iPad im Praxistest

T42p

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Nach dem Thread Samsung Galaxy Tab im Praxistest folgen nun meine Eindrücke zum iPad. Ich besitze das Gerät seit zwei Wochen.
Zunächst einmal muss ich eingestehen, dass ich das iPad unterschätzt habe. Es ist mehr als nur ein großes iPhone. Den Unterschied macht nicht die Hardware, sondern die auf den größeren Bildschirm angepasste Software. Ich habe bis auf eine Ausnahme nur iPad- oder Universal-Apps auf dem Gerät, also Anwendungen, die den 9,7-Zoll-Bildschirm ausnutzen. iPhone-Apps machen leider keinen Sinn auf dem iPad, da sie nur einen kleinen Bereich des Displays ausfüllen und zudem grobpixelig wirken.

Sehr ärgerlich ist die Tatsache, dass sich viele Entwickler die iPhone- und iPad-Version ihrer Apps doppelt bezahlen lassen und schon aus Prinzip keine Universal-Apps anbieten, die auf allen iOS-Geräten laufen. Die beiden größten Entwicklerschmieden im App Store, an denen man leider nicht vorbeikommt, handhaben das so. Die Rede ist von EA und Gameloft. Erfreulicherweise sind nicht alle Publisher so gierig. Meine derzeitige Bilanz: 38 Universal-Apps, 30 reine iPad-Apps. Die beste Strategie um Kosten zu sparen lautet daher: Geduldig auf gelegentliche Preisreduzierungen warten und das Gerät erst nach und nach mit Programmen füllen.

Kommt man vom Retina-Display des iPhones, fällt einem der deutlich gröbere Bildschirm schon auf. Nichtsdestotrotz kann ich mir kein besseres Lese- und Surfgerät als das iPad vorstellen, höchstens ein iPad mit geringerem Gewicht. Dass Flash fehlt, hat auch seine Vorteile. Nervös blinkende Bannerwerbung sieht man eher selten und auch plötzlich trötende Reklame gibt es nicht. Dies resultiert auch in einer enormen Akkulaufzeit von 10 Stunden, die man durchaus erreicht.
Besonders begeistert bin ich von der iPad-Umsetzung des SPIEGEL. Einzelne Artikel sind mit Videos versehen, das Layout ist perfekt an den Bildschirm angepasst, Infografiken sind teils interaktiv gestaltet. Bilder füllen das gesamte Display aus wenn man darauf klickt und lassen sich neuerdings zoomen. Das alles kann die Printausgabe nicht leisten.

Videos auf Spiegel Online funktionieren seit längerem auch schon ohne Flash. Sogar die ZDF-Mediathek ist inzwischen auf iPhone und iPad nutzbar. Dass Flash fehlt, ist also nicht mehr ganz so ärgerlich wie noch vor ein paar Monaten. Allerdings habe ich auf dem Galaxy Tab erlebt, dass Flash auf Mobiles bisher nicht zu gebrauchen ist. Selbst Flash-Videos liefen nur ruckelnd, Flash-Games waren sogar völlig unbrauchbar. Bleiben also nur zwei Anwendungsgebiete für Flash auf Mobiles: Werbung und Klickibunti-Websites. Von beidem bin ich kein besonders großer Fan. Nichtsdestotrotz ist das Web ohne Flash natürlich nicht vollständig. Hier braucht es noch etwas Zeit bis die mobile Hardware leistungsfähig genug ist. Problematischer ist aber dass Flash nicht für Touchscreens geeignet ist. Dieses Problem dürfte sich in den nächsten Jahren nicht lösen lassen. Ein Umstand mit dem sich auch Android-Nutzer abfinden werden müssen.

Apple preist das iPad gerne auch als Office-Maschine an. Mit Pages, Numbers und Keynote, hat der Konzern bereits erste Büro-Apps auf den Markt geworfen. Die komplette iWork-Suite kostet 24 Euro. Kein Schnäppchen also. Obwohl die Programme schon seit ein paar Monaten erhältlich sind, stecken sie voller Fehler. Will man MS-Office-Dateien importieren, fehlen ganze Bestandteile des Dokuments. Zudem verschieben sich Absätze, Schriften und Bilder. Zum Bearbeiten von MS-Office-Dateien ist die iWork-Suite schlicht unbrauchbar. Um am iPad neue Dateien zu erstellen, kann man die Apps durchaus nutzen. Die Bedienung ist kinderleicht. Am besten gelungen ist Keynote. Das iPad kann sogar für die Präsentation genutzt und an einen Beamer angeschlossen werden. Es soll dann die aktuelle und nächste Folie samt Notizen anzeigen. (noch nicht getestet)
Alternative Office-Apps machen leider auch keine bessere Figur. Als PC- oder Notebook-Ersatz, taugt das iPad also noch lange nicht.

Brettspiele wie Scrabble, Spiel des Lebens, Risiko oder Monopoly, machen das iPad auch für Familien interessant. Die Umsetzungen der Klassiker können sich durchaus sehen lassen und kosten mit einem Preis von 5-8 Euro nur einen Bruchteil der analogen Version. Das iPad ist also auch eine nette Unterhaltungsmaschine. Natürlich machen auch Spiele mit mehr Action, wie z. B. Need for Speed, eine gute Figur auf dem iPad.


Minuspunkte:
-nur 256 RAM und daher gelegentliche Ruckler und Programmabstürze
-Folgekosten auch für iPhone/iPod touch-Besitzer durch Doppelkäufe von Apps
-generell durchschnittlich höhere Kosten für Apps als auf iPhone/iPod touch
-schwer (man muss es bei längerem Lesen abstützen, ideal sind hier iPad-Cases die sich aufbocken lassen)
-eine iPad-Hülle zum Aufbocken ist Pflicht und kostet nochmals gut 40 Euro
-kein Flash

Pluspunkte:
-ideal zum Surfen im Web
-ideales Lesegerät für interaktive Magazine und Zeitungen
-auch zum Lesen von Büchern noch gut geeignet
-Akkulaufzeit (10 h)
-blickwinkelstabiles IPS-Display
-Homescreen rotiert mit
-guter Lautsprecher
-kein Flash (ja, kann man auch als Vorteil werten, siehe Text)
-auch als digitaler Bilderrahmen zu gebrauchen (Slideshow-Funktion im Standby-Modus möglich)
-breites Angebot hochwertiger Programme und Spiele
 
Den Minuspunkten sollte man m.E. noch hinzufügen:
- Display spiegelt massiv
- nur ein Benutzer anlegbar (Katastrophe für die Mailverwaltung)
- keine Werbeblocker für Safari verfügbar (oder?)

Und den Pluspunkten:
- erstaunlich guter Lautsprecher steht da schon
- verhältnismäßig benutzbare Touchscreen-Tastatur

Bei meinen Eltern spiele ich gelegentlich mit deren iPad, und mehr als ein Spielzeug ist es meinem Empfinden nach auch nicht. Im Wintergarten kann man beim ersten Lichteinfall nichts mehr vernünftig sehen, die Fensterverwaltung ist unbequem, fehlendes Flash ist einfach doof, für den Safari kann man anscheinend (bzw. kann ich, vllt gehts irgendwie) keine AdBlock-Plugins installieren (was auf einem primär fürs Surfen gemachten Tool eigentlich Pflicht wäre)...
 
elarei' schrieb:
für den Safari kann man anscheinend (bzw. kann ich, vllt gehts irgendwie) keine AdBlock-Plugins installieren (was auf einem primär fürs Surfen gemachten Tool eigentlich Pflicht wäre)...

Geht schon, aber nur mit Jailbreak und kostet dazu noch Geld. Generell bin ich von Cydia schon lange nicht mehr begeistert, da fast alles, was irgendwie toll ist, nur kostenpflichtig angeboten wird :(
 
@elarei:
Das Display spiegelt auf Grund der Glasoberfläche natürlich, allerdings ist mir dies bis jetzt noch nicht aufgefallen, da ich das Gerät nur in der Wohnung benutze und es im Winter natürlich auch nicht besonders hell draußen ist. Sicherlich ein Punkt der nicht unwichtig ist.

Der Ruf nach einer Benutzerverwaltung ertönt ja schon länger. Ich denke da wird sich nächstes Jahr etwas tun.

Der beste Werbeblocker ist die Abwesenheit von Flash. :) Mit Plugins kann Mobile Safari aber nicht umgehen, stimmt. Vielleicht gibt es da was für Jailbreaker?

@Mornsgrans:
Bedankt :)

@Myon:
Logisch dass gute Arbeit auch entlohnt werden sollte. Der Jailbreak wurde doch nicht ins Leben gerufen um Schwarzkopierern das Leben zu erleichtern, sondern um Apples Beschränkungen zu entfernen.
 
T42p' schrieb:
Logisch dass gute Arbeit auch entlohnt werden sollte. Der Jailbreak wurde doch nicht ins Leben gerufen um Schwarzkopierern das Leben zu erleichtern, sondern um Apples Beschränkungen zu entfernen.

+1
 
T42p' schrieb:
Logisch dass gute Arbeit auch entlohnt werden sollte. Der Jailbreak wurde doch nicht ins Leben gerufen um Schwarzkopierern das Leben zu erleichtern, sondern um Apples Beschränkungen zu entfernen.
Du hast meine Aussage offenbar völlig falsch interpretiert, denn wie du auf Schwarzkopierer kommst, ist mir irgendwie nicht klar... :blink:
Was ich eigentlich sagen wollte, ist dass die Grundstimmung in der JB-Community eine andere ist, als z.B. bei Android-Rootern oder WinMo-Tweakern. Letztere geben die Ergebnisse ihrer Arbeit (neue Funktionen, Tweaks, Umgehung von Beschränkungen usw.) meist kostenlos weiter, erstere verlangen dafür Geld. Welche Haltung mir lieber ist, hab ich ja bereits erwähnt. Das liegt in erster Linie daran, dass ich selbst schon bei einigen solchen Projekten mitgemacht habe und gerne die Ergebnisse meiner guten Arbeit weitergebe. Das ist keine Aufforderung zu irgenwas, sondern nur eine persönliche Haltung, die übrigens viele Menschen auf der Welt teilen, denn sonst gäbe es ja z.B. OpenSource gar nicht.
 
Nicht jeder programmiert zum Spaß. Einige Leute müssen davon leben. So kommt es, dass auch kostenlose Apps Geld einspielen müssen (nicht alle, aber viele). Das tun sie über Werbung und die Weitergabe von Nutzerdaten. Da zahle ich lieber.
 
Schöner Bereicht, aber eben sehr einsichtig/einseitig, wie schon beim Galaxy Tab.

Trotzdem gerne gelesen ;)

Meiner Meinung nach gehört übrigens Flash sowieso verboten.
 
Schönes Review :)
Aber warum kein Flash ein Minuspunkt sein soll, verstehe ich garnicht^^
 
T42p' schrieb:
Nicht jeder programmiert zum Spaß. Einige Leute müssen davon leben. So kommt es, dass auch kostenlose Apps Geld einspielen müssen (nicht alle, aber viele). Das tun sie über Werbung und die Weitergabe von Nutzerdaten. Da zahle ich lieber.
Es geht aber gar nicht um Apps aus dem Appstore, sondern um Tweaks, die man z.B. in Cydia findet. Dass die Zuweisung der Funktion A der Taste B dann gleich 1,99$ kostet, finde ich irgendwie seltsam. Naja, muss jeder selbst wissen.
 
T42p' schrieb:
...dass Flash auf Mobiles bisher nicht zu gebrauchen ist. Selbst Flash-Videos liefen nur ruckelnd, Flash-Games waren sogar völlig unbrauchbar. Bleiben also nur zwei Anwendungsgebiete für Flash auf Mobiles: Werbung und Klickibunti-Websites.

Das kann ich so nicht bestätigen. Auf meinem HTC Desire mit Android 2.2 laufen sowohl Flash-Videos als auch Spielchen brauchbar. Klar, es ist immer noch Flash und damit nicht das ressourcenschonende und stabilste am Markt, aber für unbrauchbar würde ich es nicht bezeichnen.
 
@Evilandi666:

Was genau fandest Du denn zu einseitig?

@ConiKost:

Und ebenso ein Pluspunkt :)

@Myon:

Wenn es so einfach ist wie Du sagst, warum tweakst Du dann nicht selbst? Klar, das ist jetzt provokant formuliert, aber ich denke nicht, dass das Freischalten von Funktionen so ein Kinderspiel ist. Und natürlich gibt es in Cydia viel mehr als nur Tweaks.

@Cunni:

Ich kann nur für das Galaxy Tab sprechen, dort liefen Flash-Videos nicht mit 25 Frames, vielleicht mit 20 oder noch weniger. Ich spiele ab und an bei Gametwist.de ein sehr einfach gestaltetes Doppelkopf, aber das hat auf dem Galaxy Tab kaum funktioniert, es sprang immer die Tastatur auf und war unspielbar.
 
Schöner Bericht:-)

Wir haben inzwischen ZweiPad, weil ich nicht das iPad meiner Frau mitbenutzen, sondern mein persönliches RayPad haben wollte.
Hier kommt die fehlende (bzw. nicht an den Desktop geführte) Benutzerverwaltung zum tragen.
Andererseits kann so (jeder sein eigenes iPad) jeder damit daddeln, ohne auf den Anderen warten zu müssen;-)

Die ersten Anschaffungen zum RayPad waren eine non-glare Displayfolie, sowie ein Twelve South Compass iPad Stand,
beides sehr empfehlenswerte Zubehörteile.

Seit iOS 4.xx gibt es Desktopordner zur Gruppierung der Icons.
Damit lassen sich sehr aufgeräumte Desktops erzeugen,
indem man die weniger häufig verwendeten Icons in Ordner verschiebt.
 
T42p' schrieb:
@Evilandi666:

Was genau fandest Du denn zu einseitig?

Ich weiß nicht, ich finde es fehlen eben doch so manche Nachteile des iPads (Gebundenheit an iTunes -> man kann es mal nicht kurz als Wechseldatenträger nehmen, Tethering (oder kann es das per Wlan auch neuerdings?), usw.) die doch nicht unerheblich sind und die einen in der Praxis doch stören wenn man es anders gewohnt ist, finde ich.

Oder das man keine Widgets auf den Homescreen legen kann -> Mega-Nachteil.

Klar sind das viele iOS-general Sachen, aber das gehört ja trotzdem dazu und nervt ja genauso, um mal ein paar Beispiele genannt zu haben.

Es sind eben deine Erfahrungen - es wunder eben, beim Galaxy Tab hast du doch einige Kleinigkeiten kritisiert und sowas lässt du dann durchgehen bzw. akzeptierst es. Das finde ich eben irgendwie einseitig.

Aber es sind deine (Praxis-)Erfahrungen und das ist ja auch okay so. ;)
 
naja andi, du musst aber auch sehen, dass das Punkte sind die einem von vorn herein klar waren. Ich mein du kritisierst doch auch nicht ein TN-Panel dafür, dass du damit keine Farben bearbeiten kannst, wenn du vorher schon wusstest, dass TN dafür nicht geeignet ist. Anders gesag:

Die Nachteile die du hier aufzählst sind Nachteile die man zu ignorieren bereit sein muss wenn man sich ein IPad kauft.
 
Ist natürlich richtig, wenn man iOS täglich nutzt, passt man seine Arbeitsweise an die eine oder andere Widrigkeit an. Während ich Widgets noch nie vermisst habe (bei Windows nutzt sie ja auch keiner, oder doch?), umgehe ich das Tethering-Problem indem ich mir die 3G-Version des iPads geholt habe. Man sollte auch nicht vergessen, dass nicht jeder tethern DARF, hier spucken die Netzbetreiber einem in die Suppe, egal welches Gerät man benutzt. Das sind so Feinheiten die sehr nutzerspezifisch sind und mir persönlich nicht mehr ins Auge fallen.
Dass die iOS-Plattform geschlossen ist, ist klar. Wer das nicht möchte muss jailbreaken oder sich nach einem anderen Gerät umsehen. Es sollte ja auch kein Android/iOS-Vergleich werden, sondern ein Erfahrungsbericht aus der Praxis (siehe Überschrift ;)).
 
@Aviator Das ist doch aber das gleiche bei Flash und Android ..

Das weiß man vorher das Flash ne Krücke ist ;)

@T42p ich meinte Tethering andersrum. Android kann ab 2.2 ootb (oder können das nur HTC Geräte ab 2.2?) per Wlan sein UMTS freigeben was finde ich manchmal sehr nice ist. Das Galaxy Tab sollte sowas können (eigentlich..aber naja Samsung halt.).

Aber wie gesagt, das sollte keine Android/iOS Diskussion werden, geschweige denn eine große Diskussion, ich empfang das einfach nur so, das war jetzt nicht objektive und wissenschaftlich fundierte Kritik ;)

Im Endeffekt ist es eh ne Gewohnheitsfrage/Erfahrungsfrage, ob einen etwas nervt oder nicht :attention:
 
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