Nach dem Thread Samsung Galaxy Tab im Praxistest folgen nun meine Eindrücke zum iPad. Ich besitze das Gerät seit zwei Wochen.
Zunächst einmal muss ich eingestehen, dass ich das iPad unterschätzt habe. Es ist mehr als nur ein großes iPhone. Den Unterschied macht nicht die Hardware, sondern die auf den größeren Bildschirm angepasste Software. Ich habe bis auf eine Ausnahme nur iPad- oder Universal-Apps auf dem Gerät, also Anwendungen, die den 9,7-Zoll-Bildschirm ausnutzen. iPhone-Apps machen leider keinen Sinn auf dem iPad, da sie nur einen kleinen Bereich des Displays ausfüllen und zudem grobpixelig wirken.
Sehr ärgerlich ist die Tatsache, dass sich viele Entwickler die iPhone- und iPad-Version ihrer Apps doppelt bezahlen lassen und schon aus Prinzip keine Universal-Apps anbieten, die auf allen iOS-Geräten laufen. Die beiden größten Entwicklerschmieden im App Store, an denen man leider nicht vorbeikommt, handhaben das so. Die Rede ist von EA und Gameloft. Erfreulicherweise sind nicht alle Publisher so gierig. Meine derzeitige Bilanz: 38 Universal-Apps, 30 reine iPad-Apps. Die beste Strategie um Kosten zu sparen lautet daher: Geduldig auf gelegentliche Preisreduzierungen warten und das Gerät erst nach und nach mit Programmen füllen.
Kommt man vom Retina-Display des iPhones, fällt einem der deutlich gröbere Bildschirm schon auf. Nichtsdestotrotz kann ich mir kein besseres Lese- und Surfgerät als das iPad vorstellen, höchstens ein iPad mit geringerem Gewicht. Dass Flash fehlt, hat auch seine Vorteile. Nervös blinkende Bannerwerbung sieht man eher selten und auch plötzlich trötende Reklame gibt es nicht. Dies resultiert auch in einer enormen Akkulaufzeit von 10 Stunden, die man durchaus erreicht.
Besonders begeistert bin ich von der iPad-Umsetzung des SPIEGEL. Einzelne Artikel sind mit Videos versehen, das Layout ist perfekt an den Bildschirm angepasst, Infografiken sind teils interaktiv gestaltet. Bilder füllen das gesamte Display aus wenn man darauf klickt und lassen sich neuerdings zoomen. Das alles kann die Printausgabe nicht leisten.
Videos auf Spiegel Online funktionieren seit längerem auch schon ohne Flash. Sogar die ZDF-Mediathek ist inzwischen auf iPhone und iPad nutzbar. Dass Flash fehlt, ist also nicht mehr ganz so ärgerlich wie noch vor ein paar Monaten. Allerdings habe ich auf dem Galaxy Tab erlebt, dass Flash auf Mobiles bisher nicht zu gebrauchen ist. Selbst Flash-Videos liefen nur ruckelnd, Flash-Games waren sogar völlig unbrauchbar. Bleiben also nur zwei Anwendungsgebiete für Flash auf Mobiles: Werbung und Klickibunti-Websites. Von beidem bin ich kein besonders großer Fan. Nichtsdestotrotz ist das Web ohne Flash natürlich nicht vollständig. Hier braucht es noch etwas Zeit bis die mobile Hardware leistungsfähig genug ist. Problematischer ist aber dass Flash nicht für Touchscreens geeignet ist. Dieses Problem dürfte sich in den nächsten Jahren nicht lösen lassen. Ein Umstand mit dem sich auch Android-Nutzer abfinden werden müssen.
Apple preist das iPad gerne auch als Office-Maschine an. Mit Pages, Numbers und Keynote, hat der Konzern bereits erste Büro-Apps auf den Markt geworfen. Die komplette iWork-Suite kostet 24 Euro. Kein Schnäppchen also. Obwohl die Programme schon seit ein paar Monaten erhältlich sind, stecken sie voller Fehler. Will man MS-Office-Dateien importieren, fehlen ganze Bestandteile des Dokuments. Zudem verschieben sich Absätze, Schriften und Bilder. Zum Bearbeiten von MS-Office-Dateien ist die iWork-Suite schlicht unbrauchbar. Um am iPad neue Dateien zu erstellen, kann man die Apps durchaus nutzen. Die Bedienung ist kinderleicht. Am besten gelungen ist Keynote. Das iPad kann sogar für die Präsentation genutzt und an einen Beamer angeschlossen werden. Es soll dann die aktuelle und nächste Folie samt Notizen anzeigen. (noch nicht getestet)
Alternative Office-Apps machen leider auch keine bessere Figur. Als PC- oder Notebook-Ersatz, taugt das iPad also noch lange nicht.
Brettspiele wie Scrabble, Spiel des Lebens, Risiko oder Monopoly, machen das iPad auch für Familien interessant. Die Umsetzungen der Klassiker können sich durchaus sehen lassen und kosten mit einem Preis von 5-8 Euro nur einen Bruchteil der analogen Version. Das iPad ist also auch eine nette Unterhaltungsmaschine. Natürlich machen auch Spiele mit mehr Action, wie z. B. Need for Speed, eine gute Figur auf dem iPad.
Minuspunkte:
-nur 256 RAM und daher gelegentliche Ruckler und Programmabstürze
-Folgekosten auch für iPhone/iPod touch-Besitzer durch Doppelkäufe von Apps
-generell durchschnittlich höhere Kosten für Apps als auf iPhone/iPod touch
-schwer (man muss es bei längerem Lesen abstützen, ideal sind hier iPad-Cases die sich aufbocken lassen)
-eine iPad-Hülle zum Aufbocken ist Pflicht und kostet nochmals gut 40 Euro
-kein Flash
Pluspunkte:
-ideal zum Surfen im Web
-ideales Lesegerät für interaktive Magazine und Zeitungen
-auch zum Lesen von Büchern noch gut geeignet
-Akkulaufzeit (10 h)
-blickwinkelstabiles IPS-Display
-Homescreen rotiert mit
-guter Lautsprecher
-kein Flash (ja, kann man auch als Vorteil werten, siehe Text)
-auch als digitaler Bilderrahmen zu gebrauchen (Slideshow-Funktion im Standby-Modus möglich)
-breites Angebot hochwertiger Programme und Spiele






