@Hibbelharry:
Danke erst einmal, dass Du so eingehend auf meine Meinung hier eingehst. Nun mag es ja sein, dass ich meinem Ärger über die neuen Geräte hier etwas lauter Luft mache als andere - jedoch bin ich seit nunmehr über 20 Jahren dabei, ehemals als autorisierter IBM-Partner, und der genannte private R500 ist ThinkPad Nr. 16 in dieser Folge, die beim PS/2note N51sx begonnen hat. Somit bin ich also etwas anderes gewohnt als Newcomer, die nichts anderes mehr kennen als die aktuellen Serien. So wie ich es sehe, sind wir im Grunde völlig einer Meinung, was die Verwässerung der Marke durch Mainstream-Ambitionen bei Lenovo angeht. Fakt ist, dass IBM zweimal solche Ambitionen hatte und beide Male extrem fulminant damit gescheitert ist. Das war einmal die Acer-Kooperation, die kommerziell außer mit der 390-er Reihe kein Erfolg war. Zum anderen war das im Desktop-Bereich die Ambra-/ValuePoint-Geschichte. Ambra war sofort ein Reinfall, ValuePoint hat man ebenfalls nach ein paar Baureihen eingestampft. Lenovo versucht es jetzt zum dritten Mal. Der Unterschied ist aber der, dass IBM seinerzeit High-End-Baureihen mit ganz klaren Alleinstellungsmerkmalen hatte (bei der Acer-Koop die 770-er und 600-er, zuvor bei der Ambra-/ValuePoint-Geschichte die PS/2-Panzer und teils PS/1), die den guten Ruf erhalten haben und im Projektgeschäft wie auch Prosumer-Bereich eine feste Größe waren. Lenovo hat nichts. Der W7xx ist mit früheren High-End-Systemen von IBM nicht zu vergleichen. Zwar bietet er ein ganz ausgezeichnetes Display, aber das war es auch schon. Dem Gerät fehlt die technische Ausgewogenheit. Ein Gerät für Profi-Fotografen, die das System morgens von zuhause ins Büro oder die Redaktion transportieren und abends wieder zurück.
Was weiterhin auffällt, ist, dass es seit geraumer Zeit keine echten Innovationen mehr bei Lenovo gibt. IBM hat jedes Jahr massenhaft Patente auf technische Innovationen angemeldet - sei es der Trackpoint, die Shell-Konstruktion, das UltraLight, der UltraPort, bestimmte Verbundwerkstoffe, sogar auf Wärmeleitpads und Schrauben mit Nylonbeschichtung. Es sind auf ThinkPad-Technologien mehr als 2500 Patente angemeldet. Von Lenovo kommt kaum mehr etwas.
Die Argumentation, die Kunden wollten keine Backsteine, kann ich nicht nachvollziehen. Jedes Lenovo-Modell der neuen Baureihen Rxxx, Txxx, Wxxx und Lxxx ist von den Abmessungen her deutlich größer als der A31p, das äußerlich größte jemals von IBM gebaute Modell. Also kann das "Backstein"-Argument nicht stimmen.
Zur Ultrabay: Es dürfen nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Rxxx/Txxx sind erst seit gut zwei Jahren am Markt, der R40 ist in den letzten Varianten im Oktober 2004 ausgelaufen. Dass bei mindestens rund sechs Jahre alten Systemen mehr Defekte auftreten als bei zwei Jahre alten, dürfte nachvollziehbar sein. Ich habe den R40 nur noch in seiner Frühzeit, als 26xx-Modell, verkauft. Allerdings zuvor die vielen Vorgänger mit Ultrabay 2000/Plus. Ich kann mich nicht erinnern, dass an der Ultrabay gehäuft Schäden aufgetreten wären oder Unzulänglichkeiten. Auch heute noch sind bei den alten Modellen die UB-Schächte eigentlich kein Teil, das vermehrt repariert oder getauscht werden müsste. Warten wir also mal ab, wie es bei den neuen Plastebombern in einigen Jahren aussieht.
Bei IBM ist es auch nie vorgekommen, dass man quasi gleich beim Neukauf eines ThinkPads eine zusätzliche Tastatur mitbestellen musste. Bei Lenovo taucht jedoch vermehrt der billigste "Lochkarten"-Dreck in den Geräten auf. Selbst bei den Budget-Linien der e-Reihen bei IBM hat es das nie gegeben.
Es ist von daher sicher interessant, die weitere Entwicklung zu beobachten. Wenn Lenovo ins Mittelmaß abrutscht - wer weiß, vielleicht füllt HP die Lücke?
Gruß
enrico65