Kleiner Erfahrungsbericht
Ich habe meinen X200 Tablet jetzt seit einer Woche und möchte ebenfalls meine Erfahrungen mitteilen.
Es handelt sich um ein
7450-86G mit 1,86GHz LV Core2Duo, 2GB RAM und "Frameless Screen" mit SuperBright LED-Beleuchtung ohne MultiTouch. Außerdem sind eine 250GB 5400rpm Festplatte und eine UMTS Karte verbaut.
*Display*
Wie man es von einem "SuperBright LED TFT" erwartet ist die Ausleuchtung sehr gleichmäßig und natürlich hell. Gern hätte ich auch schon die Lesbarkeit bei Sonnenschein überprüft, aber leider gab es in Berlin davon zu wenig in der vergangenen Woche. Schaut man direkt auf das Display, sieht man ein relativ sattes Schwarz, das bei Änderung des Blickwinkels erwartungsgemäß heller wird. Die Blickwinkel-Stabilität des Displays ist trotzdem mehr als ausreichend und auch im Tablet-Modus flach auf einem Tisch liegend wird das Bild kaum verfälscht. Die ClearType-Weichzeichnung von Vista stört hier allerdings mehr als sie nützt: zusammen mit der Displayentspiegelung raubt sie bei kleiner Textgröße einfach zuviel Schärfe. Leider habe ich immer noch keine Möglichkeit gefunden, den von XP gewohnten Zustand herzustellen, wo Text nur ab einer gewissen Größe weichgezeichnet wurde.
In Sachen Farbechtheit konnte mich das Display nicht unbedingt überzeugen. Nach dem Booten überraschte es zwar noch mit einem Anmeldebildschirm im knackigsten Vista-Blau, bald darauf zeigte es jedoch seine Schwäche bei Rottönen. Selbst volles Rot (RGB 255, 0, 0) sieht hier vergleichsweise dunkel und blaustichig aus, was sich auch mit den begrenzten Einstellmöglichkeiten des Grafiktreiber kaum verbessern lässt.
*Stifteingabe*
Die normale Interaktion mit dem Stift als Mausersatz funktioniert wunderbar. Ein erster Schreibversuch hat jedoch gezeigt, dass man den Stift schon ziemlich stark aufdrücken muss, bis dieser die Berührung registriert. Der Radierer braucht sogar noch mehr Druck. Bis meine Displayschutzfolie geliefert wird, werde ich es deshalb erst einmal vermeiden auf dem Display herumzukratzen.
*Verarbeitung*
Obwohl ich das Gerät nach einer Woche immer noch wie ein rohes Ei anfasse: im geschlossenen Zustand ist das X200 sehr robust. Der Displaydeckel lässt sich zwar ein wenig herunterdrücken, leistet aber spätestens ca. 1mm oberhalb der Tastatur ausreichend Widerstand um das Display zu schützen. Der Deckel ist leicht gebogen, wahrscheinlich um sicherzustellen, dass er auch an den Seiten noch fest auf den Gummipuffern liegt. Für mich bringt das leider zwei Probleme mit sich: Im Laptop-Modus lässt sich der Deckel nicht richtig schließen, wenn ich ihn an einer oder beiden Ecken nach unten drücke, sondern nur durch Drücken im Bereich des Riegels in der Mitte. Im Tablet-Modus liegt der Displaydeckel vorne nur auf dem Riegel und dem linken Gummipuffer und wackelt wenn ich meine Hand auf dieser Seite des Displays ablege.
Auch wenn die Abdeckung des Drehgelenks ein wenig Spiel hat, ist das Gelenk sowohl bei Klapp- als auch bei Drehbewegungen zumindest im Moment noch "angenehm schwergängig" und federt Vibrationen des Displays bis zu einem gewissen Grad ab.
Die untere Kante des Displaydeckels wird ziemlich beansprucht. Wenn ich das Display drehe, muss ich schon sehr aufpassen, damit es unten nicht über den Akku schleift. Wird der Deckel weit aufgeklappt reibt er außerdem stark an den vier Gummipuffern, was auf dem weichen Material nicht ohne Spuren bleibt. Wahrscheinlich unvermeidbar, aber trotzdem unschön.
Für mich kein Problem, doch manche hier interessiert es vielleicht: Beide Seiten der Handballenauflage sowie die rechte Seite der Tastatur flexen ein wenig. Dies ist bei ThinkPads aber mittlerweile genauso verbreitet wie die etwas instabile Abdeckung der Lautstärkeknöpfe.
Bei meiner Tastatur handelt es sich dagegen scheinbar um ein Montags-Modell. Mit der Rücktaste, die fast schon lauter scheppert als die dreimal größere Leertaste, könnte ich leben. Was mich aber stört ist ein von den anderen Tasten deutlich unterscheidbares Klicken beim Loslassen der H-Taste, wenn diese zuvor von rechts heruntergedrückt wurde. Ein ähnliches Geräusch entsteht beim bloßen Berühren der rechten Seite der Leertaste, welche sich dabei spürbar neigt. Im Moment überlege ich, ob es sich lohnt die Tastatur komplett auseinanderzunehmen um nach der Ursache zu forschen.
*Geräuschentwicklung*
In meinem Tablet rauscht eine langsame 5400er Festplatte. Hat diese sich erst einmal ausgeschaltet, hört man nur noch das unaufdringliche Flüstern des Lüfters. Nur mit dem Ohr am Lüftergitter wahrnehmbar zirpen und knistern außerdem noch Widerstände im Inneren des Gerätes. Bei normalen Umgebungsgeräuschen erscheint der X200 also praktisch lautlos.
Vollkommen frei vom C4-Fiepen sind aber auch die LowVoltage C2Ds nicht: Von Zeit zu Zeit wird das Zirpen für einige Sekunden zu einem deutlich hörbaren Singen, das sich für mich noch an der Grenze des Erträglichen bewegt.
*Akkulaufzeit*
In der letzten Woche habe ich den Akku zwar schon zweimal aufgeladen, habe es aber nicht geschafft den Achtzeller am Stück leeren. Ich hätte das Gerät zwar 10 Stunden im Idle stehen lassen können, aber das würde kaum brauchbare Werte für den Alltag liefern. Im Moment hat sich die Restzeitanzeige bei aktiviertem WLAN und anspruchslosem Tippen auf 2 Stunden bei 23% Kapazität eingepegelt.
*Audio*
Über die verbauten Stereo-Lautsprecher gibt es nicht viel zu sagen, außer: Sie sind laut. Systemklänge sind bereits bei 1/5 der Maximallautstärke gut hörbar, dreht man voll auf zuckt wirklich jeder im Raum zusammen. Qualitativ habe ich nicht viel von den kleinen Dingern erwartet und wurde somit auch nicht enttäuscht. Musik klingt auch bei geringer Lautstärke sehr blechern und sollte nur über Kopfhörer genossen werden.
Ein Bug des meines alten Notebooks scheint mir zum X200 gefolgt zu sein: Bei der Wiedergabe eines lokalen Videos oder auch auf YouTube kommt es manchmal wie zufällig zu einem Freeze des Videos und der Ton stottert und knattert metallisch. Nach einer Sekunde ist der Spuk vorbei und die Wiedergabe wird normal fortgesetzt. Die einzige offensichtliche Gemeinsamkeit beider Geräte ist der Intel HDA Chip. Kennt jemand das Phänomen?
Auch wenn es jetzt vielleicht nicht so klang: Insgesamt ist es wirklich ein tolles Gerät. Aber bevor jemand 2000 Euro für ein Notebook ausgibt, möchte er sicherlich keine beschönigte Bewertung lesen und später böse Überraschungen erleben. Darum habe ich mich bemüht alle mir bekannten negativen Eigenschaften pedantisch aufzuzählen.
Positiv überrascht haben mich die vielen kleinen durchdachten Details, die in keinem Review stehen, wie z.B. die farbigen Pfeile am Drehgelenk, welche anzeigen in welche Richtung der Displaydeckel jeweils zurückgedreht werden muss. Auch die Wahl des Standardformats 13,3" Wide für die Abdeckung des "Frameless Screen" ist so ein praktisches Detail und erleichtert mir den Kauf einer passenden Displayschutzfolie.
In den nächsten Wochen werde ich mir noch die verbleibenden Funktionen des X200t anschauen und ggf. darüber schreiben. Dazu gehören die UMTS- und Bluetooth-Konnektivität, Webcam- und Mikrofonqualität und genaueres zur Stifteingabe und Akkulaufzeit. Desweiteren ist eine Linux-Installation geplant, auch um eine Neuinstallation von Vista werde ich wohl nicht herumkommen.
Bis dahin!
Robert