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Markus Rebl

Rechtliche Probleme bei Avataren

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Zwischenzeitlich werden Diskussionen geführt, ob die Avatare wieder zugelassen werden sollen, bzw. warum diese in der Vergangenheit nicht möglich waren.

Die Verwendung von Avataren ist im Hinblick auf die rechtliche Seite nicht unproblematisch. Der Umgang mit der Veröffentlichung von Bildern im Internet wird teilweise sehr unbedarft ausgeübt und es entsteht der Eindruck einer „All-Inklusiv-Mentalität“, sprich wenn man ein entsprechendes Foto benötigt, findet man dieses z.B. über die Google-Bildersuche und verwendet es sodann für seine Zwecke. Früher wurden Fotos noch selbst erstellt.
Die Frage, ob die Nutzung dieser fremden Bilder überhaupt zulässig ist, stellt sich für die meisten User nicht, auch denken die allerwenigsten überhaupt im Entferntesten daran, den Fotografen etc. zu befragen, ob das Bild überhaupt benutzt werden darf oder nicht, ggf. ob etwas hierfür zu zahlen ist.

Das Nutzen von Bildern (um etwas anderes handelt es sich auch bei den Avataren nicht) kann sowohl ein Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz als auch gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht darstellen. Grundsätzlich verhält es sich so, dass man ein eigenes Foto bzw. sonstiges Bild als Urheber immer selbst auch online stellen darf, weil der Urheber logischerweise auch die Nutzungsrechte am eigenen Bild hat. Hat man das Foto nicht selbst erstellt, ist folglich somit nicht Urheber, bedarf es im Normalfall immer der Einräumung eines Nutzungsrechts für die Veröffentlichung im Internet oder sonstige Nutzung. Hierbei kann man nicht sagen, dass – sofern ein Foto über die Google-Suche beispielsweise auffindbar ist, automatisch von jedem frei verwendet werden darf.

Wenn man folglich ein fremdes Bild als Avatar ohne Rückfrage benutzt, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man fremde Rechte an diesem Bild verletzt. Nicht nur der Fotograf – sprich Urheber – sondern auch eine Vielzahl von anderen Nutzungsberechtigten können hier Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche geltend machen, bei Fotos von bekannten Comic Helden beispielsweise liegen Nutzungsrechte neben den eigentlichen Urhebern meist auch bei großen Verlagen als ausschließliche Nutzungsberechtigte. Unterlassungsansprüche verbunden mit Rechtsanwaltskosten und Schadensersatzansprüche können schnell tausend Euro übersteigen.

Sicherlich gibt es von diesem Grundsatz Ausnahmen, beispielsweise Fotos aus open-source-Quellen. Diese Fotos stehen grundsätzlich jedermann unentgeltlich zur freien Nutzung zur Verfügung. Problematisch bei diesen Fotos ist allerdings, dass bzw. in welchem Umfang hier jedermann Rechte zur Nutzung eingeräumt werden. Dies ist häufig erst durch genaue Recherche möglich. Teilweise ist diese Nutzungserlaubnis auch an Auflagen geknüpft, beispielsweise die Nennung des Fotografennamens o.ä. Nicht selten werden Nutzer, welche z.B. über Wikipedia gefundene Fotos eingebunden haben, Gegenstand von Abmahnungen. Gegenstand der Abmahnung ist hier nicht dass das Foto ohne entsprechende Lizenzvereinbarung verwertet wurde, sondern dass die Nebenabsprachen nicht eingehalten wurden. Bei Wikipedia-Fotos ist z.B. stets der Urheber und die Quelle zu nennen. Wird dies unterlassen, stehen dem Berechtigten ebenso Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche zu. Auch hier kann ich aus meiner Erfahrung in vielen Fällen berichten dass schnell tausend Euro und mehr zu zahlen sind, die eigenen Anwaltskosten nicht eingerechnet.

Auch kann das Nutzen fremder Fotos Probleme mit dem sog. allgemeinen Persönlichkeitsrecht mit sich bringen. Eine Verletzung dieses Persönlichkeitsrechts in Form des Rechts am eigenen Bild tritt häufig dann auf, wenn bei Avataren oder anderen im Internet veröffentlichten Fotos neben der eigenen Person auch andere Personen deutlich erkennbar abgebildet sind. Die ohne ihr Wissen bzw. ohne ihre Zustimmung abgebildeten Personen besitzen ebenso Unterlassungsansprüche, teilweise auch Schadensersatzansprüche.

Ein weiteres Problem stellt sich bei dem Erstellen eigener Fotos, sofern urheberrechtlich geschützte Gebäude (z.B. Hundertwasser-Haus) Gegenstand der Bilder sind. Wenn ein Bauwerk urheberrechtlich geschützt ist, so sind eigentlich auch die Fotos hiervon vom Urheber zu lizenzieren. Es gibt aber die sog. Panoramafreiheit, alles was von öffentlichen Straßen und Plätzen aus in einer Höhe von bis zu c.a. 2 Meter einsehbar ist darf von dort aus auch fotografiert werden ohne dass eine Zustimmung des Urhebers notwendig wäre. Wird also eine entsprechendes Gebäude vom Gehweg aus in Augenhöhe fotografiert sollte es keine Probleme geben.

Man kann daher bei der Auswahl eines geeigneten Avatars jedem nur raten, entweder nur selbst aufgenommene Fotos zu verwenden, bzw. wenn schon Bilder aus dem Internet verwendet werden, sicherzustellen, dass der Urheber bzw. Fotograf diese beabsichtigte Nutzung auch erlaubt. Es gibt beispielsweise mittlerweile im Internet eine Vielzahl von Bilderseiten, welche jedermann eine unentgeltliche Nutzungsmöglichkeit einräumen. Allerdings sollte man sich hier vor Nutzung eines entsprechenden Fotos auch versichern, dass dies der Fall ist.

Markus Rebl
Rechtsanwalt
Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz


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Kommentare

  1. Avatar von Mornsgrans
    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel.
  2. Avatar von deeptrancer
    hervorragend, herzlichen Dank für die Aufklärung!
  3. Avatar von dsred
    vielen Dank für die gut zusammengefaßten Infos. Für mich persönlich war der Umgang mit "urheberrechtlich geschützte Gebäuden" bisher nicht bekannt...

    gruß dsred
  4. Avatar von ASBalu
    Klasse!
    Herzlichen Dank an den Fachanwalt und an Andy für die Mühe, - und schlußendlich für "unsere" zurückkehrenden Avatare
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