Die "legendäre" Thinkpad-Tastatur ist Mist

s12er

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So, ich hoffe, ich habe das Unaussprechliche jetzt einigermaßen elegant rübergebracht. Ja, ich finde, dass die Thinkpad-Tastaturen zu den schlechtesten Laptop-Tastaturen gehören, die ich kenne.

Das alleine wäre ja nicht so wild, aber was ich absolut nicht verstehe, ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Tastaturen so hochgelobt werden. Und zwar immer und von jedem, ob hier im Forum oder in den diversen Testberichten der On- und Offlinecomputerzeitschriften.

Etwas Hintergrund: Ich schreibe enorm viel auf den Tastaturen. Bevor ich das X200s hatte, hatte ich ein Ideapad S12 dabei. Das taugt zwar auch nur zum Schreiben, aber das konnte es gut. Leistung musste aber auch her, darum das X200s. Die gute Tastatur stand von vornherein auf meiner Prioritätenliste und weil ich ja nur Gutes gelesen hatte und die Tastatur auch dann und wann mal kurz ausprobiert hatte, war ich mir relativ sicher, eine gute Wahl zu treffen.

Nun ist es aber so, dass alle "klassischen" Thinkpad-Tastaturen - ich meine also X200/X220/T400 etc. - einen ganz krassen Mangel haben, der offenbar keinem außer mir auffällt oder über den keiner spricht. Es geht um den Tastenanschlag. Ich vermute, dass dieser der Grund ist, warum die Thinkpad-Tastaturen so in die Höhe gelobt werden. Tatsächlich ist im Gegensatz zu anderen Tastaturen eine Art Anschlag zu spüren. Hat man einmal einen gewissen Widerstand überwunden, flutscht die betreffende Taste leichter nach unten und bietet so ein taktiles Feedback. Das haben ganz viele andere Laptoptastaturen definitiv nicht. Dort muss man die Tasten bis auf das Bodenblech knüppeln.

Die Krux an der Sache mit dem Thinkpad-Tastenanschlag ist, dass der überhaupt nicht präzise ist. Das erste Mal ist mir das aufgefallen, nachdem ich mein Thinkpad gekauft hatte. Wenn ich unter Stress schreibe und etwas doller in die Tasten hacke, dann erscheint trotz Überwinden des Druckpunktes kein Buchstabe auf dem Bildschirm. Das passiert bei mir so oft, dass etwa jeder 10. Anschlag verschluckt wird, wenn ich flott schreibe. Ich habe daraufhin eine neue Tastatur gekauft. Originalware. Dort dasselbe Problem. Ich bin in den Laden und habe das reklamiert, aber der Verkäufer wollte von Qualitätsmängeln nichts wissen. Natürlich, das ist so eine Sache, die man so oder so auslegen kann. Er drückt auf die Taste und der Buchstabe erscheint auf dem Bildschirm. Ich hacke - testweise - etwas doller drauf und der Buchstabe erscheint nicht. "Tja, dann drücken Sie halt nicht so doll". Kann jeder sagen, klar. Aber manchmal kommt das eben vor. Und es ist ja eben kein Druckpunkt jenseits des eigentlichen Druckpunktes, der signalisieren würde, dass die Taste "zu fest" gedrückt wurde.

Um sicherzustellen, dass es sich wirklich nicht um einen Fehler handelte, bin ich in den nächsten Thinkpad-Laden und habe da mal auf den Tastaturen der Thinkpads getippt. Auch dort dasselbe Phänomen. Wenn man den Druckpunkt überwindet, aber die Taste nicht lange genug den Boden berührt, dann erscheint nichts auf dem Bildschirm.

Danach bin ich neugierig geworden und habe mich mit Tastaturen auseinandergesetzt. Diese Zeilen schreibe ich auf einer mechanischen Tastatur, und Leute, das ist ein Traum! Jetzt weiß ich, dass Druckpunkt Druckpunkt sein muss. Und wenn ich auf einer nichtmechanischen Tastatur schreibe, dann weiß ich zumindest, dass ich die Tasten bis runter aufs Brett drücken kann und muss, damit ein Buchstabe kommt. Auch, wenn der Anpressdruck variiert.

Danach habe also weiter mit der Thinkpad-Tastatur getestet und mir ist noch etwas aufgefallen: Der Druckpunkt der Thinkpad-Tastatur ist nicht nur bei hartem Drücken der Tasten bedeutungslos, sondern auch, wenn man die Taste vorsichtig runterdrückt. Es ist nämlich auch einfach möglich, den Druckpunkt langsam und spürbar zu überwinden, wiederum ohne eine Ausgabe zu produzieren.

Andere Rubberdome-Keyboards haben also vielleicht keinen (oder keinen taktilen) Druckpunkt, aber sie reagieren. Thinkpad-Tastaturen haben einen Druckpunkt, der den Schreiber aber nur verwirrt, weil er vollkommen bedeutungslos ist. Bei anderen Tastaturen hat man eine Reaktionsschwelle. Hat man diese überschritten, folgt der Output. Bei den Thinkpads-Tastaturen hat man vielmehr ein Fenster, das man treffen muss und dazu einen taktilen Druckpunkt, der aber nicht deckungsgleich mit diesem Fenster ist.

Wer ein Thinkpad hat (höhö), möge es mal ausprobieren.

Alleine deshalb freue ich mich über die Chicklet-Style-Keyboards der neuen Generation. Die habe ich auch schonmal probiert und da ist da Problem fast gar nicht mehr vorhanden.

So, und nun möchte ich wissen: Bin ich wirklich der Einzige? :confused:
 
@s12er:
Wenn du schon so eine Wissenschaft um die Tastatur machst, solltest du bei jedem Thinkadpad welches dir über den Weg läuft und wo du die Tastatur prüfst mal eine Taste abklippsen und drunter schauen was für eine Mechanik verbaut ist.

Lang ist's her, aber jetzt habe ich tatsächlich eine Tastatur aus dem T42 bekommen und konnte den Vergleich anstellen. Ich muss sagen, dass man echt deutlich erkennen kann, dass die Tastenmechanik der T42-Tastatur von einem ganz anderem Schlag ist. Hier ein Vergleichsfoto.

DSC_0143.jpg
Oben: FRU 39T0523, Model RM88 aus dem T42
Unten: FRU 42T3741, Model MP-90GB aus dem X200s

Die Hersteller lassen sich ja vielleicht an der FRU ermitteln, viel wichtiger finde ich aber, dass unabhängig vom Hersteller die Verarbeitung der oberen Tastatur (alt) der unteren (neu) um längen voraus ist.

Ich liebäugle ja wirklich damit, die T42-Tastatur irgendwie in mein X200s zu würgen. Von der Größe müsste das beinahe passen (die T42-Trackpoint-Tasten ragen etwas weiter nach unten raus), allerdings sind sämtliche Befestigungspunkte anders gesetzt und vor allem ist der Anschluss komplett unterschiedlich. Aber schön wäre es... :eek:
 
die mechanik von modernen nmb-tastaturen sieht nicht anders aus als die deiner t42-tastatur.
 
Aha, und die kriege ich für's X200? Das wäre ja was. Ich habe hier vier X200-Tastaturen, von denen ich jetzt zwar nicht die Hersteller benennen könnte, aber die haben alle die Mechanik der auf dem Bild untenliegenden Tastatur.
 
Suche nach FRU 42T3674 ,das ist eine deutsche NMB-Tastatur für die X200/201 Serie .Diese ist leicht an den blauen Plastikpuffern unter den Tastenkappen auszumachen.

Gruss Uwe
 
Super, vielen Dank für den Hinweis! Gibt es irgendwo eine Liste "FRU -> Hersteller" oder hast du einfach zufällig eine NMB und daher die entsprechende FRU?
 
Danke, aber wie leitest du aus der Tabelle (zwei FRUs pro Layout - sonst nichts) den Hersteller ab?
 
Indem ich die FRU oder PN die morini gepostet hab in der Tabelle suche. Hab hier auch noch ne 42T3674 liegen und das is ne Chicony... deswegen steht die Nummer auch in der linken Spalte.

Den 3. Hersteller (Alps) gibts wohl nicht mehr.

Gruß, David
 
Früher hat Lenovo über die Spalten den Hersteller angeben ,aber seit dem "Lochblechdesaster" bei den R/T/W x00 Serien ,als alle plötzlich die NMB-Tastaturen haben wollten,nicht mehr.
Ich habe hier z.B noch eine UK-Tastatur mit FRU 42T3675 ,und die "fühlt" sich genauso straff an ,wie meine 42T3674 .
Ergo ist davon auszugehen ,dass die Tastaturen mit 42T36xx die "Guten" sind, da die letzten beiden Ziffern nur das Länder-Layout angeben.

Gruss Uwe
 
Also ich habe zum Vergleich "nur" ein Samsung R60, ein Lenovo x61t, L420 und x220t zum Vergleich.

Von denen finde ich die des x61 am besten. Was Anschlag etc. pp betrifft.
 
Früher hat Lenovo über die Spalten den Hersteller angeben, aber seit dem "Lochblechdesaster" bei den R/T/W x00 Serien, als alle plötzlich die NMB-Tastaturen haben wollten,nicht mehr.

Was ist bitte ein schön ein 'Lochblechdesaster'? Klingt ja wie der Untergang der Titanic... :)
 
Lenovo wollte damit Geld sparen, das ging aber voll nach hinten los: furchtbares Tippgefühl

Wie kann man mit ein paar Löchern in der Bodenplatte Geld sparen? Ging es um eine bessere Kühlung? Oder wurde das ThinkPad dadurch leichter?
 
War vor deiner Zeit :D ! Bei den Doppelnullmodellen (R/T/W) wurde aus Kostenersparnis und / oder Gewichtsgründen (Was allerdings nur im Grammbereich ist) auf Tastaturen mit gelochter Rückseite gesetzt.
Diese bogen sich beim Tippen durch,im Gegensatz zu den Modellen für die R/T 6x Modelle ,die auch passen.

Gruss Uwe
 
Materialeinsparung - klingt dämlich, aber das waren glaube ich die offiziellen Beweggründe.
 
... habe eine NMB-Lochblech im T400 und die tippt sich gut. Aber ist eben wie immer alles subjektiv.
 
War vor deiner Zeit !

Kann nicht sein! Vor mir gab es doch nur... :mad:


Was aber stimmt, ist, dass die Tastatur meines ersten 'ThinkPads', des N200, die beste ist, die ich jemals genutzt habe. Irgendwann habe ich alle Tastaturen ausgebaut, verglichen und festgestellt: Es liegt am Bodenblech der Tastatur, und das Bodenblech des N200 ist eindeutig aus einer Panzerschmiede, aluminiumhart und keine Löcher. Es gibt keine Notebook-Tastatur auf der Welt wie die des N200, keinen so harten, satten Anschlag, nirgendwo soviel Stabilität. Blöderweise hat das N200 kein Thinklight, wird sehr warm, hat ein dunkles, wenn auch beachtlich gutes Display und schließlich einen Lüfter, der an Turbinen erinnert.

Außerdem habe ich den Eindruck, das gute Tastaturen immer besser werden! Die Bodenbleche biegen sich nach einiger Zeit durch und landen dadurch überall plan auf ihren Befestigungspunkten. Je länger man auf einer Tastatur schreibt, desto besser wird sie. Diesen Effekt habe ich gerade auf dem W520: Ein satter Anschlag, aber dafür sind die Tasten nun blank und das Thinklight blendet mich über die abgewetzten Dinger an.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lenovo wollte damit Geld sparen, das ging aber voll nach hinten los
Nicht mal unbedingt, es ging viel mehr um einen Wechsel der Abstützung der Tastatur: Bei Geräten mit der nicht-Lochblech-Tastatur hat man das Flexen der Tastatur noch dadurch verhindert, dass die Tastatur möglichst Steif und wenig durchdrückbar gewesen ist. Bei Geräten mit Lochblechtastatur hingegen muss die interne Struktur, also der Structure-Frame, die Tastatur abstützen und Flexen verhindern. Das hat in der 1. Generation von Geräten mit Lochblechtastatur aber noch nicht funktioniert, da die Geräte noch nicht dafür ausgelegt waren, sodass die Tastaturen in dieser Generation sehr stark an einigen Stellen flexten und das Tippgefühl deshalb schlecht war. Um zu verdeutlichen was ich meine, hier ein paar Vergleichbilder:

http://thinkwiki.de/Datei:T4x_Innen.jpg
Kein Structureframe, also muss die Tastatur steif und möglichst flexingfest sein.

http://www.notebookreview.com/shared/picture.asp?f=42196
1. Generation der Geräte mit Lochblech (hier ein T400), was aber insbesondere im Bereich der WASD Tasten nicht funktioniert hat (im Bereich des Lüfters, weil dort ja der Structureframe fehlt.

Deswegen sah sich Lenovo sogar genötigt eine geupdatete Version des T400 rauszubringen mit zusätzlicher innerer Abstützung:
http://www.notebookreview.com/shared/picture.asp?f=42232
Diese deckt genau den schwachen Bereich ab.

Bei den späteren Modellen mit Lochblechtastatur hat man dieses Problem mit einer besseren bzw. optimierteren Abstützung der Tastatur gelöst.

die Tastatur meines ThinkPads, des N200
Das ist kein ThinkPad. ;)
 
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