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Magic48ges

Ein kompakter PC für Legacy Games

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Aufbau eines der kleinsten PCs für Legacy-Spiele

Einleitung:

Vor einiger Zeit war ich auf der Suche nach einem Weg, meine alten bevorzugten DOS-Spiele spielen zu können, ohne einen der alten, lauten und grossen PC-Dinosaurier dafür vorhalten zu müssen. Irgendwer schlug vor, DOSBox für Win32 auszuprobieren. Also installierte ich DOSBox auf meinem damaligen T61, aber leider lief das von mir gewählte Spiel unabhängig von den Config-Einstellungen nur mit Rucklern, Verzögerungen und Tonausfällen. Zudem kann DOSBox leider keine Creative SoundBlaster AWE32 oder AWE64 emulieren, welche meine bevorzugte Soundkarte für eine Reihe von DOS-Spielen ist. Einige meiner Lieblingsspiele unterstützen auch speziell die AWE32, den Vorgänger der AWE64. Die Firma Bullfrog stellte spezielle AWE32 Sound Bänke für einige ihrer Spiele, z.B. Magic Carpet 1+2 und Dungeon Keeper 1 her. Damit verhalfen sie diesen Spielen im Zusammenspiel mit einer AWE32 zu ganz besonderen, nicht auf anderen Soundkarten verfügbaren Sounds.

Da die Softwarelösung mit DOSBox nicht für meine Zwecke geeignet war, suchte ich nach einer Alternative. Nach einigen Versuchen mit verschiedenen PCs fand ich einen passenden Mini PC (oder Thin Client): Den Thintune Medium oder Large Model WLVI01. Gleich vorweg: Vermeiden Sie das S(mall) Model, welches nur über einen 266 MHz VIA ESP verfügt und nicht aufrüstbar ist. Der Modelltyp (S,M,L) steht auf dem frontseitigen Logo neben dem Einschalttaster. Zudem ist das BIOS des Small Models so stark limitiert, dass eine Installation von DOS auf diesen Maschinen keinen Spass macht. Das M(edium) Model besitzt ein deutlich moderneres BIOS, und ist mit einem 533 MHz VIA ESP ausgestattet, der für die meisten DOS-Spiele ausreichen sollte. Leider unterstützt das Medium Model keine 1.0 GHz oder 1.2 GHz CPUs, ist also nur begrenzt aufrüstbar. Nur das L(arge) Model, welches mit dem neuesten für diese Maschinen verfügbaren BIOS ausgestattet ist und über eine VIA C3 800 MHz CPU verfügt, kann mit einer VIA CPU bis zu 1.2 GHz oder einer kompatiblen Intel P3 Coppermine CPU aufgerüstet werden.
Meistens ist dieser kleine Rechner als Terminal konfiguriert. Er bootet von CF oder DOM in ein minimal-Linux, welches sich dann mit einem Server im LAN verbinden will. Aber im Inneren ist diese Maschine ein normaler x86 kompatibler PC mit allen notwendigen Bestandteilen:

EseSIX Thintune Large WLVI01 Überblick
  • (mit gewissen Einschränkungen) P3 kompatible CPU, der VIA C3 mit einer Taktfrequenz von 800MHz
  • Northbridge mit integrierter Grafikeinheit, hier dem VIA Twister-T
  • Southbridge mit USB 1.1 Unterstützung
  • RealTek 10/100 LAN Chip
  • Eingebauter zum SoundBlaster 16 kompatibler Sound Chip
  • Gemeinsamer ISA/PCI Slot
  • 128MB PC133 SDRAM


Für viele Spiele ist der eingebaute Soundchip ausreichend, aber einige meiner Lieblingsspiele klingen mit einer AWE32 oder AWE64 einzigartig und viel besser, und deshalb suchte ich nach einem PC mit ISA-Slot für die AWE64.

Der WLVI01 besitzt normalerweise ein passives Kühlsystem mit einem einzigen grossen Kühlkörper auf der CPU und einem sehr kleinen Kühlkörper auf der Northbridge. Der Gehäusedeckel besitzt eine Reihe von Luftlöchern, und wird vom CPU-Kühlkörper und dem eingebauten Netzteil als Hitzeverteiler verwendet. Auch unter normalen Betriebsbedingungen kann diese Kühlungs-Strategie zu massiven thermischen Problemen wie Hitzestau führen. Aufgrund dieses Designfehlers des Herstellers nehme ich an, dass viele WLVI01 den Hitzetod gestorben sind.

Daher musste ich einige Veränderungen vornehmen, um diese Probleme zu umgehen.


Es gibt zwei generelle Erweiterungsmöglichkeiten für den WLVI01
  • Teil 1: Minimaler Aufwand, ausreichend für die meisten DOS und einige Win9x basierten Spiele
  • Teil 2: Maximale Leistung, schnell genug für einige weitere Win9x Spiele, und sogar für Windows 2000



Software-Links
(Siehe Ende des Texts)



Teil 1:



Veränderungen zum normalen WLVI01
  • Massiver Kupfer-Kühlkörper mit nur 1,25cm Höhe
  • Sharkoon 70mm Lüfter mit nur 1,5cm Höhe
  • Lüftersteuerung
  • IDE-nach-CF Adapter 90 Grad abgewinkelt
  • Hitachi Microdrive 4GB
  • Creative SoundBlaster AWE64 CT4520
  • 512MB PC133 SDRAM


Der flache Kupferkühlkörper wurde zuvor in 1HE Servern verwendet, und ist/war auf eBay verfügbar. Der Sharkoon Lüfter wurde aufgrund seiner geringen Höhe und Laufruhe gewählt. Es gibt leider nicht viele flache Lüfter mit 7cm Durchmesser. Ich musste einen Lüfter mit 7cm Durchmesser nehmen, da zwischen der AWE64 und dem SDRAM Chip nicht sehr viel freier Raum ist. Die Höhe ist auf 1,5cm beschränkt, um den Kühlkörper nicht zu berühren.

Tatsächlich hätte auch ein Lüfter mit 8cm Durchmesser "saugend schmatzend" zwischen die AEW64 und den RAM Riegel gepasst, allerdings sind Lüfter mit 8cm Durchmesser und 1,5cm Höhe eher noch seltener als Lüfter mit 7cm Durchmesser, und die Montage des Gehäusedeckels ist mit einem 7cm Lüfter wesentlich einfacher. Das Lüftungsgitter zwischen Lüfter und Gehäusedeckel besteht aus einem Stahlgitter mit den Abmessungen 10x10cm, welches als Basis für Aquariumspflanzen verkauft wird. Das Loch im Gehäusedeckel hat einen Durchmesser von 67 mm, also exakt der gewünschten Grösse. Die Herstellung des Lochs war der aufwendigste Teil, wofür ich eine spezielle Lochsäge für "Sheet Metal" (Metallfolien) verwendete.

Eine weitere Herausforderung stellte die SoundBlaster Karte dar. Die meisten AWE Karten sind viel zu lang für das kleine Gehäuse des Thintune, daher musste ich eine in dieses Gehäuse passende AWE32 oder AWE64 Karte finden. Die einzigen passenden Karten sind die CT4500 (knapp) und die CT4520 (viel besser). Die CT4500 passt sehr knapp in die Lücke zwischen Frontpanel und Rückseite, die CT4520 passt locker in das Gehäuse. Die Bilder zeigen die CT4520.

Als Basis reicht ein DOS 5.0 oder 6.xx aus. Meine Wahl fiel allerdings auf Windows 98 SE, da dieses "OS" viele Sound- und Grafiktreiberprobleme löst bzw. vereinfacht. Zudem erlaubt Win9x, die SVGA Version von C&C Tiberian Dawn zu spielen, welche Windows 95 und DirectX voraussetzt. Das Swap-Verhalten von Windows 98SE war auch der Grund für die Verwendung eines relativ langsamen Microdrive anstatt einer viel schnelleren Sandisk ExtremeIII CF Karte.

Da Windows 98 den Swapfile regelmässig aktualisiert, würde eine normale CF-Karte irgendwann Probleme mit den Speicherzellen bekommen, die bei einem mechanischen Microdrive wahrscheinlich nicht auftreten würden. Ich empfehle dringend die Verwendung eines 4GB oder 6GB Microdrive, da diese Versionen deutlich schneller als die ersten Microdrive mit 512KB oder 1GB sind.

Aus heutiger Perspektive ist natürlich selbst ein 4GB oder 6GB Microdrive unglaublich langsam, aber als Programmstarter ausreichend. Man könnte auch eine viel schnellere 2,5" Festplatte verwenden, allerdings würde man dabei auf verschiedene Schwierigkeiten stossen, u.A. ist der Raum im Gehäuse sehr begrenzt, es gibt normalerweise keine Befestigungsmöglichkeit für eine Festplatte, zudem muss trotz des zusätzlichen luftstromstörenden Wärmeerzeugers (Festplatte) für eine ausreichende Luftzirkulation gesorgt werden. Es ist also viel einfacher, ein CF Microdrive zu verwenden. Dennoch zeigt Teil 2 , wie eine 2,5" Festplatte installiert werden kann.

Der Sharkoon Lüfter dient als kombinierter Lüfter für CPU, Northbridge und Gehäuse. Anders als bei vielen Lüftungskonzepten bläst der hier verwendete Lüfter die Luft nicht auf die CPU, sondern befördert die warme Luft nach oben aus dem Gehäuse hinaus. Der dabei entstehende Luftstrom kühlt das Gehäuseinnere sehr effizient.

Die weissen styropor-artigen Aufkleber auf der CF-Karte und der Soundkarte wurden zur Vermeidung von Kurzschlüssen zwischen CF-Adapter und Karte bzw. Karte und Gehäusedeckel angebracht. Hintergrund: Der CF-Adapter befindet sich sehr nah an der Karte, und die ISA-Karte befindet sich physisch sehr nahe am Gehäusedeckel.

Die Twister-T Grafikeinheit ist nicht sehr performant, aber ausreichend für eine Reihe von DOS und Windows 9x basierten Spielen. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Upgrade der Grafikeinheit, da der PCI/ISA bereits von der ISA AWE Karte belegt ist. Falls aber die AWE Soundkarte aus irgend einem Grund doch nicht gebraucht werden sollte, könnte man im dann freien PCI-Slot eine passende PCI Grafikbeschleunigerkarte installieren.

Allerdings existieren sehr starke Einschränkungen bezüglich des Stromverbrauchs, da das kleine eingebaute Netzteil nicht mehr als 1A für den gesamten Rechner liefern kann. Daher werden fast alle halbwegs modernen PCI-Grafikkarten nicht funktionieren, oder sogar den Rechner beschädigen. Der andere Flaschenhals ist der CF Microdrive, der eine der langsamsten Festplatten überhaupt ist, allerdings wie oben erwähnt auch nur einen Kompromiss aufgrund der beengten Platzverhältnise im Thintune Gehäuse darstellt.

Eine weitere (optionale) Modifikation ist die Aufrüstung der vorhandenen VIA C3 CPU mit 533 oder 800MHz durch eine schnellere kompatible VIA C3 CPU. Zunächst fand ich einen VIA C3 Nehemiah mit 1GHz und später ein Exemplar mit 1.2GHz, welche dann im Thintune verbaut blieben, bis ich erkannte, dass auch Intel Coppermine CPUs in Thintune funktionieren, siehe Teil 2 . Gesockelte VIA C3 CPUs ab 1GHz waren zudem schwierig zu finden, da die meisten Geräte mit VIA C3 die CPU fest auf dem (meist) EPIA Mainboard verlötet haben.

Man darf den Performancegewinn beim Einsatz einer 1GHz CPU im Vergleich zu einer 800MHz CPU nicht überbewerten, da die CPU nicht den Flaschenhals darstellt. Allerdings fühlt sich der Windows 98SE Desktop etwas flotter an, und CPU-intensive Anwendungen werden etwas schneller laufen. Die C3 CPU mit 1.2GHz bringt eine weitere Mini-Beschleunigung, aber wie oben erwähnt, sind die begrenzenden Faktoren hauptsächlich bei der langsamen Microdrive-Festplatte und der Twister-T Grafik zu finden.

Weitere Optionen zur Feineinstellung des Systems sind denkbar, wie z.B. eine RAM Disk für Anwendungen, die intensiv auf die Festplatte zugreifen.





Software Voraussetzungen für den MiniPC
  • Windows98SE Installationsdateien auf die Zielfestplatte kopieren
  • Installieren von Windows98SE aus dem Installationsordner heraus (Setup starten)
  • Installieren der Intel INF (Chipset) Dateien
  • Installieren der VIA Chipsatztreiber
  • Installieren der VIA Twister Grafiktreiber
  • Installieren der RealTek LAN Treiber
  • Installieren des IE6 SP1
  • Installieren des IE6 SP1 Service Packs
  • Installieren von DirectX. DX7 wird für die meisten Anwendungen ausreichen
  • Installieren des Windows Media Player 9. Optional, da der WMP 6.4 hier meist ausreicht
  • Installieren des inoffiziellen W98SE Servicepacks. Alle Optionen auswählen
  • Installieren des allgemeinen nativen USB Treibers
  • Installieren der AWE64 WDM Treiber (Optional. Die Deamon Tools arbeiten ohne WDM besser)
  • Installieren der Deamon Tools (Optional für Spiele, die ein CD/DVD Image benötigen)
  • Installieren der Spiele;-)

Spiele, die auf dem Mini-PC unter Windows 98SE gut laufen
  • Magic Carpet Plus, welches aus Magic Carpet 1 + Hidden Worlds + Bug Fixes besteht
  • Magic Carpet 2 (The Netherworlds)
  • Dungeon Keeper Gold
  • Command&Conquer Gold (C&C Tiberium Dawn SVGA Version + Covert Operations)
  • Duke Nukem 3D Atomic Edition

Die folgenden Spiele laufen, allerdings nicht unbedingt flüssig, und werden daher nicht für den Einsatz auf diesem Mini-PC empfohlen.

Spiele, die zu langsam laufen
  • Command&Conquer 2 Red Alert
  • Command&Conquer Renegade



Für resourcenintensivere Spiele wie Serious Sam ist der Thintune schlicht zu langsam, aber für den von mir geplanten Zweck erfüllt der Thintune seine Aufgabe sehr gut.

Es war ein zeitintensives, aber durchaus Spass machendes Projekt, alle benötigten Komponenten zusammen zu suchen, die Hard- und Software zu optimieren, und letztlich eine funktionierende Lösung zu realisieren. Ich hoffe, Ihr hattet auch etwas Freude beim Lesen und Anschauen der Bilder, und vielleicht will ja der Eine oder Andere einen ähnlichen Mini-PC bauen. Einen Mini-PC ohne ISA-Slot zu bauen ist nicht schwierig, aber wenn man (wie ich) auch eine AWE64 oder eine andere ISA-Karte benutzen will, sollte man nach einem Thintune WLVI01 oder etwas ähnlichem Ausschau halten, solange sie noch verfügbar sind.

Man sollte nicht vergessen, dass der Thintune gewissen Leistungsgrenzen unterliegt, aber für viele DOS Spiele ausreichend performant ist, und dabei zudem relativ wenig Energie verbraucht.

Die meisten Komponenten habe ich zwischen 2008 und 2010 gekauft. Ende 2010 waren einige VIA C3 1.2AGHz CPUs auf dem Markt, zumeist von US eBay Verkäufern. Hier und da wurden auch Thintune WLVI01 Geräte angeboten. Die P-ATA (IDE) Festplatten und PC133 SDRAM Riegel werden in Zukunft ebenfalls schwieriger zu bekommen sein. Wie oben geschrieben, ist es von Vorteil, sich die entsprechenden Komponenten zu besorgen, solange sie noch verfügbar sind.

Wenn etwas mehr Performance gefragt ist, bitte einen Blick in Teil 2 werfen.

Falls eine ähnliche Lösung mit wesentlich mehr Performance gesucht wird: Ich habe einen ebenfalls sehr kleinen Industrie-PC der Firma KingDy aufgebaut, dessen Gehäuse nicht viel grösser als jenes des Thintune ist. Der KingDy läuft allerdings mit einem Pentium 3 Tualatin mit 1.33GHz, besitzt eine PCI Version einer Radeon 9200 mit 256MB RAM, eine AWE64 CT4380, sowie eine schnelle 2.5" HD . Bei Interesse kann ich die Details zum KingDy Rechner separat beschreiben.

Viele Spass:-)

Raymond
ThintuneLarge_1_Front.jpgThintuneLarge_1_Open.jpgTT_SB_AWE64.jpg

ThintuneLarge_2_Cooler1.jpgThintuneLarge_2_Cooler2.jpg

ThintuneLarge_2_HD_Adapter1.jpgThintuneLarge_2_Open2.jpg

ThintuneLarge_2_Open1.jpgThintuneLarge_2_Top.jpg

ThintuneLarge_2_Back.jpg






Teil 2:


Veränderungen zum normalen WLVI01
  • VIA C3 Nehemiah CPU mit Taktfrequenzen von 1GHz oder sogar 1.2GHz anstatt der 533/800MHz der eingebauten CPU
  • Intel Pentium III Coppermine oder kompatible CPU mit bis zu 1.4GHz (Siehe CPU Optionen)
  • Massiver Kupfer-Kühlkörper mit nur 1,25cm Höhe
  • Sharkoon 70mm Lüfter mit nur 1,5cm Höhe
  • Lüftersteuerung
  • Toshiba 40GB Festplatte oder besser: Samsung HM-160HC 160GB IDE Festplatte
  • Creative SoundBlaster AWE64 CT4520
  • 512MB PC133 SDRAM


CPU Optionen
  • VIA C3 Nehemiah CPU mit Taktfrequenzen von 1GHz oder sogar 1.2GHz anstatt der 533/800MHz der eingebauten CPU
  • Intel Pentium III Coppermine oder kompatible CPU mit bis zu 1.4GHz
  • Intel Pentium III Coppermine-T mit 1000MHz (SL5QJ) oder 1133MHz
  • Intel Pentium III Tualatin mit bis zu 1.4GHz (SL6BY) mit T-2-C Adapter


Die sehr seltene Coppermine-T CPU ist eine Coppermine CPU im Gehäuse einer Tualatin CPU, also mit eingebautem Heat Spreader. Der Heat Spreader schützt den Siliziumkern und vereinfacht die Montage. Eine Coppermine-T CPU kann mit GTL+ (CuMine) oder AGTL (Tualatin) Signal-Level arbeiten.

Das Thintune Board wurde erfolgreich mit dem Intel P3 SL4C8 Coppermine 1GHz 133MHz FSB, dem seltenen Coppermine-T SL5QJ mit 1GHz 133MHz FSB, sowie einer modifizierten Tualatin Big King SL6BY Server CPU mit 1.4GHz und 133MHz FSB getestet. Die SL6BY Modifikation besteht aus einem Tualatin nach Coppermine Adapter, der direkt auf dem CPU-Gehäuse ohne Zwischenplatine angebracht wurde. Diese Modifikation stammt von einem Menschen aus Südkorea. Glücklicherweise kann der VIA Apollo133 Pro Chipsatz des Thintune mit den 512K Cache des Big King umgehen. Der Big King mit 1.4GHz ist in fast jedem CPU Benchmark ca. doppelt so schnell wie ein VIA C3 mit 1.2GHz.

Diese Konfiguration ist schnell genug, um sogar Windows 2000 mit erträglicher Performance zu betreiben. Die Verwendung von W2K vereinfacht einige Dinge, unter Anderem die Treiberproblematik. Als netter Seiteneffekt ist W2K viel robuster als W98SE, welches bereits durch eine wildgewordene Anwendung zum Absturz gebracht werden kann. Die Kehrseite der Medaille ist der wesentlich grössere Speicherverbrauch von W2K, was aber bei Verwendung eines 512MB RAM Riegels und einer schnellen Festplatte wie der Samsung HM-160HC kein Problem darstellen sollte.

Die wichtigste Verbesserung (neben dem Big King) ist die Verwendung einer richtigen 2.5" Festplatte anstatt des sehr langsamen Microdrives. Die Herausforderung bestand darin, einen passenden Platz für die Festplatte innerhalb des kleinen Gehäuses zu finden. Tatsächlich befindet sich der beste Platz für die Festplatte, den ich finden konnte, auf einer an der AWE64 befestigten Tochterplatine. Auf diese Weise wird der Luftdurchfluss durch das Gehäuse nicht zu sehr eingeschränkt, und um die North Bridge sowie die CPU kann die Luft frei zirkulieren. Glücklicherweise besitzt die Platine der AWE64 drei Löcher in für die Montage der Tochterplatine sehr günstigen Positionen. Man muss nur im Bereich der senkrecht aufgelöteten Kondensatoren ein rechtwinkliges Stück aus der Tochterplatine aussägen, siehe Bilder.

Die Tochterplatine auf den ersten Bildern ist ein Breadboard zur Prototypenentwicklung, die später eingesetzte Tochterplatine besteht aus einer 2mm starken (dünnen) Plexiglasplatte, die wesentlich besser als das Breadboard aussieht. Das kupferbeschichtete Breadboard tendierte zudem zur unangenehm riechenden Ausgasung von chemischen Hilfsstoffen zur Beseitigung von Kupferresten zwischen den Kontaktpunkten, wohingegen die Plexiglasplatte geruchsneutral ist.

Nach der Betriebssysteminstallation wird man den Unterschied sofort spüren. Win98SE startet in weniger als einer Minute, und sogar Windows 2000 startet relativ schnell.

Software Voraussetzungen für den MiniPC unter Windows 2000
  • Windows 2000 Installationsdateien auf die Zielfestplatte kopieren
  • Installieren von Windows 2000 aus dem Installationsordner heraus (Setup starten)
  • Installieren der Intel INF (Chipset) Dateien
  • Installieren des VIA Hyperion 4-in-1 Treibers. Dieser beinhaltet INF, Chipsatz, IDE
  • Installieren der VIA Twister Grafiktreiber
  • Installieren der RealTek LAN Treiber. Nicht notwendig, da die LAN Karte von automatisch von W2K erkannt wird
  • Installieren des IE6 SP1
  • Installieren des IE6 SP1 Service Packs
  • Installieren von DirectX. DX7 wird für die meisten Anwendungen ausreichen
  • Installieren des Windows Media Player 9. Optional, da der WMP 6.4 hier meist ausreicht
  • Installieren des Service Pack 4
  • Installieren des Service Pack 4 Update Rollup
  • Installieren eines Virenscanners, z.B. Avira
  • Installieren der Deamon Tools (Optional für Spiele, die ein CD/DVD Image benötigen)
  • Installieren des DotNet Frameworks Version 2.0 (Optional, vor Installation von TFD)
  • Installieren der Spiele;-)


Die interessanten Spiele sind dieselben wie unter Windows 98SE, aber mit dem leistungsfähigeren Setup und Windows 2000 hat man auch die Möglichkeit, Command&Conquer The First Decade (TFD) zu installieren. Die folgenden Spiele aus TFD sind für den Thintune geeignet:

Spiele, die auf dem Mini-PC unter Windows 2000 gut laufen
  • Command&Conquer Tiberium Dawn + Covert Operations
  • Command&Conquer Tiberian Sun I (+ add-ons)
  • Command&Conquer Red Alert I + add-ons)


Und ab hier wird es nochmals etwas interessanter, wenn man das Patchpaket tfd-103-rev4.exe installiert. Dieses Paket patcht alle installierten TFD Komponenten auf neuere Versionen, wendet die entsprechenden NoCD Patches an, und ermöglicht es, C&C Tiberian Dawn in HiRes (1024x768) zu spielen! Für den HiRes Modus muss allerdings das MS DotNet Framework 2.0 installiert sein.

Es folgt eine Bilderserie, die die Upgrades und die BIOS und Windows Einstellungen zeigt.

TT_HD_Adapter_Side.jpgTT_HD_Adapter_Bottom.jpg

TT_HD_Connected_Open.jpgTT_HD_Connected_Assembled.jpg

Hier folgen einige Bilder einer der letzten Inkarnationen des Mini-PC, mit VIA C3 1.2GHz CPU und Samsung HM-160HC IDE Festplatte, die mit Schwingungsdämpfern auf einer Acrylglasplatte montiert ist. Inzwischen wurde die VIA C3 CPU durch einen modifizierten SL6BY Big King ersetzt, welcher die schnellstmögliche Sockel 370 Pentium 3 CPU ist, und problemlos im Thintune läuft.



VIA_C3_1_2AGHz_1.jpgThintuneLarge_BigHD1.jpgThintuneLarge_BigHD2.jpg

Im Folgenden werden die empfohlenen BIOs Einstellungen gezeigt. Zu beachten sind die SoundBlaster IRQ und DMA Einstellungen (7-3-7), die sich von Standardeinstellungen (5-1-5) unterscheiden, da der ISA IRQ 1 und DMA Kanal 5 im Thintune exklusiv für den eingebauten SB16 kompatiblen Soundchip reserviert zu sein scheint, und nicht zu externen Geräten wie der AWE64 geroutet wird. Immerhin funktioniert auch die 7-3-7 Konfiguration im Zusammenspiel mit Magic Carpet 1+2.

Und da wir gerade dabei sind: Das Starterprogramm von Magic Carpet Plus, welches Magic Carpet 1 und Hidden Worlds beinhaltet, hat leider einen Softwarefehler, welcher die Einstellung der korrekten SoundBlaster IRQ und DMA Einstellungen verhindert. Daher muss man diese Werte manuell korrigieren. Beim ersten Start von MagicCarpetPlus.exe erzeugt das Programm eine CARPET Ordnerstruktur auf Laufwerk C, lässt aber die Soundeinstellungen undefiniert. Sobald man diese Einstellungen in C:\CARPET durchgeführt hat, sind sie beim nächsten Programmstart nicht mehr innerhalb des Programms änderbar, bleiben aber korrekt eingestellt.



BIOS-0.jpg BIOS-1.pngBIOS-2.jpgBIOS-3.jpg

BIOS-4.jpgBIOS-5.jpgBIOS-6.jpgBIOS-7.jpg

BIOS-8.jpgBIOS-9.jpgBIOS-10.jpgBIOS-11.jpg

BIOS-12.jpgBIOS-13.jpgBIOS-14.jpg



Es folgt ein Überblick zur installierten Software.

W98SE_InstalledSoftware1.jpgW98SE_InstalledSoftware2.jpg


Es folgen die Windows 98SE Geräteeinstellungen inkl. der Einstellungen für die SoundBlaster AWE64. Zu beachten ist, dass die WDM Treiber nicht zwingend erforderlich sind. Der Sound funktioniert auch mit den zu Windows 98SE mitgelieferten Treibern einwandfrei.

W98SE_SystemOverview.jpgAnhang 84448Anhang 84449

W98SE_DM_AVG_AWE_1_General.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_2_Settings.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_3_Driver.jpg

W98SE_DM_AVG_AWE_4_Resources1.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_4_Resources2.jpg

W98SE_DM_AVG_AWE_WT_1_General.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_WT_2_Driver.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_WT_3_Resources.jpg


W98SE_DM_AVG_AWE_Gameport_1_General.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_Gameport_2_Driver.jpgW98SE_DM_AVG_AWE_Gameport_3_Resources.jpg




Links
Inoffizielles Windows 98SE Service Pack
Inoffizielles Windows 98SE Service Pack (Alternativer Download)
DEAMON Tools (Aktuelle Version. Ab Windows 2000)
DEAMON Tools (Legacy Version 3.47 ab Win95) (Alternativer Download)
Command & Conquer: The First Decade - Unofficial Patch




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Kommentare

  1. Avatar von puntohgt2008
    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Sehr eindruckvoll was man macht, um die guten alten Games von früher zu zocken.

    Ich habe allerdings noch einen "Dinosaurier" für solche Zwecke hier stehen
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