Gibt es hier: http://www.amazon.de/Steve-Jobs-Los...ef=sr_1_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1353960981&sr=1-1
Die DVD ist in englischer und deutscher Sprache und mit deutschen Untertiteln.
***
Intro: Ich bin Robert X. Cringely. Als ich vor 16 Jahren meine Fernsehserie "Triumph of the Nerds" machte, interviewte ich Steve Jobs, das war 1995. Zehn Jahre vorher verließ Steve Apple nach einem verletzenden Gefecht mit John Sculley, dem CEO, den er vorher in die Firma geholt hatte.

Zur Zeit des Interviews leitete Steve NeXT, die Nischen-Computerfirma, die er nach Apple gegründet hatte. Keiner ahnte, dass er 18 Monate später NeXT an Apple verkaufen und weitere sechs Monate später den Laden wieder leiten würde. Für die Fernsehserie "Triumph of the Nerds" verwendeten wir nur einen kleinen Teil des Interviews. Jahrelang glaubten wir das Interview für immer verloren, denn das Master-Tape verschwand, als es in den 90ern von London nach New York geschickt wurde.
Doch vor wenigen Tagen fand Regisseur Paul Sen eine VHS-Kopie des Interviews in seiner Garage. Es gibt nur wenige TV-Interviews mit Steve Jobs und fast keine guten. Selten zeigen sie das Charisma, die Aufrichtigkeit und den Weitblick, den dieses Interview offenbart. Zu Ehren eines erstaunlichen Mannes ist hier das Interview in voller Länge. Der größte Teil davon ist noch nie vorher zu sehen gewesen.
Wie kamen Sie dazu, mit Personal Computern zu arbeiten?

Hm, na ja ... Dem ersten Computer begegnete ich als ich 10 oder 11 war. Heute ist es schwer, sich das vorzustellen, inzwischen bin ich ja ein Fossil. 10 oder 11 war ich vor etwa 30 Jahren, niemand hatte je einen Computer gesehen. Sie kannten sie höchstens aus Filmen, als große Boxen, die surrten. Irgendwie waren die Bandlaufwerke zur Ikone des Computers geworden, oder die blinkenden Lichter. Niemand hatte je einen gesehen, es waren mysteriöse, mächtige Geräte, die irgendetwas im Geheimen erledigten. Einen zu sehen und auch zu benutzen, war damals ein echtes Privileg. Ich kam ins NASA Ames Research Center und durfte ein Time-Sharing-Terminal benutzen. Den Computer bekam ich nicht zu sehen, aber das Terminal. Es ist schwer vorstellbar, wie primitiv es war. So was wie einen Computer mit grafischem Video-Display gab es nicht. Es war eigentlich ein Drucker, ein Fernschreiber mit Tastatur. Man tippte Steuerungsbefehle ein, dann wartete man ab und dann machte das Ding rattatttattat ...und spuckte Informationen aus. Aber trotzdem war es beeindruckend, besonders für einen Zehnjährigen, dass man ein Programm in BASIC schreiben konnte oder in FORTRAN und diese Maschine tatsächlich deine Idee aufgriff und ... deine Idee ausführte und dir Ergebnisse lieferte! Und wenn sie so waren wie erwartet und das Programm funktionierte, war das eine unglaubliche Erfahrung. Ich war ... ganz gefesselt von Computern! Computer waren immer noch mysteriös, sie hingen am anderen Ende des Kabels.
Den eigentlichen Computer sah ich nie, dann zeigte ihn mir jemand von innen und ich wurde Teil einer Gruppe bei HewlettPackard. Als ich zwölf war, rief ich Bill Hewlett an, der damals in Hewlett Packard lebte. Auch wenn ich jetzt alt erscheine, damals stand jede Nummer im Telefonbuch. Also suchte ich einfach seinen Namen raus. Er ging ans Telefon und ich sagte: "Hi! Ich bin Steve Jobs, Sie kennen mich nicht, ich bin zwölf Jahre alt und baue einen Frequenzzähler und hätte gerne ein paar Teile."
Er redete 20 Minuten mit mir, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Er gab mir die Teile und dazu einen Ferienjob bei Hewlett Packard, zwölf war ich damals. Und das hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt! Hewlett Packard war die einzige Firma, die ich in meinem Leben bis dahin gesehen hatte. Das prägte meine Vorstellung davon, was eine Firma ist und wie gut sie ihre Angestellten behandelten. Damals ... war Cholesterin ein Fremdwort, aber jeden Morgen um zehn brachten sie einen Wagen mit Donuts und Kaffee, und man machte eine Kaffeepause und solche kleinen Dinge. Es war klar, dass die Firma ... anerkannte, dass ihr wahrer Wert die Angestellten waren. Jedenfalls fügte sich eins zum anderen mit Hewlett Packard, und ich fing an, jeden Dienstagabend in ihr Palo-Alto-Forschungszentrum zu gehen, mit ein paar Leuten, um die Wissenschaftler zu treffen. Ich sah den ersten Desktop Computer, der je gemacht wurde: Der Hewlett Packard 9100. Er war etwa so groß wie ein Koffer und hatte einen kleinen Kathodenstrahl-Röhren-Bildschirm und war komplett autonom, es verschwand kein Draht hinterm Vorhang. Und ich verliebte mich in ihn! Man konnte ihn mit BASIC und APL programmieren. Ich habe stundenlang ... Ich ließ mich zu Hewlett Packard mitnehmen, hing an der Maschine herum und schrieb Programme dafür. So fing alles an.
Etwa um diese Zeit habe ich auch Steve Wozniak getroffen. Vielleicht etwas früher, als ich 14 oder 15 war. Und wir verstanden uns auf Anhieb. Er war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich. Ich mochte ihn sehr, er war ungefähr fünf Jahre älter als ich. Er war wegen ein paar Streichen von der Uni geflogen. Er lebte bei seinen Eltern und besuchte das örtliche De Anza College. Wir wurden schnell Freunde und machten gemeinsame Projekte. Wir lasen ... wir lasen eine Geschichte im Esquire Magazine, über einen Typen, namens Captain Crunch, der angeblich umsonst telefonierte. Sie kennen die Geschichte sicher! Und mal wieder waren wir total gefesselt.
Wie war das möglich? Wir waren uns sicher, es sei eine Ente! Wir durchforsteten die Bibliotheken, auf der Suche nach den geheimen Tönen, die das möglich machten. Eines Abends waren wir im Stanford Linear Accelerator Center, und irgendwo in den Tiefen ihrer technischen Bibliothek, im allerletzten Regal, im hintersten, untersten Fach, fanden wir ein technisches AT&T-Fachblatt, das alles offenlegte. Auch das vergesse ich nie! Wir sahen es und dachten: "Mein Gott! Es ist alles wahr!"
Wir machten uns daran, etwas zu bauen, was die Töne erzeugen konnte. Es funktionierte folgendermaßen: Wenn man ein Ferngespräch führte, hörte man immer ... im Hintergrund tütatütüt, ähnlich den Tastentönen auf dem Telefon, nur in einer anderen Frequenz. Sie stellten sich als das Signal zwischen den Telefoncomputern heraus, die das Netzwerk steuerten. AT&T unterlief ein entscheidender Fehler beim Design des digitalen Netzwerks: Sie legten die Signale zwischen den Computern in den gleichen Frequenzbereich wie die Stimme! Man konnte also die Signale theoretisch durch den Hörer eingeben. Und das gesamte internationale AT&T-Telefonnetzwerk würde es einen für einen tonerzeugenden AT&T-Computer halten! Nach drei Wochen hatten wir endlich eine Box gebaut, die funktionierte. Ich erinnere mich an den ersten Anruf, den wir machten, runter nach Los Angeles, ein Verwandter von Woz in Pasadena, aber wir verwählten uns. Mitten in der Nacht weckten wir jemanden und schrien "Verstehen Sie nicht? Wir haben kostenlos angerufen!" Er war nicht sonderlich beeindruckt, aber es war wie ein Wunder. Und wir bauten die kleinen Boxen, Blue-Boxing nannte man das. Unten rein legten wir einen Zettel mit unserem Logo: "Sie hält die ganze Welt in ihrer Hand." Sie funktionierten, wir bauten die weltbesten Blue-Boxen, komplett digital, man musste nichts einstellen! Man konnte in eine Telefonzelle gehen, per Ferngespräch nach White Planes, dann per Satellit nach Europa, in die Türkei und dann per Kabel zurück nach Atlanta. Man konnte fünf oder sechs Mal um die Welt kommen ... wir wussten die Codes, um auf die Satelliten zu kommen ... und man konnte die Telefonzelle daneben anrufen und in den Hörer schreien: Nach einer Minute hörte man es aus dem anderen Telefon, wie ein Wunder!
Man könnte fragen: Was ist daran so interessant? Interessant daran ist, dass wir jung waren und wir dabei gelernt haben, dass wir etwas bauen können, wir selbst, was weltweit Infrastrukturen im Wert von Milliarden Dollar kontrollieren kann! Das haben wir gelernt, dass wir zwei ... die wir nicht viel wussten, etwas Kleines bauen konnten, was etwas Gigantisches kontrollieren konnte! Das war eine unglaubliche Lektion! Es hätte wohl nie einen Apple Computer gegeben ohne das Blue-Boxing!
Woz sagt, Sie hätten den Papst angerufen?
Ja, das stimmt.
Er gab sich als Henry Kissinger aus?
Wir riefen im Vatikan an, und sie weckten der Hierarchie nach Leute auf, Kardinäle und so weiter. Sie schickten echt jemanden, um den Papst aufzuwecken. Als wir dann in Gelächter ausbrachen, merkten sie, dass es nicht Kissinger ist. Also sprachen wir nicht mit dem Papst, aber es war sehr lustig!
Was hat den Schritt von der Blue-Box hin zum Personal Computer ausgelöst?
Die Notwendigkeit: Es gab damals Time-Sharing-Computer, und in Mountain View gab es eine Firma, die uns freie Zeit gab. Aber wir brauchten ein Terminal! Wir konnten uns keines leisten, also bauten wir uns eins. Das war das Erste, was wir machten, wir bauten ein Terminal. Der Apple I war also in Wirklichkeit eine Erweiterung dieses Terminals mit einem Mikroprozessor hinten dran, es war die Verknüpfung zweier verschiedener Projekte. Als Erstes bauten wir das Terminal und dann den Apple I. Wir haben ihn wirklich für uns selbst gebaut, weil wir uns nicht leisten konnten, etwas zu kaufen. Wir ergatterten hier und da Teile und bauten alles von Hand. Es dauerte 40-80 Stunden, und sie gingen ständig kaputt, wegen der dünnen Drähte. Schließlich wollten viele unserer Freunde auch welche bauen! Und obwohl auch sie die meisten Teile abstauben konnten, fehlten ihnen die Fähigkeiten, die wir durchs Selberbauen erworben hatten! Also halfen wir letztendlich, die meisten zu bauen, und das kostete all unsere Zeit. Wir überlegten: Wenn wir eine Leiterplatte entwerfen könnten, eine kupferbeschichtete Glasfaserplatte, in die die Drähte eingekratzt sind, dann könnte man einen Apple I in ein paar Stunden bauen, statt in 40. Wenn wir das hätten, könnten wir es allen Freunden zum Selbstkostenpreis verkaufen und unser Geld wieder reinholen. Alle wären zufrieden, und wir hätten unser Leben zurück. Also haben wir das gemacht: Ich verkaufte meinen VW-Bus, Steve verkaufte seine Rechenmaschine, und wir konnten einen Freund bezahlen, der die Leiterplatte entwarf. Wir stellten sie her und verkauften ein paar an unsere Freunde und ich versuchte, den Rest zu verkaufen, um unseren VW-Bus und die Rechenmaschine auszulösen. Also betrat ich den ersten Computerladen der Welt, den Byte Shop in Mountain View, soviel ich weiß, auf dem El Camino Way. Ein paar Jahre später hatte er sich in einen Buchladen ab 18 verwandelt, aber damals war es der Byte Shop.
Und der Betreiber, ich glaube, er hieß Paul Terrell, sagte: "Weißt du was, ich nehme 50 Stück davon..."
"Großartig!"
-" ... aber ich will sie komplett montiert!"
Darüber hatten wir nie nachgedacht; wir diskutierten etwas und dachten: "Warum eigentlich nicht? Versuchen wir's!"
Daraufhin telefonierte ich tagelang mit Elektroteile-Lieferanten, das war uns alles neu.
...
usw.
Die DVD ist in englischer und deutscher Sprache und mit deutschen Untertiteln.
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Intro: Ich bin Robert X. Cringely. Als ich vor 16 Jahren meine Fernsehserie "Triumph of the Nerds" machte, interviewte ich Steve Jobs, das war 1995. Zehn Jahre vorher verließ Steve Apple nach einem verletzenden Gefecht mit John Sculley, dem CEO, den er vorher in die Firma geholt hatte.

Zur Zeit des Interviews leitete Steve NeXT, die Nischen-Computerfirma, die er nach Apple gegründet hatte. Keiner ahnte, dass er 18 Monate später NeXT an Apple verkaufen und weitere sechs Monate später den Laden wieder leiten würde. Für die Fernsehserie "Triumph of the Nerds" verwendeten wir nur einen kleinen Teil des Interviews. Jahrelang glaubten wir das Interview für immer verloren, denn das Master-Tape verschwand, als es in den 90ern von London nach New York geschickt wurde.
Doch vor wenigen Tagen fand Regisseur Paul Sen eine VHS-Kopie des Interviews in seiner Garage. Es gibt nur wenige TV-Interviews mit Steve Jobs und fast keine guten. Selten zeigen sie das Charisma, die Aufrichtigkeit und den Weitblick, den dieses Interview offenbart. Zu Ehren eines erstaunlichen Mannes ist hier das Interview in voller Länge. Der größte Teil davon ist noch nie vorher zu sehen gewesen.
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Wie kamen Sie dazu, mit Personal Computern zu arbeiten?

Hm, na ja ... Dem ersten Computer begegnete ich als ich 10 oder 11 war. Heute ist es schwer, sich das vorzustellen, inzwischen bin ich ja ein Fossil. 10 oder 11 war ich vor etwa 30 Jahren, niemand hatte je einen Computer gesehen. Sie kannten sie höchstens aus Filmen, als große Boxen, die surrten. Irgendwie waren die Bandlaufwerke zur Ikone des Computers geworden, oder die blinkenden Lichter. Niemand hatte je einen gesehen, es waren mysteriöse, mächtige Geräte, die irgendetwas im Geheimen erledigten. Einen zu sehen und auch zu benutzen, war damals ein echtes Privileg. Ich kam ins NASA Ames Research Center und durfte ein Time-Sharing-Terminal benutzen. Den Computer bekam ich nicht zu sehen, aber das Terminal. Es ist schwer vorstellbar, wie primitiv es war. So was wie einen Computer mit grafischem Video-Display gab es nicht. Es war eigentlich ein Drucker, ein Fernschreiber mit Tastatur. Man tippte Steuerungsbefehle ein, dann wartete man ab und dann machte das Ding rattatttattat ...und spuckte Informationen aus. Aber trotzdem war es beeindruckend, besonders für einen Zehnjährigen, dass man ein Programm in BASIC schreiben konnte oder in FORTRAN und diese Maschine tatsächlich deine Idee aufgriff und ... deine Idee ausführte und dir Ergebnisse lieferte! Und wenn sie so waren wie erwartet und das Programm funktionierte, war das eine unglaubliche Erfahrung. Ich war ... ganz gefesselt von Computern! Computer waren immer noch mysteriös, sie hingen am anderen Ende des Kabels.
Den eigentlichen Computer sah ich nie, dann zeigte ihn mir jemand von innen und ich wurde Teil einer Gruppe bei HewlettPackard. Als ich zwölf war, rief ich Bill Hewlett an, der damals in Hewlett Packard lebte. Auch wenn ich jetzt alt erscheine, damals stand jede Nummer im Telefonbuch. Also suchte ich einfach seinen Namen raus. Er ging ans Telefon und ich sagte: "Hi! Ich bin Steve Jobs, Sie kennen mich nicht, ich bin zwölf Jahre alt und baue einen Frequenzzähler und hätte gerne ein paar Teile."
Er redete 20 Minuten mit mir, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Er gab mir die Teile und dazu einen Ferienjob bei Hewlett Packard, zwölf war ich damals. Und das hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt! Hewlett Packard war die einzige Firma, die ich in meinem Leben bis dahin gesehen hatte. Das prägte meine Vorstellung davon, was eine Firma ist und wie gut sie ihre Angestellten behandelten. Damals ... war Cholesterin ein Fremdwort, aber jeden Morgen um zehn brachten sie einen Wagen mit Donuts und Kaffee, und man machte eine Kaffeepause und solche kleinen Dinge. Es war klar, dass die Firma ... anerkannte, dass ihr wahrer Wert die Angestellten waren. Jedenfalls fügte sich eins zum anderen mit Hewlett Packard, und ich fing an, jeden Dienstagabend in ihr Palo-Alto-Forschungszentrum zu gehen, mit ein paar Leuten, um die Wissenschaftler zu treffen. Ich sah den ersten Desktop Computer, der je gemacht wurde: Der Hewlett Packard 9100. Er war etwa so groß wie ein Koffer und hatte einen kleinen Kathodenstrahl-Röhren-Bildschirm und war komplett autonom, es verschwand kein Draht hinterm Vorhang. Und ich verliebte mich in ihn! Man konnte ihn mit BASIC und APL programmieren. Ich habe stundenlang ... Ich ließ mich zu Hewlett Packard mitnehmen, hing an der Maschine herum und schrieb Programme dafür. So fing alles an.
Etwa um diese Zeit habe ich auch Steve Wozniak getroffen. Vielleicht etwas früher, als ich 14 oder 15 war. Und wir verstanden uns auf Anhieb. Er war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich. Ich mochte ihn sehr, er war ungefähr fünf Jahre älter als ich. Er war wegen ein paar Streichen von der Uni geflogen. Er lebte bei seinen Eltern und besuchte das örtliche De Anza College. Wir wurden schnell Freunde und machten gemeinsame Projekte. Wir lasen ... wir lasen eine Geschichte im Esquire Magazine, über einen Typen, namens Captain Crunch, der angeblich umsonst telefonierte. Sie kennen die Geschichte sicher! Und mal wieder waren wir total gefesselt.
Wie war das möglich? Wir waren uns sicher, es sei eine Ente! Wir durchforsteten die Bibliotheken, auf der Suche nach den geheimen Tönen, die das möglich machten. Eines Abends waren wir im Stanford Linear Accelerator Center, und irgendwo in den Tiefen ihrer technischen Bibliothek, im allerletzten Regal, im hintersten, untersten Fach, fanden wir ein technisches AT&T-Fachblatt, das alles offenlegte. Auch das vergesse ich nie! Wir sahen es und dachten: "Mein Gott! Es ist alles wahr!"
Wir machten uns daran, etwas zu bauen, was die Töne erzeugen konnte. Es funktionierte folgendermaßen: Wenn man ein Ferngespräch führte, hörte man immer ... im Hintergrund tütatütüt, ähnlich den Tastentönen auf dem Telefon, nur in einer anderen Frequenz. Sie stellten sich als das Signal zwischen den Telefoncomputern heraus, die das Netzwerk steuerten. AT&T unterlief ein entscheidender Fehler beim Design des digitalen Netzwerks: Sie legten die Signale zwischen den Computern in den gleichen Frequenzbereich wie die Stimme! Man konnte also die Signale theoretisch durch den Hörer eingeben. Und das gesamte internationale AT&T-Telefonnetzwerk würde es einen für einen tonerzeugenden AT&T-Computer halten! Nach drei Wochen hatten wir endlich eine Box gebaut, die funktionierte. Ich erinnere mich an den ersten Anruf, den wir machten, runter nach Los Angeles, ein Verwandter von Woz in Pasadena, aber wir verwählten uns. Mitten in der Nacht weckten wir jemanden und schrien "Verstehen Sie nicht? Wir haben kostenlos angerufen!" Er war nicht sonderlich beeindruckt, aber es war wie ein Wunder. Und wir bauten die kleinen Boxen, Blue-Boxing nannte man das. Unten rein legten wir einen Zettel mit unserem Logo: "Sie hält die ganze Welt in ihrer Hand." Sie funktionierten, wir bauten die weltbesten Blue-Boxen, komplett digital, man musste nichts einstellen! Man konnte in eine Telefonzelle gehen, per Ferngespräch nach White Planes, dann per Satellit nach Europa, in die Türkei und dann per Kabel zurück nach Atlanta. Man konnte fünf oder sechs Mal um die Welt kommen ... wir wussten die Codes, um auf die Satelliten zu kommen ... und man konnte die Telefonzelle daneben anrufen und in den Hörer schreien: Nach einer Minute hörte man es aus dem anderen Telefon, wie ein Wunder!
Man könnte fragen: Was ist daran so interessant? Interessant daran ist, dass wir jung waren und wir dabei gelernt haben, dass wir etwas bauen können, wir selbst, was weltweit Infrastrukturen im Wert von Milliarden Dollar kontrollieren kann! Das haben wir gelernt, dass wir zwei ... die wir nicht viel wussten, etwas Kleines bauen konnten, was etwas Gigantisches kontrollieren konnte! Das war eine unglaubliche Lektion! Es hätte wohl nie einen Apple Computer gegeben ohne das Blue-Boxing!
Woz sagt, Sie hätten den Papst angerufen?
Ja, das stimmt.
Er gab sich als Henry Kissinger aus?
Wir riefen im Vatikan an, und sie weckten der Hierarchie nach Leute auf, Kardinäle und so weiter. Sie schickten echt jemanden, um den Papst aufzuwecken. Als wir dann in Gelächter ausbrachen, merkten sie, dass es nicht Kissinger ist. Also sprachen wir nicht mit dem Papst, aber es war sehr lustig!
Was hat den Schritt von der Blue-Box hin zum Personal Computer ausgelöst?
Die Notwendigkeit: Es gab damals Time-Sharing-Computer, und in Mountain View gab es eine Firma, die uns freie Zeit gab. Aber wir brauchten ein Terminal! Wir konnten uns keines leisten, also bauten wir uns eins. Das war das Erste, was wir machten, wir bauten ein Terminal. Der Apple I war also in Wirklichkeit eine Erweiterung dieses Terminals mit einem Mikroprozessor hinten dran, es war die Verknüpfung zweier verschiedener Projekte. Als Erstes bauten wir das Terminal und dann den Apple I. Wir haben ihn wirklich für uns selbst gebaut, weil wir uns nicht leisten konnten, etwas zu kaufen. Wir ergatterten hier und da Teile und bauten alles von Hand. Es dauerte 40-80 Stunden, und sie gingen ständig kaputt, wegen der dünnen Drähte. Schließlich wollten viele unserer Freunde auch welche bauen! Und obwohl auch sie die meisten Teile abstauben konnten, fehlten ihnen die Fähigkeiten, die wir durchs Selberbauen erworben hatten! Also halfen wir letztendlich, die meisten zu bauen, und das kostete all unsere Zeit. Wir überlegten: Wenn wir eine Leiterplatte entwerfen könnten, eine kupferbeschichtete Glasfaserplatte, in die die Drähte eingekratzt sind, dann könnte man einen Apple I in ein paar Stunden bauen, statt in 40. Wenn wir das hätten, könnten wir es allen Freunden zum Selbstkostenpreis verkaufen und unser Geld wieder reinholen. Alle wären zufrieden, und wir hätten unser Leben zurück. Also haben wir das gemacht: Ich verkaufte meinen VW-Bus, Steve verkaufte seine Rechenmaschine, und wir konnten einen Freund bezahlen, der die Leiterplatte entwarf. Wir stellten sie her und verkauften ein paar an unsere Freunde und ich versuchte, den Rest zu verkaufen, um unseren VW-Bus und die Rechenmaschine auszulösen. Also betrat ich den ersten Computerladen der Welt, den Byte Shop in Mountain View, soviel ich weiß, auf dem El Camino Way. Ein paar Jahre später hatte er sich in einen Buchladen ab 18 verwandelt, aber damals war es der Byte Shop.
Und der Betreiber, ich glaube, er hieß Paul Terrell, sagte: "Weißt du was, ich nehme 50 Stück davon..."
"Großartig!"
-" ... aber ich will sie komplett montiert!"
Darüber hatten wir nie nachgedacht; wir diskutierten etwas und dachten: "Warum eigentlich nicht? Versuchen wir's!"
Daraufhin telefonierte ich tagelang mit Elektroteile-Lieferanten, das war uns alles neu.
...
usw.
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