ein Betreuer weiterhelfen.
Wie, betreute Jugendclubs gibt's nicht mehr? Was ist denn das für eine kaputte Gesellschaft, in die die Dame ihr Kind gesetzt hat?
Die gute und gesellschaftlich benachteiligte Dame hat doch weis Gott andere Themen zu stemmen, um ihr Leben zu bestreiten.
Die gute Dame hat vor Allem Eines: Sich mit der Erziehung eines Kindes die größte Verantwortung aufgeladen, die man sich als Privatmensch aufladen kann. Und offenbar hat sie nicht die Ressourcen zur Verfügung (persönlich oder in ihrem Umfeld) , um diese Aufgabe zu stemmen.
Nun mag ihr Status als Alleinerziehende nicht ihre Schuld sein. Vielleicht ist ihr Partner verstorben. Dass sie nun Probleme hat ihr Leben mit Kind zu schmeißen ist aber ihre Schuld, denn sie hatte offenbar keinen Plan B für die wichtigste Aufgabe ihres Lebens.
Wäre das ein IT-Problem, dann würde man sagen: "Kein Backup, kein Mitleid!" Nur schade, dass das in diesem Fall das Kind ausbaden muss.
Auch auf die Gefahr nochmals gerüffelt zu werden, aber wir brauchen auch mal einfache und schnell praktizierbare Lösungen und zwar möglichst schnell.
Wir brauchen v.A. tragfähige Lösungen. Und das bedeutet, dass jemand wie die gute alleinerziehende Dame aus deinem Beispiel nicht in ein Loch fällt, sondern von der Gesellschaft aufgefangen wird. Dass sie in ein Loch gefallen ist, ist ein gesellschaftsstrukturelles Problem, das man eigentlich vor 30 Jahren, als das Internet aufkam, oder spätestens vor 20 Jahren, als sich dessen heutige Struktur abzeichnete, hätte angehen müssen, sowohl politisch als auch zivilgesellschaftlich.
Wir haben es nicht getan, genauso wie wir seit fast 50 Jahren den Klimawandel* verpennen. Ganz offen: Ich staune, dass Menschen überhaupt noch Kinder in die Welt setzen, insbesondere, da das ja heute oft erst mit ca. 30 Jahren oder noch später passiert, wo man eigentlich annehmen sollte, dass die jugendlich naive Weltsicht der Teens und frühen 20er langsam verflogen ist.
Kürzlich zeige mir eine ebensolche Dame das Smartphone ihrer 14-jährigen Tochter: 7 Stunden und 15 Minuten Handynutzung am Vortag...?!?!?
Hoffentlich mit Einverständnis der Tochter**. Andernfalls würde ich das als Vertrauensbruch meiner Mutter betrachten, wenn ich die Tochter wäre.
Das grenzt für mich schon an den Tatbestand der körperlichen Vergewaltigung heran.
Das würdest du nicht schreiben, wenn du wüsstest, was eine tatsächliche Vergewaltigung für die Psyche eines Menschen bedeutet.
Das Dilemma dabei ist, daß ich ihr kaum geeignete Handlungsempfehlungen geben kann, um dem Problem zu begegnen.
Was du tun kannst ist, sie im Alltag zu entlasten, und seien es banale Dinge, wie z.B. Einkaufen.
Jede Minute die du der Mutter freischaufelst, kann sie mit ihrer Tochter verbringen statt mit irgendwelchem Gedöns. Wichtig ist, dass du zuverlässig bist, dass sie deine Hilfe also in ihr Leben einplanen kann.
Das Problem dabei ist aber oft, dass Menschen inzwischen verlernt haben, Hilfe anzunehmen, weil sie meinen, dafür irgendeine Gegenleistung erbringen zu müssen.
*) Ich will hier eigentlich kein weiteres Fass aufmachen, sondern nur zeigen, dass "das Internet" kein singuläres Problem ist, sondern dass das systematische Verpennen von Problemlösungen Methode hat.
**) Was ich bezweifle, denn dann hätte sie es dir selbst gezeigt.